Wie entwickelt sich der Life Science Standort Mittelhessen?

Der VDI Mittelhessen und das Regionalmanagement Mittelhessen laden am 20. März 2025 auf die High-Tech Messe W3+ Fair in Wetzlar ein. Diskutieren Sie mit, über die Bedeutung der Schlüsselbranche Life Science für den Standort.

Das vollständige Programm und Anmeldung finden Sie hier.

Healthcare-Storys
Partikeltherapie im Marburger-Ionenstrahl-Therapiezentrum (MIT)
Die Partikeltherapie hat sich in den letzten Jahren, im Kampf gegen Krebs, als eine sehr gute Behandlungsoption für Krebskranke etabliert, auch weil die Nebenwirkungen vergleichsweise gering sind.
Artikel lesen
Big Data in der Medizin
Das Auftragsforschungsinstitut Alcedis aus Gießen weiß, wie man den Prozess der Medikamentenentwicklung mithilfe innovativer Softwaresysteme beschleunigt – zum Wohl von Medizin und Patienten.
Artikel lesen
Universität Marburg
Die einzigartige Kombination aus spezialisierten Studiengängen, internationaler Spitzenforschung und innovativer Industrie in Marburg macht die Philipps-Universität Marburg zum idealen Startpunkt für angehende Gesundheitsexperten.
Artikel lesen
Cannabis ist mehr als ein Rauschmittel. Die Pflanze lindert Schmerzen bei chronisch kranken Patienten, bei denen reguläre Therapieansätze nicht mehr helfen. Seit 2017 dürfen Ärzte auch in Deutschland medizinisches Cannabis legal verschreiben. Aber birgt der Konsum auch Risiken?
Artikel lesen
TIG Gießen
Fehlende Aufträge, kein Netzwerk, Geldknappheit: Die Gründe einer Startup-Pleite sind vielfältig. Das Technologie- und Innovationszentrum Gießen (TIG) unterstützt deshalb junge Unternehmen von Beginn an und ermöglicht ihnen einen erfolgreichen Start.
Artikel lesen
Ein Liter Blutplasma kann in 17 verschiedenen Produktlinien gegen seltene Krankheiten eingesetzt werden: Das Marburger Biotechnologie-Unternehmen CSL Behring stellt daraus Medikamente her – etwa gegen das Hereditäre Angioödem (HAE) oder Hämophilie.
Artikel lesen

SPANNENDE STORY? INNOVATIVER SERVICE?

Wir bringen Ihren Content auf den Blog für die Medizinwirtschaft in Mittelhessen.
Kontaktieren Sie uns. 

FOLGEN SIE UNS AUF…

facebook - Healthcare Mittelhessen   LinkedIn - Healthcare Mittelhessen   LinkedIn - Healthcare Mittelhessen

Die Partikeltherapie am Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum (MIT)

Partikeltherapie im Marburger-Ionenstrahl-Therapiezentrum (MIT)

Krebs befällt jährlich tausende Menschen: 500.000 Krebsneuerkrankungen beziffern Fachleute für 2020 in Deutschland. Und doch: Bei richtiger Therapie weisen viele Krebserkrankungen hohe Heilungschancen auf. Das Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum (MIT) bietet Tumorpatienten seit 2015 eine schonende Alternativtherapie zur herkömmlichen Strahlentherapie (Röntgenstrahlung) an: die Partikeltherapie. Dank ihr erzielen die Ärzte dort sensationelle Erfolge – so auch bei Harald Thamm.

Partikeltherapie im Marburger-Ionenstrahl-Therapiezentrum (MIT)
Die Partikeltherapie am Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum (MIT) hat sich in den letzten Jahren im Kampf gegen Tumore als eine sehr gute Behandlungsoption für Krebskranke etabliert, auch weil die Nebenwirkungen vergleichsweise gering sind. (Foto: MIT/UKGM)

Eine Routineuntersuchung beim Zahnarzt veränderte sein Leben drastisch. Zufällig diagnostizierten die Ärzte einen Gaumentumor in der Größe eines Golfballs. An dieser heiklen Körperstelle musste schnell eine schwere Entscheidung getroffen werden: operieren oder bestrahlen? Die Entscheidung fiel zugunsten einer Partikeltherapie am MIT (Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum).

Der Vorteil der Partikeltherapie: Der Strahl wird millimetergenau auf das Tumorgewebe ausgerichtet. Die Teilchen werden so beschleunigt, dass sie ihre Wirkung in der vorbestimmten Tiefe, also im Tumor, präzise abgeben. Umliegendes Gewebe bleibt so überwiegend geschont. Diese Eigenschaft spielt eine besondere Rolle bei Tumoren, die neben hoch strahlensensiblen Organstrukturen liegen.

Was passiert bei der Partikeltherapie am MIT?

Bei der “herkömmlichen” Photonenbestrahlung wird der Tumor mit Lichtpartikeln bestrahlt. Diese bestehen zumeist aus Röntgenstrahlung. Anders bei der Partikeltherapie: Hier kommen Protonen und Schwerionen für die Bestrahlung zum Einsatz. Diese Art der Bestrahlung löst bei den Tumorzellen einen Schaden in der DNA aus. Bei erfolgreicher Therapie, führt das dann zu einem Absterben dieser Zellen. Mithilfe der Partikeltherapie ist es möglich – im Gegensatz zu anderen Therapieformen –  durch die hohe Präzision der elektrischen Teilchen und gleichzeitig hoher Strahlendosis, umliegendes Gewebe zu schonen. Je nach Krankheitsbild kann die Partikeltherapie entweder als alleinige Behandlung oder – ergänzend zur Photonentherapie – als sogenannte “Boost-Therapie” erfolgen. Auch die Kombination mit einer Operation oder medikamentöser Behandlung ist möglich. 

MIT in Marburg: Modernste Technik trifft Medizin

Präziser, effektiver, schonender: Die Partikeltherapie hat sich in den letzten Jahren im Kampf gegen Tumore als eine sehr gute Behandlungsoption für Krebskranke etabliert, auch weil die Nebenwirkungen vergleichsweise gering sind. Insbesondere für Kinder ist dieser Therapieansatz interessant, da so Langzeitnebenwirkungen wie Wachstums- und Entwicklungsdefizite vermieden werden können.

Partikeltherapieanlagen, die auch über die Technik der Kohlenstoffionen-Therapie verfügen, wie sie das Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum anbietet, gibt es deutschlandweit nur zweimal. Am MIT werden für die Strahlentherapie je nach Krebsart Protonen (Wasserstoff-Atome) oder Schwerionen (KohlenstoffAtome) eingesetzt. Die letztlich für eine Behandlung notwendige Teilchenenergie wird in einem Teilchenbeschleuniger, einem Synchrotron mit etwa 22 m Durchmesser, erreicht. Hier werden die Ionen mithilfe von Magneten auf bis zu 75% der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt, bevor sie in den jeweiligen Behandlungsraum zum Patienten umgeleitet werden.

Gebäudegrafik des Marburger-Ionenstrahl-Therapiezentrum (MIT)
Die Gebäudegrafik des MIT zeigt den Grundriss des Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrums. Im Synchrotron werden die Ionen mit Hilfe von Magneten auf bis zu 75% der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. (Foto: MIT/UKGM)

Krebsfrei dank Partikeltherapie!

Harald Thamm hatte Glück. Er überlebte dank der Partikeltherapie. Angesichts der Größe und der Lage des Tumors, mussten die Ärzte sofort handeln und schnell stand fest: Der Tumor sollte nicht in einer enorm aufwändigen Operation herausgeschnitten werden bei der Gewebe aus dem Oberschenkel entnommen wird, um den Gaumen zu rekonstruieren. Wochenlang hätte Thamm dann künstlich ernährt werden und auch das Sprechen neu lernen müssen. Gemeinsam mit seinen Ärzten entschied Thamm, den Tumor am Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum bestrahlen zu lassen. Er war dort einer der ersten Patienten.

Krebsneuerkrankungen beziffern Fachleute für 2020 in Deutschland.
0

Im Rahmen einer interdisziplinären Tumorkonferenz unter der Leitung von Prof. Dr. Rita Engenhart-Cabillic, Direktorin Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie UKGM und medizinische Direktorin des MIT, wird jeder Patient am Universitätsklinikum Gießen und Marburg vorgestellt und besprochen. Alle Fachbereiche des Klinikums sind dabei vertreten, sodass eine maximale fachliche Kompetenz dem Patienten zur Verfügung gestellt werden kann. Je nach Art, Größe und Lage des Tumors wird auf der Tumorkonferenz der Therapieverlauf festgelegt.

Für Harald Thamm war die Behandlung ein Erfolg: Mithilfe der Kohlenstoff-Ionentherapie retteten die Ärzte nicht nur sein Leben, sondern ersparten ihm so auch wochenlange Schmerzen und einen lang andauernden Rehabilitationsprozess. Gespürt habe er bei der Bestrahlung nichts, auch Nebenwirkungen traten kaum auf. Die Bestrahlung schlug an, Thamm ist nun schon seit drei Jahren krebsfrei.

> Trendbericht: Krebstherapie der Zukunft

Außenbereich des Marburger-Ionenstrahl-Therapiezentrums (MIT)
Partikeltherapieanlagen, die auch über die Technik der Kohlenstoffionen-Therapie verfügen, wie sie das Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum anbietet, gibt es deutschlandweit nur zweimal. (Foto: MIT/UKGM)

Firmenporträt

Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum (MIT)

Das Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum (MIT) stellt eine innovative Technologie zur Behandlung von Tumoren zur Verfügung. Seit 2015 werden hier Patienten behandelt. Zur Bestrahlung verwenden die Ärzte geladene Ionen statt der sonst in der Strahlentherapie genutzten üblichen Photonen. Mit dem Vorteil: Schwer erreichbare Tumore können präzise bestrahlt werden. Die Protonen und Ionen schädigen zudem nicht umliegende Organe wie z.B Lunge oder Herz. 

Wie Big Data die Medikamentenentwicklung beschleunigt

Big Data in der Medizin

Auf dem Weg zur Zulassungsreife durchlaufen Medikamente einen jahrelangen Forschungsprozess. Für viele, teils austherapierte Patienten, die auf neue Behandlungsmethoden hoffen, kommen sie zu spät. Hanno Härtlein, CEO des Auftragsforschungsinstituts Alcedis aus Gießen, weiß, wie man den Prozess der Medikamentenentwicklung mithilfe digitaler Software beschleunigt – zum Wohle der Patienten. 

Big Data in der Medizin
Digital vernetzte Geräte wie Smartphones oder Smartwatches generieren vielseitige Nutzerdaten, die Erkenntnisse über das Entstehen von Krankheiten liefern können. (Credit: whiteMocca / shutterstock.com)

Länger als ein Jahrzehnt kann es dauern, bis ein neues Medikament das Leben von Patienten verbessern oder sogar retten kann. So lange braucht es ungefähr von der Idee bis zur Marktreife. Das ist eine lange Zeit, wenn man an das Leiden der Menschen denkt, die von einem neu entwickelten Medikament profitieren könnten.

Beispiel Krebs: Die Tumortherapie hat gerade in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Durch neue Medikamente und Behandlungsformen profitieren viele Patienten in Form einer verlängerten Lebenszeit oder deutlich erhöhter Heilungschancen. Anderen Patienten wiederum rennt weiterhin die Zeit davon – denn die Wirkung eines Medikaments unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Wenn ein Patient auf keine der vorhandenen Behandlungsmethoden anspricht, ist seine Hoffnung auf neue Medikamente entsprechend groß.

So verständlich die Hoffnung der Betroffenen auf eine wirksame Therapie auch ist: Wechsel- und Nebenwirkungen stellen eine große Gefahr für die Gesundheit von Patienten dar – eine sichere Prüfung von Arzneimitteln vor Marktzulassung ist unabdingbar. In klinischen Studien geht es deshalb darum, Erkenntnisse über die Wirksamkeit und Sicherheit eines neuen Medikaments oder einer neuen Therapieform zu erfassen und zu bewerten.

Klinische Studien in der Medikamentenentwicklung:

  • Wie wirkt ein Medikament?
  • Wirkt es besser als andere, bereits erhältliche Medikamente oder Kombinationstherapien?
  • Ist es verträglicher?
  • Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Wie Alcedis Medikamente mithilfe von Big Data effizienter entwickelt

Wenn es darum geht, die Wirkung eines Medikaments zu erforschen, haben digitale Methoden der Datenerhebung und -auswertung einen Vorteil: „Miteinander vernetzte Datenquellen verbessern die Arzneimittelentwicklung und können Sie beschleunigen – bis hin zur Zulassungsreife. Patienten gelangen so schneller an ihre benötigten Medikamente“, sagt Hanno Härtlein, Geschäftsführer der Firma Alcedis.

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Gießen ist selbst Teil dieser Digitalisierung der medizinischen Forschung. Es entwickelt webbasierte Softwarelösungen für die Durchführung klinischer Studien: Um Daten zu erfassen, aufzubereiten, weiterzuleiten und auszuwerten. Als Auftragsforschungsinstitut bietet Alcedis alle notwendigen medizinisch-wissenschaftlichen Dienstleistungen an, die für die erfolgreiche Umsetzung eines klinischen Forschungsvorhabens  notwendig sind – von der gesamten Planung, der Begleitung behördlicher Genehmigungsprozesse, der Unterstützung teilnehmender Zentren (beispielsweise Universitätskliniken), der Datenerhebung und Analyse, der Qualitätssicherung bis zur statistischen Auswertung und Berichterstattung.

„Miteinander vernetzte Datenquellen verbessern die Arzneimittelentwicklung und können Sie beschleunigen – bis hin zur Zulassungsreife. Patienten gelangen so schneller an ihre benötigten Medikamente.“
Hanno Härtlein, CEO Alcedis
Hanno Härtlein
CEO, Alcedis GmbH

Big Data ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Schlagwort. Denn die Auswertung großer Datenmengen mithilfe von intelligenten Algorithmen ist schnell und zuverlässig. Digitale Analysemethoden bieten für die medizinische Forschung also riesiges Potenzial. Mussten die Forscher früher aufwändige Studienanordnungen durchführen, können heute auch außerhalb der klinischen Umgebung große Datenmengen erfasst werden: „Wir bewerten nicht nur die klassischen klinischen Daten, die vom Arzt im Rahmen der durchgeführten Behandlung dokumentiert werden, sondern können mittlerweile eine viel breitere und teilweise vom Patienten direkt generierte Datenlage berücksichtigen”, sagt Alcedis-CEO Härtlein.

Solche Daten liefern beispielsweise Medizinprodukte wie der permanente Blutglukosemonitor von Diabetes-Patienten, der Inhalator des Asthmatikers oder simple Lifestyle Wearables wie Fitnesstracker, die biosensorische Daten wie Bewegungen, Blutdruck, Körpertemperatur und Herzfrequenz messen. „Diese Geräte liefern uns hochwertige Daten die wir, meist via Smartphone-App, gesichert in die Studiendatenbank übertragen und mit klinischen Daten korrelieren können.” Auch die permanente Interaktion mit Patienten, z.B. zur Abfrage von Veränderungen in der Lebensqualität oder im Rahmen des Therapie- oder Nebenwirkungsmanagements seien dank Smartphone heute sicher und einfach umzusetzen.

Big Data in der Medizin

Daten durchdringen unseren Alltag. Digital vernetzte Geräte und Anwendungen wie smarte Telefone, Uhren und Assistenten produzieren nicht nur einen niemals versiegenden Fluss von Informationen – sie erzeugen dabei auch Unmengen an Daten. In diesen Datenmassen – auch bekannt unter dem Stichwort Big Data – verstecken sich wertvolle Erkenntnisse, die intelligente Algorithmen in Bruchteilen von Sekunden zutage fördern können. Big-Data-Techniken bieten viele Perspektiven, medizinische Daten besser zu verstehen und mehr Daten für eine Analyse verfügbar zu machen. Beispielsweise lassen sich auf diesem Weg Erkenntnisse über das Entstehen von Krankheiten gewinnen, die genauere Diagnosen und eine individuelle Therapie möglich machen.

> Trendbericht Big Data: Wie Digitalisierung die Medizin verändert

Alcedis: Internationale Forschungsexpertise made in Gießen

Seit der Gründung im Jahr 1992 liegt der medizinische Schwerpunkt von Alcedis im Bereich der Krebsmedizin. Auch dank der lokalen Wirtschaftsförderung hat sich das zunächst im Technologie- und Innovationszentrum Gießen beheimatete Auftragsforschungsinstitut schnell weiterentwickelt. Seine medizinische Expertise hat Alcedis dabei stetig auf neue Forschungsfelder ausgeweitet – darunter pulmonale Erkrankungen, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Unsere multidisziplinären Teams aus den Bereichen Medizinischer Forschung und IT setzen erfolgreich Forschungsstudien in über 40 Ländern um“, so Härtlein. Alcedis’ Auftraggeber kommen aus der nationalen und internationalen pharmazeutischen Industrie, also großen Konzernen, kleinen und mittleren Biotechs, aber auch dem akademischen Umfeld, meist Unikliniken.

Smartphone liefert Daten
Das Auftragsforschungsinstitut Alcedis aus Gießen weiß, wie man den Prozess der Medikamentenentwicklung mithilfe innovativer Softwaresysteme beschleunigt – zum Wohl von Medizin und Patienten.
Den Standort Gießen empfindet Härtlein als besonders vorteilhaft: „Durch die Nähe zum Frankfurter Flughafen und die gute Verkehrsanbindung sind auch internationale Kunden schnell bei uns“, so Härtlein. Zudem profitiert Alcedis von Gießens drei großen Bildungsstätten: der Justus-Liebig-Universität (JLU), der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) und dem Universitätsklinikum Gießen Marburg (UKGM). Härtlein: „Die gemeinsamen Kooperationen, zum Beispiel im Bereich Fachinformatik, sind sehr erfolgreich. Oft gewinnen wir so auch hochqualifiziertes Fachpersonal.“ Die Kombination aus digitaler und medizinischer Expertise, die das IT-Unternehmen seit der Gründung im Bereich der klinischen Forschung aufgebaut hat, macht Alcedis zu einem agilen Wegbereiter für ein modernes Gesundheitswesen – und spart Kunden und Patienten wertvolle Zeit: „Unser Ansatz ist, die klinische Forschung mit einer konsequenten Digitalisierungsstrategie und durch Implementierung technologischer Innovationen wesentlich effizienter zu gestalten. So wollen wir zusammen mit unseren Partnern die Arzneimittelentwicklung beschleunigen, sie vergünstigen und Menschen schneller gesund machen“, resümiert Härtlein.

Firmenporträt

Alcedis GmbH

Die Gießener Firma Alcedis verknüpft IT-Lösungen mit klinischen Studien. Das Ziel: Arzneimittel zur Zulassungsreife zu bringen und für Ärzte und Patienten zugänglich zu machen. Alcedis bietet mit Standorten in Hamburg und New York als Auftragsforschungsinstitut alle medizinisch-wissenschaftlichen Dienstleistungen an, die für die Durchführung einer klinischen Studie notwendig sind.

An der Uni Marburg studieren die Medizinexperten von morgen

Universität Marburg

Exzellente Fachkräfte auf dem Vormarsch: Die einzigartige Kombination aus spezialisierten Studiengängen, internationaler Spitzenforschung und innovativer Industrie in Marburg macht die Philipps-Universität zum idealen Startpunkt für angehende Mediziner und Pharmazeuten. Der Standort steht schon seit Emil von Behring für eine innovative Gesundheitsbranche. So bieten sich auch heute noch exzellente berufliche Perspektiven für Absolventen.

Universität Marburg
In Marburg treffen Tradition und Zukunft der Medizinstudien aufeinander. (Foto: Markus Farnung)

Eine Stadt mit großer Wirkung: In Marburg kommen Studierende, Forscher und Unternehmer aus aller Welt zusammen. Das enge Zusammenspiel aller Beteiligten bildet dabei traditionell den Kern der mittelhessischen Universitätsstadt. Dabei bieten exklusive Studiengänge, die boomende Pharmaindustrie und zahlreiche internationale Forschungseinrichtungen den Absolventen beste Berufsaussichten in der Gesundheitsbranche.

Einzigartige Studiengänge mit besten Berufsaussichten

Zum Angebot der Philipps-Universität Marburg zählen seltene oder gar einzigartige Studiengänge. Studierende haben hier die Möglichkeit, sich in spannenden und gefragten Fachbereichen zu spezialisieren.

Pharmaziegeschichte: Brückendisziplin zwischen Natur- und Geisteswissenschaft

Prof. Dr. Christoph Friedrich, Leiter des Instituts für Pharmaziegeschichte der Uni Marburg, weiß um die Besonderheit seines Fachbereichs: „Wir sind das einzige Institut für Geschichte der Pharmazie in Europa.“ Auch das Selbstverständnis als Brückendisziplin zwischen Natur- und Geisteswissenschaft macht den postgradualen Studiengang zu etwas Besonderem. Über drei Semester lernen die Studierenden zunächst naturwissenschaftliche Problemstellungen mit geisteswissenschaftlichen Methoden wie der Textanalyse zu bearbeiten. Diese spezielle Ausrichtung und die danach erstellte Dissertation qualifiziert sie anschließend für höhere Aufgaben in verschiedenen Bereichen: „Viele unserer Absolventen sind in Kammern, Verbänden und im pharmazeutischen Journalismus aktiv oder arbeiten in leitenden Positionen in der Industrie. Insbesondere die pharmahistorische Arbeit hilft ihnen in diesen Berufen, weil sie gelernt haben, sehr genau mit Texten zu arbeiten“, erläutert Friedrich.

 

„Forschung auf Spitzenniveau kennt keine nationalen Grenzen: Die Medizin hat von Marburg aus Netzwerke in der gesamten Europäischen Union und darüber hinaus gebildet.“
Prof. Dr. Katharina Krause, Präsident Uni Marburg
Prof. Dr. Katharina Krause
Präsidentin der Philipps-Universität Marburg

Motologie: Das Zusammenspiel von Bewegung und Psyche

Lassen sich Entwicklungsstörungen von Kindern mithilfe von Bewegungen heilen? Im einzigartigen Master-Studiengang Motologie lernen Studierende an der Uni Marburg, wie sich motorische, soziale und psychische Prozesse gegenseitig beeinflussen. Motologen beschäftigen sich vor allem mit  Kindern und Jugendlichen, aber auch bei pflegebedürftigen Erwachsenen wird die therapeutische Methode inzwischen erfolgreich angewandt. Absolventen arbeiten häufig in der akademischen Forschung oder als Therapeuten in pädagogischen Einrichtungen, zum Beispiel in der Kinder- und Jugendhilfe, in Kliniken, Psychiatrien oder als Freiberufler.

Humanbiologie: Ausbildung für die medizinische Forschung

Humanbiologie ist ein Studienfach mit Seltenheitswert und hohem Praxisbezug. Es vermittelt Studierenden praktische Fähigkeiten, die sie später als medizinische Forscher und Entwickler im Labor brauchen. An der Uni Marburg ist der Studiengang – den in Deutschland insgesamt nur drei Universitäten anbieten – direkt im Fachbereich Medizin angesiedelt. Die beruflichen Perspektiven sind für die Studierenden überaus attraktiv: „Absolventen der Humanbiologie sind auf dem internationalen Arbeitsmarkt sehr gefragt: Nach dem Abschluss gehen sie nicht in die Krankenversorgung, sondern wirklich in die medizinische Forschung – und das hat sich immer wieder ausgezahlt in Marburg“, sagt Prof. Dr. Katharina Krause, Präsidentin der Universität Marburg.

Alte Universität Marburg
Die alte Universität steht für Studieren auf den Fundamenten des Wissens. (Foto: Rolf K. Wegst)

Marburg: Hochburg der Pharmazeutischen Industrie

Der Aufstieg Marburgs zu einem pharmazeutischen Zentrum Deutschlands ist eng mit dem Namen Emil von Behring verknüpft. An der Wende zum 20. Jahrhundert gelingt dem Bakteriologen ein außergewöhnlicher Coup: Er erfindet einen Impfstoff gegen die damals noch lebensgefährliche Krankheit Diphtherie. Das bringt ihm 1901 nicht nur den ersten Nobelpreis für Medizin. Der Erfolg ermöglicht es Behring zudem, Marburg systematisch zum führenden Forschungs- und Wirtschaftszentrum für Impfstoffe auszubauen. „Emil von Behring war der erste große Start-Up Gründer“, sagt Krause. „Sein Wirken ist bis in die Gegenwart eng mit dem pharmazeutischen Industriestandort Marburg und den hiesigen Folgeunternehmen der Behringwerke verwoben.“

Behringwerke: Biotech-Park vereint globale Pharmaunternehmen

1904 gründete Behring ein Pharmaunternehmen zur Herstellung seiner Impfstoffe. Die Behringwerke versorgten Menschen in der ganzen Welt mit lebensrettenden Medikamenten bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Die Nachfolge der Werke traten große Medizinhersteller und innovative Start-Ups an – darunter klangvolle Namen der globalen Pharmabranche wie CSL Behring, Siemens, Novartis und GlaxoSmithKline. Sie zählen heute zu den Top-Arbeitgebern der Stadt.

Nicht nur für Unternehmen bietet die exzellente Infrastruktur eine ideale Basis. Auch Studierenden eröffnet die Konzentration der Pharmabranche in Marburg unzählige Möglichkeiten, schon während des Studiums beruflich Fuß zu fassen. Mit besten Aussichten über das Studium hinaus: Rund 90 Prozent der Auszubildenden und studentischen Hilfskräfte von CSL Behring bleiben beispielsweise nach ihrem Abschluss im Unternehmen.

Internationale Spitzenforschung in Marburg

Wenn Forschung die Kunst ist, den nächsten Schritt zu wagen, dann gehören diese Schritte an der Uni Marburg zum Tagesgeschäft. Dafür stehen zahlreiche Projekte mit internationalem Profil: „Forschung auf Spitzenniveau kennt keine nationalen Grenzen: Die Medizin hat von Marburg aus Netzwerke in der gesamten Europäischen Union und darüber hinaus gebildet“, sagt Krause. Marburg – das verdeutlicht diese internationale Ausrichtung einmal mehr – ist eine lebendige Universitätsstadt im Herzen Europas. Hier finden Studierende, Forscher und Unternehmer ein praxisorientiertes Umfeld voller Chancen für aktuelle und angehende Gesundheitsexperten.

Medizinische Forschungsprojekte der Uni Marburg

Gemeinsam mit mehreren Partnern treibt die Philipps-Universität Marburg in verschiedensten Bereichen medizinische Innovationen voran: 

  • Das virologische Institut der Universität knüpft an die erfolgreiche Impfstoff-Forschung seit Emil von Behring an. Das Hochsicherheitslabor des Instituts – eines von weltweit etwa 20 Laboren zur Erforschung hochpathogener Erreger – bietet die dafür notwendige Infrastruktur, etwa zur Erforschung lebensgefährlicher Ebolaviren.
  • Mit dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) – eines der größten Universitätsklinika Deutschlands – arbeitet die Philipps-Universität an Forschungsschwerpunkten unter anderem im Bereich der Onkologie, der Neurowissenschaften, der Zellbiologie und der Immunologie.
  • Am Zentrum für Synthetische Mikrobiologie (SYNMIKRO) erforschen Wissenschaftler der Philipps-Universität Mikroorganismen und ihre medizinischen Einsatzmöglichkeiten gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut. Das Projekt ist Teil des hessischen Exzellenzprogramms für herausragende Forschung LOEWE. 
  • Ein millionenschweres Förderprogramm des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst verbindet die Philipps-Universität mit dem Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum (MIT). Ziel des Förderprogramms: wissenschaftliche Projekte auf dem Gebiet der klinischen Strahlentherapie voranzubringen.

Medizinisches Cannabis: Letzte Rettung bei chronischem Schmerz

Cannabis ist mehr als ein Rauschmittel. Die Pflanze lindert Schmerzen bei chronisch kranken Patienten, bei denen reguläre Therapieansätze nicht mehr helfen. Seit 2017 dürfen Ärzte auch in Deutschland medizinisches Cannabis legal verschreiben. Birgt der legale Cannabiskonsum ein Abhängigkeitsrisiko?

(Credit: CBD-Infos-com / pixabay.com)

Schmerzfrei sein. Das ist oft der einzige Wunsch von Patienten, die schon seit Jahren unter chronischem Schmerz leiden – wie zum Beispiel im Zuge einer Multiplen Sklerose (MS). Chemische Schmerzmittel helfen zwar, sind aber keine Dauerlösung. Sie können starke Nebenwirkungen hervorrufen und greifen mit der Zeit die Organe an. Seit den 90er Jahren ist medizinisches Cannabis vermehrt ins Interesse der klinischen und experimentellen Forschung gerückt, weil es effektiv und schonend Schmerzen lindert. Interessant für die Mediziner sind bei der Schmerzbehandlung die Cannabinoide der Hanfpflanze. Sie zeigen eine positive Wirkung auf das endocannabinoide System des Menschen.

Das endocannabinoide System des Menschen

Cannabinoide sind chemische Botenstoffe mit vielfältiger Wirkung auf Lebensfunktionen. Diese kann der menschliche Körper teilweise selbst produzieren – in Form von Endocannabinoiden –  oder von außen zu sich nehmen, beispielsweise durch den Konsum von Cannabis. Der menschliche Körper besitzt zwei Typen von Cannabinoid-Rezeptoren: Typ 1 und Typ 2. Die Typ-1-Rezeptoren befinden sich im zentralen Nervensystem. Sie sind besonders relevant bei der Erforschung von Cannabinoiden im Einsatz bei Nervenschädigungen und neurodegenerativen Erkrankungen, wie Demenz oder Parkinson. Die Typ-2-Rezeptoren kommen beim Menschen vor allem im Immun-, Verdauungs- und Fortpflanzungssystem vor. Sie befinden sich jedoch auch in hormonalen Drüsen, in Augen, Knochen, Haut und Lunge. Die Endocannabinoide, die der menschliche Körper selbst herstellt, wirken ähnlich wie die pflanzlichen Cannabinoide: Sie docken an die gleichen Rezeptoren an und entfalten dort ihre Wirkung.

Bestimmte Cannabinoide steigern den Appetit und lindern Übelkeit, auch im Zuge einer Chemotherapie. Bei chronisch-entzündlichen Krankheiten lindern sie Schmerzen und unterdrücken Spastiken und Tics, so wie beim Tourette Syndrom. Selbst nach anhaltenden Schmerzen einer Virusinfektion, wie der Gürtelrose, erzielen die verschiedenen Wirkstoffe den gewünschten Effekt der Schmerzlinderung. 

Wirksubstanzen von medizinischem Cannabis

Auch in Mittelhessen erkennen Ärzte zunehmend die positive Wirkung von medizinischem Cannabis. Am Universitätsklinikum Gießen und Marburg verschreibt Dr. Hagen Maxeiner, leitender Oberarzt und Sektionsleiter der Schmerztherapie, seinen Patienten medizinisches Cannabis, wenn nichts mehr hilft. Er warnt aber auch davor, das Kraut nicht als Wundermitteln zu betrachten, denn auch dieses sei eben nicht frei von Nebenwirkungen.

Doch was unterscheidet medizinisches Cannabis von der Droge, die süchtig machen kann? Wichtig für medizinische Cannabis-Medikamente sind nur die Cannabinoide, die aus Hanfpflanzen extrahiert werden. Circa 500 Inhaltsstoffe enthält eine Pflanze. Dazu zählen neben Cannabinoiden auch Proteine, Aminosäuren, ätherische Öle und viele weitere. Sie alle können einen positiven Effekt auf den Körper haben und fördern das physische Gleichgewicht, die sogenannte Homöostase des Körpers.

Für die medizinische Verwendung von Cannabis sind die beiden Cannabinoide Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) entscheidend – allerdings in einem bestimmten Verhältnis. Denn THC birgt ein Abhängigkeitsrisiko, da es sich an die Typ-1-Cannabinoid-Rezeptoren (CB1) im Gehirn bindet und diese aktiviert. Die Aktivierung führt zur Ausschüttung von  Glückshormonen – was zur Sucht führen kann. Medizinisches Cannabis enthält deshalb einen hohen Gehalt an CBD. CBD blockiert die Bindung von THC an die Cannabinoidrezeptoren. Der Patient befindet sich deshalb nicht in einem Rauschzustand. Lediglich das CBD entfaltet dann seine entzündungshemmende und und schmerzlindernde Wirkung.

Die Anwendung von medizinischem Cannabis bedarf immer noch einer Ausnahmegenehmigung, auch wenn Ärzte es seit 2017 in Deutschland legal verschreiben dürfen. Es muss dargelegt werden, dass herkömmliche Therapieformen nicht zum gewünschten Erfolg verhelfen. Patienten bekommen ihre Arznei daraufhin individuell in der Apotheke zusammengestellt. Dabei gibt es keine einheitliche Dosierung – Cannabis wirkt bei jedem Menschen unterschiedlich.

Cannabis ist kein Wunderheilmittel, jedoch birgt das Kraut jetzt schon hohes Potenzial bei einer Vielzahl von Krankheiten, bei denen herkömmliche Schmerzmittel unwirksam sind. Vor allem in der klinischen Forschung erzielten Wissenschaftler bisher vielversprechende Ansätze – auch zur Bekämpfung von Demenz.

Cannabis gegen Demenz

In einer Studie der Uni Bonn und der Hebrew Universitiy in Israel konnten Forscher durch die Gabe von Cannabis den Alterungsprozess im Gehirn von Mäusen umkehren. Innerhalb von nur vier Monaten regenerierten die Gehirnzellen der Mäuse. Ihr Gehirn entwickelte sich in den Zustand von zwei Monate alten Jungtieren zurück: Das Lernvermögen und die Gedächtnisleistung nahm zu, die Wiedererkennung von Artgenossen fiel leichter. Denn: Das Gehirngewebe und die Genaktivität veränderte sich, die molekulare Signatur ähnelte wieder einem jungen Gehirn. Um den Zustand zu erreichen, bekamen die Mäuse über einen Zeitraum von vier Wochen den aktiven Inhaltsstoff THC der Cannabispflanze in geringen Dosen verabreicht. Dieser war so gering, dass eine Rauschwirkung ausgeschlossen war. Im Fachjournal „Nature Medicine“ wurden 2017 die Ergebnisse in der Publikation „A chronic low dose of delta9-tetrahydrocannabinol (THC) restores cognitive function in old mice“ vorgestellt. Im nächsten Schritt wird nun in klinischen Studien getestet, ob THC auch beim Menschen den Alterungsprozess im Gehirn stoppen – und die Leistungsfähigkeit wiederherstellen kann. Besonders interessant ist dieser Ansatz für die Erforschung von Demenzerkrankungen.

Das TIG: Startup-Schmiede im Gießener Europaviertel

TIG Gießen

Fehlende Aufträge, mangelndes Netzwerk, Geldknappheit: Die Gründe einer Startup-Pleite sind vielfältig. Das Technologie- und Innovationszentrum Gießen (TIG) unterstützt deshalb junge Unternehmen von Beginn an: Förderprogramme, internes Netzwerken, günstige Gewerbeflächen – all das in der wirtschaftsstarken Region Mittelhessen.

Das Technologie- und Innovationszentrum Gießen (TIG) befindet sich im Herzen des Europaviertels. (Foto: Alexander Körber)

Selbstreinigende Oberflächen im Krankenhaus, für die keine Chemikalien gebraucht werden? Zusätzlich noch umweltfreundlich? Genau diese Mission verfolgt Dr. Klaus Schepers und gründete ein Startup. Dieses hat einen antiviralen Lack auf den Markt gebracht, der permanent antimikrobiell wirkt: Bakterien, Viren und Pilze sterben darauf in nur wenigen Minuten – auch Corona-Viren wie eine eigens durchgeführte Analyse ergab. Und: Der Lack kann auf beliebige Oberflächen wie Holz, Metall oder Kunststoff aufgetragen werden. Schepers ist Geschäftsführer der Munditia Technologies GmbH (kurz: Munditech). Seine Firma stellt Hygienebeschichtungen für den Healthcare-Bereich her, beispielsweise für sterile Lichtschalter in sanitären Einrichtungen. „Wir wollen neue Maßstäbe in der Hygiene mit umweltfreundlichen Lösungen setzen. Unser Ziel ist es, durch die Nutzung natürlicher Ressourcen die Gesundheit der Menschen zu schützen”, sagt der Geschäftsführer. Bis zur Marktreife und Etablierung des Lacks hat es allerdings einige Jahre gedauert. In dieser Zeit mietete er Räume im Gießener Technologie- und Innovationszentrum (TIG) und arbeitete anfangs noch parallel als Unternehmensberater in der Technologieberatung. 

„Das Technologie- und Innovationszentrum Gießen war uns vor allem in der Anfangszeit eine große Hilfe“, so der Geschäftsführer. Denn hohe Mieten für Büro- und Laborflächen belasten ein Startup anfangs, wenn Aufträge noch auf sich warten lassen. Im TIG profitierte Schepers nicht nur von den kostenlosen Seminarräumen, der günstigen Miete und dem internen Netzwerk. Gemeinsam mit regionalen Netzwerkpartnern bietet die TIG Akademie regelmäßig Weiterbildungen und Seminare an. Vor allem die wissenschaftliche Beratung durch Experten brachte Schepers dem Erfolg Stück für Stück näher. So half ihm auch die Firma Merck, sein Produkt bis zur Marktreife zu entwickeln. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Gießen machte Munditech zudem mit dem Team von „Ab Idee ok!” (Johannes Hübner GmbH Giessen) bekannt, die von Schepers Gründungsidee überzeugt waren – sie investierten in das noch junge Unternehmen (mehr dazu hier). Mit zunehmender Nachfrage stiegen die Produktionsanforderungen von Munditech, es musste irgendwann eine größere Halle her. Das Unternehmen verließ deshalb das TIG und wuchs. Munditia Technologies GmbH ist nun ein weltweit agierendes Unternehmen.

„Wir haben 370 Gründungen in 20 Jahren begleitet – darauf sind wir sehr stolz.“
Antje Bienert
Geschäftsführerin TIG

Das TIG Gießen: Raum für Ideen

An seine Zeit im TIG erinnert er sich aber gern zurück. „Die Erfahrungen mit dem Gründernetzwerk hier vor Ort haben mir auch gezeigt: Die monetären Mittel sind nicht die primäre Ressource für den erfolgreichen Aufbau eines Startup. Viel wichtiger ist ein starkes Netzwerk – genau das fördert das TIG.” Aktuell vereinen sich im TIG 80 Unternehmen aus dem Healthcare-Bereich. „Man kennt sich, man netzwerkt und kommt hier leicht ins Gespräch mit anderen Unternehmern der gleichen Branche. Das ist ein super Einstieg ins Business“, sagt Schepers. 

Auch die zentrale Lage im Herzen Deutschlands, die gute Infrastruktur und die Forschungs- und Wirtschaftsstärke der Region machen sich Startups zu Nutze, die hierher kommen. Denn eine Reihe an Industrieunternehmen, drei Hochschulen und ein Universitätsklinikum machen Mittelhessen zu einem Hotspot der Gesundheitsbranche. Hier vereinen sich alle Glieder der Wertschöpfungskette im Bereich Healthcare: Bildung, Forschung und Industrie arbeiten Hand in Hand und bringen viele zukunftsweisende Innovationen auf den Markt, die global Anklang finden. Diese außergewöhnliche Verzahnung an kooperierenden Institutionen ist einzigartig und deshalb erfolgversprechend für junge Startups der Branche.

„Wir haben 370 Gründungen in 20 Jahren begleitet – darauf sind wir sehr stolz“, berichtet Antje Bienert, seit nun fast zehn Jahren Geschäftsführerin des TIGs. „Bei uns ist es möglich, Büro-, Labor- und Lagerflächen ab 13 Quadratmetern zu mieten“, sagt Bienert. „Wir finden hier für jeden eine geeignete Lösung.” Auch Schepers brauchte zu Beginn einen Forschungsraum für seine Arbeit. So wurde rasch ein alter Duschraum zum Laborraum umfunktioniert. Das TIG unterstützt Jungunternehmer gern und man habe es täglich mit dynamischen, kreativen Köpfen zu tun: „Wie aus kleinen Startups, wie Munditech, wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen werden – das sehen wir gerne, das treibt uns an.“ 

Zukünftig möchte auch das TIG expandieren und neue Standorte in der Gießener Innenstadt zu eröffnen, die leichter zu erreichen sind. „Wir wollen weiterhin innovative Ideen fördern und dabei unterstützen, Gründerträume wahr werden zu lassen“, sagt die Geschäftsführerin.

Augen sind der Spiegel zur Seele – und zur Gesundheit

Die Augen können viel über einen Menschen verraten: Was er denkt, was er fühlt – und dank Thomas RECORDING nun auch, ob er an einer neurodegenerativen Krankheit leidet, wie etwa Parkinson. Das Gießener Unternehmen arbeitet seit langem erfolgreich mit Start-Ups des Technologie- und Innovationszentrums Gießen (TIG) zusammen. Bisher basiert die Diagnose der Krankheit oft darauf, dass Ärzte die Symptome (verlangsamte Bewegungen, steife Muskeln die in Ruhehaltung Zittern und mangelnde Stabilität der aufrechten Körperhaltung) erkennen und andere mögliche Ursachen ausschließen.

Für eine effektive Behandlung von Parkinson ist es dann jedoch zu spät. Gemeinsam mit Forschern der Philipps-Universität Marburg, arbeitet die Thomas RECORDING GmbH in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt DIADEM an der Entwicklung eines neuartigen neuromedizinischen Diagnosesystems. Mit Hilfe von Eye-tracking (siehe Bild oben) lassen sich viele Hirnerkrankungen bereits sehr früh, teilweise noch bevor erste Symptome auftreten, erkennen. Die Messung der Augenbewegungen wird mittels Tablet-Computer durchgeführt, die dabei gewonnenen Daten unterstützen den Arzt bei der Diagnose.

Firmenporträt

Technologie- und Innovationszentrum Gießen GmbH

Das Technologie- und Innovationszentrum Gießen, kurz TIG, entstand 1999 – mit dem Ziel, junge und regionale Unternehmen zu unterstützen. Hervorgegangen ist das TIG aus dem 1996 gegründeten “Gründerzentrum Gießen”. Seitdem ist das TIG, mit Sitz im Gießener Europaviertel, ein voller Erfolg – bereits 350 Start-Ups und junge Unternehmen haben die Beratung, sowie die Büro- und Laborräume erfolgreich genutzt. Aktuell befinden sich im TIG 90 Mieter verteilt auf 6.000 Quadratmetern.

Medikamente aus Blutplasma bekämpfen seltene Krankheiten

Ein Liter Blutplasma kann in 17 verschiedenen Produktlinien gegen seltene Krankheiten eingesetzt werden: Das Marburger Biotechnologie-Unternehmen CSL Behring stellt daraus Medikamente gegen Erkrankungen wie das Hereditäre Angioödem (HAE) und Hämophilie her. Aktuell vergrößert das Unternehmen seine Produktionsgebäude, um zukünftig noch mehr Menschen zu helfen.

CSL Behring
CSL Behring bietet eine neuartige subkutane Injektion zur Behandlung von HAE an. (Foto: CSL Behring)

Plötzlich auftretende schmerzhafte Magen-Darm-Attacken und Schwellungen am ganzen Körper sowie Luftnot und lebensbedrohlichen Erstickungsanfälle. Die 56-jährige Cheryl erlitt viele derartige Symptome bis sie nach vielen Jahren des Leidens endlich ihre Diagnose erhielt: Hereditäres Angioödem (HAE). HAE entsteht durch einen vererbten Gendefekt. Bei den Betroffenen liegt seit ihrer Geburt ein quantitativer oder qualitativer Mangel eines bestimmten körpereigenen Plasmaproteins vor, dem C1-Esterase-Inhibitor.

Was die Diagnose von HAE so kompliziert macht: Die Symptome treten erst nach vielen Jahren auf, meist in der Pubertät. Cheryl war 15 als sie ihre erste Attacke erlitt. Über ihr Leben mit HAE sagt sie: „Die Krankheitssymptome kamen oft unerwartet und in Schüben. Ich war in dieser Zeit schwer körperlich beeinträchtigt, bettlägerig und arbeitsunfähig. Auch meine private Lebensqualität litt unter diesen Attacken. Immer wieder musste ich Verabredungen absagen.“ Unbehandelt dauern die Schübe bei Patienten mit Hereditärem Angioödem bis zu drei Tage lang.

HAE ist ein höchst seltenes Krankheitsbild. Schätzungen zufolge ist einer von 10.000 bis 50.000 Menschen betroffen. In Deutschland gibt es etwa 1.500 diagnostizierte HAE-Patienten – die Dunkelziffer liegt jedoch weitaus höher. Bevor es zur richtigen Diagnose kommt, erhalten viele Patienten zunächst andere Diagnosen wie eine psychosomatische Störung oder eine Allergie. Im schlimmsten Fall werden die Patienten für sie nutzlosen Bauchoperationen, wie einer Blinddarmentfernung, unterzogen, da die eigentlichen Ursachen der Beschwerden ungeklärt bleiben.

Medikamente aus menschlichem Blutplasma

Steht die eigentliche Ursache erst einmal fest, ist die Krankheit heute gut behandelbar. Die Diagnose erfolgt über eine Blutprobe, auf deren Grundlage Ärzte den Spiegel des C1-Inhibitor-Proteins bestimmen können. Liegt ein Mangel vor, kommt ein von dem Biotechnologie-Unternehmen CSL Behring entwickeltes Medikament ins Spiel, um das fehlenden C1-Inhibitor Protein zu ersetzen. Die richtige Diagnose zu stellen bleibt aber weiterhin der schwierigste, aber wichtigste Punkt.

Das erste Medikament zur Behandlung muss intravenös verabreicht werden – doch die Anwendung ist für viele Betroffenen schwierig und manchmal nicht rechtzeitig möglich. Seit 2017 bietet CSL Behring eine neuartige subkutane Injektion des C1-Inhibitors an. Diese kann das plötzliche Auftreten eines Schubs verhindern und wird daher prophylaktisch angewandt. „Patienten können sich das nebenwirkungsarme Präparat direkt selbst unter die Haut spritzen und sind damit weitestgehend vor weiteren Attacken geschützt. So können Sie ein beschwerdefreies Leben führen. Mit einem zusätzlichen Notfallkit fühlen sie sich beispielsweise die Patienten auch auf Reisen sicher – im Fall dennoch auftretender unerwarteter Attacken“, erläutert Dr. Thomas Machnig, Director Global Medical Affairs von CSL Behring in Marburg.

Der Clou an der Herstellung dieses Medikaments: Mithilfe eines komplexen Verfahrens wird das Protein aus Blutspenden gesunder Menschen herausgefiltert. „Unsere Mitarbeiter zerlegen das tiefgefrorene Blutplasma in der sogenannten Basisfraktionierung in seine Bestandteile. Insgesamt sieben verschiedene Fraktionen werden mittels biotechnischer Verfahren aus dem Plasma herausgelöst, um anschließend das lebenserhaltende Medikament weiterzuverarbeiten“, sagte Dr. Thomas Machnig.

„Patienten können sich das nebenwirkungsarme Präparat direkt selbst unter die Haut spritzen und so ein beschwerdefreies Leben führen."
Thomas Machnig
Thomas Machnig
Director Global Medical Affairs bei CSL Behring

Historie: 40 Jahre humanes C1-Inhibitor Konzentrat

1978: Zulassung des weltweit ersten humanen C1-Inhibitor Konzentrats von CSL Behring in Deutschland zur intravenösen Infusion.

2017: Zulassung des weltweit ersten humanen C1-Inhibitor Konzentrats von CSL Behring in den USA zur subkutanen Dauerprophylaxe. Diese neuartige Prophylaxe erlaubt es schwer betroffenen HAE Patienten wieder ein nahezu normales Leben zu führen. Mit der Entwicklung des subkutanen C1-Inhibitor Konzentrates ist damit ein Durchbruch in der Therapie des HAE gelungen.

Große Investition in Basisfraktionierung stärkt Standort Marburg

CSL Behring stellt durch Basisfraktionierung von Blutplasma Arzneimittel her, die in mehr als 100 Ländern bei schweren und seltenen Erkrankungen eingesetzt werden – die meisten Medikamente produziert das Unternehmen direkt in Marburg. „Wir sind momentan das einzige Biotechnologie-Unternehmen auf der Welt, das 17 verschiedene Produktlinien aus einem Liter Blutplasma herstellen kann“, sagt Michael Schröder, Geschäftsführer und Standortleiter von CSL Behring Marburg. Häufig handelt es sich um seltene Krankheiten, die lebensbedrohlich sein können. Neben HAE gehören dazu zum Beispiel die Bluterkrankheit Hämophilie und Primäre Immundefizienz (PID).

Um den weltweiten Bedarf an lebensrettenden Arzneimitteln noch besser abzudecken, entsteht am Standort Marburg gerade eine riesige Produktionsstätte zur Fraktionierung von Blutplasma namens „Phoenix”. Ein Teilprojekt der neuen Großanlage verfolgt das Ziel, eine größere Menge der Medikamente zur Behandlung des Hereditären Angioödems (HAE) zu produzieren. „Wir erhöhen unsere Kapazitäten, um genügend CR1-Proteine herzustellen – und zukünftig noch mehr Menschen helfen zu können“, so Schröder. 185 Millionen Euro fließen in diesen Teil des Projekts mit dem Namen “Sphinx”, das 2023 in Betrieb gehen soll.

Das Gesamtvolumen der Investition von mehr als 500 Millionen Euro unterstreicht den hohen Stellenwert, den der australische Mutterkonzern von CSL Behring dem Standort beimisst. „Mit der neuen Basisfraktionierung in Marburg halten wir auch in Zukunft unser Versprechen, Patienten mit schweren, seltenen Erkrankungen mit lebenswichtigen Medikamenten zu versorgen und ihre Lebensqualität beständig zu verbessern”, sagt Paul Perreault, CEO der Unternehmensgruppe CSL.

Mit 2.900 Mitarbeitern ist in Marburg der größte Standort der CSL Gruppe. (Foto: CSL Behring)

Das Wohl von Patienten mit seltenen Erkrankungen vor Augen

Regelmäßig berichten Patienten vor Ort, wie sich ihr Leben durch das Medikament verändert hat. „Wir sehen die Erleichterung in den Augen unserer Patienten, deren Alltag sich seit Einnahme der Medikamente dramatisch verbessert hat. Das ist für uns die größte Motivation“, sagt Schröder.

Auch HAE-Patientin Cheryl verdankt den Medikamenten eine bessere Lebensqualität. Ihren beschwerdefreien Alltag weiß sie heute umso mehr zu schätzen. „Dank des richtigen Medikaments, beeinträchtigt mich meine Krankheit nicht mehr länger. Ich kann ganz normal zur Arbeit gehen, Freunde treffen und das Leben genießen.“

Firmenporträt

CSL Behring

Als weltweit führendes Biotechnologie-Unternehmen entwickelt CSL Behring seit über 100 Jahren Biotherapeutika für Patienten mit schweren, seltenen Erkrankungen. CSL Limited beschäftigt weltweit über 25.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Davon arbeiten mehr als 2.900 in Deutschland, hauptsächlich an zwei Standorten in Hessen: Marburg und Hattersheim.

Schon heute ist Marburg der größte Forschungs- und Produktionsstandort von CSL Behring. Aufgrund hoher Wachstumszahlen und der weltweit gestiegenen Nachfrage nach Marburger Medikamenten erweitert die Unternehmensgruppe aber noch einmal die Standortkapazitäten: Mit einem Investitionsvolumen von insgesamt etwa 500 Millionen Euro entstehen in Marburg gerade neue Produktionsstätten rund um die Basisfraktionierung von Blutplasma.