Wie entwickelt sich der Life Science Standort Mittelhessen?

Der VDI Mittelhessen und das Regionalmanagement Mittelhessen laden am 20. März 2025 auf die High-Tech Messe W3+ Fair in Wetzlar ein. Diskutieren Sie mit, über die Bedeutung der Schlüsselbranche Life Science für den Standort.

Das vollständige Programm und Anmeldung finden Sie hier.

Healthcare-Storys
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt mit 13,84 Millionen Euro ein Forschungskonsortium aus Mittelhessen, das nach neuen Strategien zur Behandlung von tödlichen und bislang unheilbaren Lungenhochdruck sucht.
Artikel lesen
Gute Medizin braucht sichere Finanzierung: Der medService der Volksbank Mittelhessen bietet Ärzten, Apotheken und Kliniken
Artikel lesen
Dem Gießener Dermatologen Prof. Dr. Peter Mayser ist es in Zusammenarbeit mit der Symrise AG gelungen, ein natürliches Antischuppenmittel zu entwickeln. Der Wirkstoff wird unter der Bezeichnung Crinipan® PMC green vertrieben.
Artikel lesen
Prof. Dr. Matthias Willems ist seit 2016 Präsident der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) und spricht hier über Ausrichtung, Pläne und aktuellen Herausforderungen in Forschung und Lehre.
Artikel lesen
In der Vitos Klinik Gießen-Marburg können Sie jetzt eine umfassende Teletherapie-Behandlung von zu Hause aus durchführen.
Artikel lesen
Wissenschaftler rund um den Globus forschen aktuell zu Herzschwäche, Infarkten, Lungenhochdruck oder Atherosklerose. Ihr Ziel: die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf molekularer Ebene besser verstehen lernen.
Artikel lesen

SPANNENDE STORY? INNOVATIVER SERVICE?

Wir bringen Ihren Content auf den Blog für die Medizinwirtschaft in Mittelhessen.
Kontaktieren Sie uns. 

FOLGEN SIE UNS AUF…

facebook - Healthcare Mittelhessen   LinkedIn - Healthcare Mittelhessen   LinkedIn - Healthcare Mittelhessen

Den Ursachen lebensbedrohlichen Lungenhochdrucks auf der Spur

Ein Team von Wissenschaftler aus Mittelhessen sucht nach neue Strategien zur Behandlung des tödlichen und bislang unheilbaren Lungenhochdrucks. Ihre Erfolge wurden durch eine Verlängerung der Förderung seitens der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für weitere vier Jahre honoriert.

(Credit: Yevhen Vitte/ shutterstock)

Das perfekt abgestimmte Zusammenspiel von Herz und Lunge garantiert die optimale Versorgung unseres Körpers mit lebensnotwendigen Sauerstoff. Wenn aber die Lungengefäße durch Wandverdickungen verengt oder blockiert sind, wird der Blutfluss gestört und der Druck in den Lungenarterien steigt. Das Herz muss mehr Arbeit leisten, da die rechte Herzkammer mehr Kraft braucht, um das Blut durch die Lungen zu pumpen. Das Ergebnis ist der sogenannte Lungenhochdruck, eine Überlastung des Herzmuskels, der zunehmend schwächer wird und letztendlich versagt. Auch wenn die Inzidenz des Lungenhochdrucks relativ niedrig ist – in Deutschland sind schätzungsweise 2000 bis 6000 Menschen davon betroffen – ist die Suche nach neuen Therapiestrategien unerlässlich, da die Erkrankung unheilbar ist.
Im Rahmen des DFG-Sonderforschungsbereichs (SFB) 1213 „Pulmonale Hypertonie und Cor pulmonale”, erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Mittelhessen unter Federführung des Zentrums für Innere Medizin der Medizinischen Klinik II der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) die krankmachenden Umbauprozesse in Lunge und Herz, die zum Lungenhochdruck führen. Die Erfolge dieses Konsortiums in der letzten Förderperiode, haben zu einer Verlängerung der DFG-Förderung um weitere vier Jahre mit rund 13,84 Millionen Euro geführt. „Ich freue mich sehr darüber, dass die wichtige Arbeit unseres Forschungskonsortiums so honoriert wurde und nun fortgesetzt werden kann“, so Prof. Norbert Weißmann, Sprecher des Sonderforschungsbereichs. „Unser Vierjahres-Etappenziel auf dem Weg, neue Zielstrukturen für die Behandlung des Lungenhochdrucks und des Versagens des rechten Herzens zu finden, haben wir erreicht.“

Lungenhochdruck und Lungenkrebs sind eng vernetzt

Zu den wichtigsten Ergebnissen der Forschungsgruppe zählt der Nachweis einer Verbindung zwischen Lungenhochdruck und Lungenkrebs. In Lungengefäßzellen und Krebszellen führen nämlich ähnliche Mechanismen zu einer ungehemmten Zellvermehrung und zur Ausbildung von Wucherungen. Diese Erkenntnis könnte den Weg ebnen für die Entwicklung neuer Medikamente, die zielgerichtet in der Behandlung von beiden Erkrankungen angewendet werden können. Ein neues Projekt soll sich jetzt mit der genaueren Untersuchung dieser Mechanismen befassen.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler identifizierten einen molekularen Mechanismus, der die Entwicklung des Lungenhochdrucks aus der Wand der Gefäße heraus steuert und den man von Krebspatienten kennt. Medikamente, die in der Krebstherapie eingesetzt werden, könnten deswegen auch die krankhaften Prozesse bei Lungenhochdruck aufhalten und zu einer Regeneration der verengten Blutgefäße führen.

Neue Therapien können den Funktionsverlust des Herzens aufhalten

Die Untersuchung der Reaktionen des rechten Herzens auf die Überbelastung beim Lungenhochdruck hat zudem zu einem besseren Verständnis der kardialen Anpassungsmechanismen geführt. Neu entdeckte Biomarker erlauben eine genauere Bestimmung des Krankheitsgrades des rechten Herzens. Diese neuen Erkenntnisse haben den Forschern dazu verholfen, Wirkstoffe zu ermitteln, die die Herzmuskulatur stabilisieren und gleichzeitig dem fortschreitenden Funktionsverlust entgegenwirken können. Auch die Rolle der linken Herzkammer soll jetzt näher untersucht werden.

Vom Labor zur erfolgreichen Patientenbehandlung durch gute Kooperation

An diesen Projekten sind außer der JLU, das Max-Planck-Institut für Herz-Lungenforschung und der Campus Kerckhoff der Justus-Liebig-Universität Gießen und ihres Fachbereichs Medizin in Bad Nauheim sowie die Philipps-Universität Marburg beteiligt. Eine enge Kooperation besteht auch mit dem Imperial College London (Großbritannien). Die Beteiligung von mehreren Zentren, die erfolgreiche Kooperation unter den unterschiedlichen Forschungsgruppen und die Bündelung von mehreren Krankenhauskapazitäten sind unerlässlich um neue Therapien zu entwickeln und um diese schnell und effizient in klinischen Studien zu testen. Ein breites Netzwerk erlaubt die enge Verknüpfung zwischen Grundlagenforschung und klinischer Forschung, die notwendig ist, um neue Therapieansätze erfolgreich ans Krankenbett zu bringen. „Entscheidend für unseren Erfolg ist die enge Verzahnung zwischen den verschiedenen Projekten, die unmittelbare Einbindung der klinischen Forschung und die hervorragende Zusammenarbeit der Projektleiter“, so Prof. Weißmann.

Volksbank Mittelhessen: Finanzspezialisten für die Medizinbranche

Gute Medizin braucht sichere Finanzierung: Die Volksbank Mittelhessen vereint Finanzkompetenz und Knowhow aus der Gesundheitswirtschaft. Der medService der Bank berät Kunden aus dem Gesundheitsbereich und bietet maßgeschneiderte Finanzierungen für Existenzgründungen, Beteiligungen, Geräte und Praxisausstattungen – für Ärzte, Apotheken und Kliniken.

In Mittelhessen spürt man den Pulsschlag der Medizinbranche überall: Zahlreiche Kliniken – darunter auch das Universitätsklinikum Gießen und Marburg – versorgen die Patienten. Drei Hochschulen bilden den akademischen Nachwuchs für Medizin und Gesundheitswirtschaft aus, pumpen ihr Wissen in die Region und fördern Innovation und Gründerkultur – wie eine Lunge, die lebenswichtigen Sauerstoff in die kleinsten Verästelungen des Körpers verteilt. Dass die Healthcare-Branche hier ein gesunder, funktionierender Organismus ist, zeigt sich offensichtlich: „In Mittelhessen ist die gesamte Gesundheitswirtschaft in direkter Nachbarschaft zu finden, von internationalen Großkonzernen, Hidden Champions aus dem Mittelstand oder ehrgeizigen Startups“, erklärt Thomas Falkenrodt, Leiter medService der Volksbank Mittelhessen. Er berät Ärzte, Apotheker und Kliniken. Was Mediziner, Pharmazeuten, Biologen und Chemiker eint: Sie haben eine wissenschaftliche Ausbildung absolviert, aber wenig Erfahrung, was Finanzen angeht. Deswegen verlassen sich viele von ihnen auf einen erfahrenen Partner: den medService.

(Credit: transQUER GmbH)

Partner für die Medizinbranche

Die Abteilung medService hat die Volksbank Mittelhessen speziell für Heilberufe gegründet. Falkenrodt leitet sie seit 13 Jahren: „Unser Angebot ist im Genossenschaftsverbund einzigartig in der Region. Wir legen sehr großen Wert auf persönliche Beratung und Kontaktpflege und verschaffen unseren Mitarbeitern mithilfe laufender interner und externer Maßnahmen die Möglichkeit der Kompetenzerweiterung.“ Die Zahlen sprechen für sich: Jedes Jahr betreut das medService-Team bis zu 1.000 Kunden. Den Großteil machen dabei Ärzte, Zahnärzte, Apotheker, Krankenhausmanager oder Therapeuten aus. Seit seiner Gründung im Jahr 2007 hat sich das Team des medService immer intensiver mit den besonderen Bedürfnissen seiner Kunden beschäftigt: „Wir kennen die speziellen Anforderungen und wissen aus Erfahrung, wo die häufigsten Schwierigkeiten und Fallstricke auftreten“, sagt Falkenrodt. Vor allem eine Tatsache unterscheidet die Arbeit seines Teams von der ihrer Bank-Kollegen in anderen Beratungsbereichen: „Die Healthcare-Branche unterliegt strengen gesetzlichen Regulierungen. Es gibt komplexe Zulassungsprozeduren und entsprechend lange Markteinführungszeiten.“ All das muss man beim Entwickeln eines Finanzierungskonzepts im Hinterkopf haben.

Jedes Jahr betreut das medService-Team bis zu 1.000 Kunden. Den Großteil machen dabei Ärzte, Zahnärzte, Apotheker, Krankenhausmanager oder Therapeuten aus.
0

Spezialisierte Allrounder

Was bei der Volksbank Mittelhessen als eine One-Man-Show begann, ist heute ein Team aus fünf spezialisierten Mitarbeitern. Dank zahlreicher Schulungen und jahrelanger Praxis verstehen sie die Healthcare-Branche und deren Besonderheiten. Jeder von ihnen ist in einem anderen mittelhessischen Landkreis beheimatet und dort stets vor Ort verfügbar. Und nicht nur das Team, sondern auch das Angebot ist mit der Zeit um ein Vielfaches gewachsen: Von maßgeschneiderten Finanzierungen für medizinische Geräte und Praxisausstattungen, über öffentliche Fördermittel bis hin zu Versicherungen, Vermögensanlagen oder Zukunftsvorsorge. Das ganzheitliche Konzept umfasst zudem Lösungen für private Finanzangelegenheiten. Auch außerhalb des Kerngeschäfts einer Bank bietet der medService Unterstützung: „Wir begleiten Existenzgründungen von Humanmedizinern, organisieren Fachtagungen und Ärzteworkshops. Zudem entwickeln wir individuelle finanzielle Vorsorgekonzepte für Ärzte, Apotheker und deren Mitarbeiterteams oder geben Tipps zur Praxisorganisation“, erklärt Falkenrodt. Selbst Sonderthemen wie Krankenhausfinanzierungen sind mittlerweile eine besondere Stärke der Volksbank Mittelhessen.

 

In dem Video erzählt Thomas Falkenrodt, Leiter des medService der Volksbank Mittelhessen, welche Rolle die Wirtschaftlichkeit in der Medizin spielt. 

Der Mensch steht im Mittelpunkt

Doch Fachwissen alleine ist nicht das einzige Markenzeichen des Expertenteams. Wer gut berät, blickt über den Tellerrand hinaus, sieht den Gesamtkontext und den Menschen. „Wie in allen Beratungsbereichen hat auch für uns der persönliche Kontakt höchste Priorität. Wir wollen jeden Kunden persönlich und so gut wie möglich kennen und verstehen lernen. Nur so können wir frühzeitig erkennen, welches Darlehensmodell passend ist oder ob der Rückzahlungsplan vielleicht zu ehrgeizig angelegt ist“, sagt Falkenrodt.

Grundlage ist der sogenannte PraxisDialog, das Gespräch mit dem persönlichen Berater. Hier geht es darum, eine Strategie zu entwickeln, um die Ziele des Kunden zu erreichen. Falkenrodt: „Wir versuchen, einen gemeinsamen Blick in die Zukunft zu werfen, also die nächsten fünf bis zehn Jahre, und zu klären: Welche Ziele und Wünsche gibt es? Gibt es bereits eine Strategie, um diese zu erreichen oder möchte der Kunde gemeinsam mit uns etwas entwickeln?“ Dabei sind die Prioritäten der Kunden ganz unterschiedlich. Während für den einen die Praxisentwicklung im Vordergrund steht, möchte ein anderer Vermögen aufbauen, Risiken absichern oder sich einen besonderen Wunsch erfüllen. „Der Kunde legt fest, worauf wir uns beim PraxisDialog konzentrieren. Das steht im Mittelpunkt“, erklärt Falkenrodt. Das Konzept der Volksbank scheint jedenfalls aufzugehen, die Kunden-Resonanz spricht für sich: 99 Prozent Zufriedenheit. „Wir sind sehr stolz auf dieses Feedback. Das ganze Team sprüht vor Leidenschaft und Freude an der Arbeit“, sagt Healthcare- und Finanzexperte Falkenrodt.

Ganzheitlich beraten dank Partnernetzwerk

Neben dem Healthcare-Knowhow ist das medService-Team auch in der Region weitreichend vernetzt. „Dank unserer langjährigen Erfahrung können wir fast jede Frage beantworten – und für die übrigen Fälle pflegen wir kompetente Partnerschaften“, sagt Falkenrodt. Neben dem breitgefächerten Netzwerk aus Spezialisten bietet vor allem die enge Zusammenarbeit mit regionalen Organisationen und der Initiative Healthcare Mittelhessen ein Plus an Wissen und Unterstützung. Das spiegelt auch die Stärke der Region Mittelhessen wider: „Es ist nicht ein einzelner Akteur, sondern das Zusammenspiel aller Beteiligten in einem gemeinsamen System, das die Healthcare-Branche hier zu einem starken und gesunden Organismus mit Zukunft macht“, sagt Falkenrodt.

Firmenporträt

Volksbank Mittelhessen

Die Volksbank Mittelhessen versteht sich als kompetenter und verlässlicher Partner in der Region. Die Förderung ihrer mehr als 200.000 Mitglieder ist seit mehr als 160 Jahren ihr wichtigster Auftrag. An ihren 80 Standorten halten 1.300 Mitarbeiter den direkten Kontakt zu den Menschen in Mittelhessen. Entsprechend ihrer genossenschaftlichen Werte berät die Bank ihre mehr als 340.000 Kunden solidarisch, partnerschaftlich und persönlich. Durch zahlreiche Projekte und Aktivitäten gehen von der Volksbank Mittelhessen und ihren Mitgliedern positive Impulse aus, die auf die ganze Region wirken.

Natürlich gegen Schuppen: Forscher entwickeln neuen Bio-Wirkstoff

Ein natürliches Mittel gegen Schuppen ohne häufige Nebenwirkungen suchten Betroffene bislang vergeblich. Das könnte sich bald ändern: Dem Gießener Dermatologen Prof. Dr. Peter Mayser ist es gelungen, einen Wirkstoff auf natürlicher Basis zu entwickeln, der Schuppen effektiv reduziert. Der Forschungserfolg ermöglicht Kosmetikherstellern den Verzicht auf die bislang üblichen synthetisch hergestellten Wirkstoffe. Das Produkt wird von der
Symrise AG – einem globalen Anbieter von kosmetischen Inhaltsstoffen – unter der Bezeichnung Crinipan® PMC green vertrieben.

(Credit: VectorManZone)

In herkömmlichen Antischuppen-Shampoos sind häufig synthetisch hergestellte Antimykotika wie Pirokton-Olamin oder Zink-Pyrithion enthalten, teils kombiniert mit anderen Wirkstoffen. Diese konventionellen Antischuppenmittel sind jedoch häufig nur bedingt umweltverträglich und bringen zudem die natürliche Bakterienflora aus dem Gleichgewicht. Sie können Allergien hervorrufen und zu weiteren Nebenwirkungen wie Entzündungen, Hautirritationen und Reizungen oder permanent juckender Kopfhaut führen.

Ein Hefepilz mit Antischuppen-Wirkung

Demgegenüber nutzt die spezifische Wirkungsweise des neuen Antischuppenmittels biologische Effekte des Hefepilzes Malassezia, der paradoxerweise zugleich die Ursache für Kopfschuppen darstellt. Malassezia-Hefen gehören zur normalen physiologischen Hautflora des Menschen. Sie sind jedoch auch als Erreger verschiedener Hautkrankheiten bekannt. Zahlreiche kosmetische Probleme und Hauterkrankungen bei Menschen und Tieren wie etwa vermehrte Kopfschuppen (Dandruff) sind Malassezia-assoziierte Erkrankungen. Sie entstehen bei einer übermäßigen Besiedlung der Kopfhaut durch Malassezia-Hefen.

Im Gegensatz zu konventionellen Antimykotika werden die im Rahmen der Erfindung von Prof. Mayser identifizierten biologischen Wirkstoffe erst durch metabolische Prozesse der Malassezia-Hefen aktiviert. Sie entfalten ihre Wirkung daher nur, wenn tatsächlich ein Übermaß von Malassezia-Hefen die Ursache für den bestehenden Dandruff ist. Weiterhin konnte nachgewiesen werden, dass der Wirkstoff auch die übrige Mikroflora der Kopfhaut günstig beeinflusst und eine pflegende Komponente aufweist. Mit Ausnahme einiger multifunktionaler Inhaltsstoffe stellt dieser neuartige Wirkmechanismus nach Angaben des Herstellers Symrise den ersten innovativen Antischuppenwirkstoff seit Jahrzehnten dar.

Umweltfreundliches Antischuppenmittel

„Ich freue mich sehr, dass die langjährige und konstruktive Forschungs- und Entwicklungsarbeit in Kooperation mit Symrise nun zu einem wirkungsvollen und zugleich unschädlichen und umweltfreundlichen Antischuppenmittel geführt hat“, betont der Gießener Erfinder Prof. Peter Mayser. „Grundsätzlich stellt sich bei der Therapie von allen Malassezia-assoziierten Erkrankungen überdies das Problem der Resistenzbildung, die auch bei diesem Hefepilz zunehmend beobachtet wird. Einige Malassezia-Stämme sind bereits gegen bewährte antimykotische Medikamente resistent. Es besteht also auch in anderen Bereichen ein großer Bedarf an unseren nicht toxischen Verbindungen zur Behandlung von Malassezia-assoziierten Krankheiten.“

(Credit: Symrise AG)

Prof. Peter Mayser ist Leiter des TransMIT-Projektbereichs für Diagnostik und Therapie von Mykosen (Pilzinfektionen der Haut). Er wurde während seiner Tätigkeit als leitender Oberarzt der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) für seine Forschungsergebnisse in der Diagnostik und Therapie von Pilzerkrankungen des Menschen mehrfach ausgezeichnet.

Die Symrise AG ist ein globaler Anbieter von Duft- und Geschmacksstoffen, kosmetischen Grund- und Wirkstoffen sowie funktionalen Inhaltsstoffen für Lebensmittel. Zu den Kunden gehören Parfum-, Kosmetik-, Lebensmittel- und Getränkehersteller, die pharmazeutische Industrie sowie Produzenten von Nahrungsergänzungsmitteln und Heimtiernahrung. Der Konzern mit Sitz in Holzminden gehört zu den weltweit führenden Anbietern und ist mit mehr als 100 Niederlassungen in Europa, Afrika und dem Nahen sowie Mittleren Osten, in Asien, den USA sowie in Lateinamerika vertreten.

THM Gießen: „Studieren mit Praxisbezug und Strahlkraft weit über die Region hinaus“

Prof. Dr. Matthias Willems ist seit 2016 Präsident der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) und spricht hier über Ausrichtung, Pläne und aktuelle Herausforderungen in Forschung und Lehre. Er selbst hat Medizininformatik studiert und freut sich in seiner täglichen Arbeit über Berührungspunkte in den Bereichen Gesundheit und Medizin.

(Foto: Technische Hochschule Gießen)

Was sehen Sie als wichtige Aufgabe der Hochschulen heute?

Prof. Willems: Wir müssen den jungen Menschen heute die Grundlagen mit auf den Weg geben, dass sie sich weiterentwickeln und immer wieder in neue Themen einarbeiten können. Also zum Beispiel: Wie gehe ich ein Projekt an? Das Grundsätzliche wird sich nicht ändern, aber die Methoden dafür schon. Hier braucht es flexibles Denken und die Bereitschaft sich in neue Gebiete hineineinzudenken. 

Das Gesundheitswesen an der THM ist ja enorm gewachsen. Was genau ist denn neu dazu gekommen?

Prof. Willems: Wir haben zum Beispiel den Fachbereich Gesundheit gegründet. Dort bieten wir Medizininformatik sowie einen Studiengang medizinisches Management mit fünf verschiedenen Schwerpunkten an – und waren überrascht von dem enormen Interesse von Studierenden ebenso wie von Arbeitgeberseite: Mittlerweile haben wir über tausend Studierende in diesem Fachbereich. In Zukunft wollen wir akademische Ausbildungsmöglichkeiten für junge Leute bieten, die medizinische Fachberufe wie zum Beispiel Hebamme oder Pfleger anstreben. In der Forschung kümmern wir uns um Themen wie digitale Medizin, 3D-Druck und Telemedizin. Hier arbeiten wir eng mit unseren Partnern am Forschungscampus Mittelhessen zusammen. Mit der Universität Marburg etwa überwachen wir via Telemedizin Patienten mit einer chronischen Lungenerkrankung. Und mit Künstlicher Intelligenz (KI) wollen wir Säuglinge mit Atemproblemen nachts besser versorgen. Alle Ansätze verfolgen dabei ein Ziel: Wir wollen das Leben für die Patienten mit Hilfe neuer Technologie verbessern. 
Das spiegelt sich auch in der Lehre wieder: Wir haben sehr gute Module, die wir heute mit Virtual Reality oder Augmented Reality bedienen, um die reale Welt noch besser zu verstehen. Unsere Studierenden können so zum Beispiel eine Halsschlagader genau betrachten und zugleich Details über deren Anatomie und Funktion erfahren.

Prof. Dr. Matthias Willems (Foto: transQUER GmbH)

Wie sehen Sie die Region in Sachen Healthcare aufgestellt?

Prof. Willems: Mittelhessen ist eine hervorragende Bildungs- und Medizinregion: Wir haben hier drei Hochschulen mit insgesamt 70.000 Studierenden und sich ergänzenden Produktportfolios in den Studiengängen. Die Unterschiede stärken das Gesamtbild und befördern Synergien. So ergibt sich immer wieder die Möglichkeit, gemeinsame Projekte aufzubauen und darin die Kompetenzen aller drei Hochschulen zu nutzen. Unsere Studierenden etwa können ihre Forschung mit der praktischen Anwendung an Universitätskliniken kombinieren. Davon profitieren alle – häufig auch über die Grenzen Hessens hinaus. 

der etwa 20.000 Absolventen an der THM der letzten zehn Jahre bleiben in der Region. Damit ist die THM ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
0

Wo liegen die größten Stärken der THM?

Prof. Willems: Das Besondere und vielleicht auch das Herausragende auch im nationalen Vergleich ist die regionale Vernetzung einerseits und der Anwendungsbezug andererseits. Unsere Studierenden lernen in konkreten Projekten, lösen reale Probleme und können praktische Ergebnisse vorweisen. Damit sind sie optimal auf ihr Berufsleben vorbereitet. Unser Studium trainiert Eigenverantwortung von Anfang an – und dabei arbeiten immer häufiger Studierende verschiedener Fachbereiche zusammen. Ich denke da etwa an das Konzept von Rennwagen, die mit möglichst wenig Sprit möglichst weit fahren sollen, oder an unser Robotics-Team. Unsere Projekte in dualen Studiengängen bieten konkrete Nutzen für unsere regionalen Partner aus Industrie und Kommunen. Das spricht sich herum – unter den Studierenden ebenso wie in den Firmen der Region, in die unsere Absolventen wechseln.

Und was ist eine große Herausforderung für die THM heute?

Prof. Willems: Zum einen wird die Digitalisierung alle unsere Lebensbereiche fundamental verändern. Unsere Herausforderung ist es nun, in alle Studiengänge das Know-how einzubringen, dass die Absolventen brauchen, um auf lange Sicht fit für ihre Berufsfelder zu sein. Zum anderen wollen wir unsere Forschungsschwerpunkte weiter ausbauen, so dass die Studierenden auch in Zukunft auf dem aktuellen Stand der Technik sind – in der Medizininformatik ebenso wie in der Biotechnologie und Elektrotechnik. Ein weiterer Aspekt wird die Ethik in der Digitalisierung sein. Das heißt zum Beispiel: Wie geht man mit den Medien um? Welche Daten gibt man künftig preis?

Die Corona-Pandemie forciert die Transformation zusätzlich. Wie sehen Sie die THM gerüstet? 

Prof. Willems: Als Folge der Coronakrise starteten die Lehrveranstaltungen verspätet ins Semester und werden zunächst ausschließlich digital angeboten. Aber ich hoffe, es wird nicht allzu lange dauern, bis wir zeigen können, dass wir keine Fernhochschule sind und was ´Studieren´ wirklich bedeutet. Studierende werden hoffentlich bald wieder in Vorlesungen und Laboren sitzen, ihre Mitstudierenden kennenlernen und neue Freundschaften schließen. Generell stellen wir uns natürlich darauf ein den digitalen Wandel mitzugestalten – auch in der Lehre. Wir müssen unsere Lehrmethoden anpassen an das neue Verhalten. Wir müssen die technischen Möglichkeiten nutzen nicht als Selbstzweck sondern so, damit sie Verbesserungen bringen. Dabei wird es nicht damit getan sein dass wir Lehrinhalte oder Vorlesungen einfach auf Video aufnehmen. Die Lehrenden haben in der Coronakrise schon ganz individuelle und innovative Wege gefunden. Aber die Präsenzlehre wird selbstverständlich erhalten bleiben: Vorlesungen, Seminare und vor allem das zentrale Element der Hochschule für Angewandte Wissenschaften: praktische Übungen, in denen man lernt, wie praktische Probleme gelöst werden.

Teletherapie: Behandlung am Bildschirm

Die Corona-Pandemie hat unsere Welt auf den Kopf gestellt. Die obersten Regeln heißen Abstand halten und soziale Kontakte reduzieren. Diese Maßnahmen beeinflussen den therapeutischen Alltag in einer psychiatrischen Klinik enorm, denn für eine erfolgreiche Behandlung bedarf es vor allem einer Sache: Kontakt! Vitos Gießen-Marburg hat auf diese Herausforderung eine Antwort gefunden: Teletherapie im Rahmen eines umfassenden Behandlungskonzepts. Prof. Dr. Michael Franz, Ärztlicher Direktor am Vitos Klinikum Gießen-Marburg, erläutert die Hintergründe.

Autor: Susanne Richter-Polig, Unternehmenskommunikation, Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Giessen und Marburg

Prof. Dr. Michael Franz

Professor Franz, was kann man sich unter Ihrem Konzept der „Teletherapie“ vorstellen?

Prof. Dr. Michael Franz: Die Teletherapie bietet die Möglichkeit, Patienten virtuell zu behandeln. Die Therapieangebote, Abläufe und die Kontaktgestaltung sind angelehnt an die auf einer realen Station – nur eben mithilfe von Telefon oder Videoschaltung. Daran können mehrere Personen teilnehmen, sodass auch Visiten und Besprechungen bis hin zu kleinen Gruppenangeboten möglich sind. Demnächst wollen wir Ergo- und Bewegungstherapie mit kleinen Videoclips vorhalten, eine Online-Skills-Gruppe ist in Planung und vieles mehr. Einen physischen Kontakt gibt es in der Regel nur einmal im Rahmen der Aufnahme, da hier auch eine körperliche Untersuchung zum Procedere gehört.

Wie läuft eine Woche in der Teletherapie für Patienten derzeit ab?

Franz: Sie haben als Patient täglich morgens einen Kontakt mit der Pflege, zudem einzeln oder in kleinerer Gruppe eine Morgenrunde zum Sammeln von Anliegen. Dazu zurzeit täglich ein Einzelgespräch mit ihrem Behandler, einem Psychologen oder Arzt sowie Bezugspflegegespräche. Es finden einmal pro Woche eine Oberarztvisite und einmal eine ärztliche Visite statt. Außerdem stellt sich der Sozialdienst bei jedem Patienten vor und bietet Unterstützung an. Wie gesagt: Das Angebot wird Schritt für Schritt ausgebaut. Es ist angelehnt an den Ansatz des „Blended Care“ (Integration von Online-Interventionen in die reguläre Psychotherapie), der zurzeit als Goldstandard gilt. Daher gibt es initial bei der Aufnahme einen direkten Kontakt mit einem Behandler, der auch zur Erhebung der körperlichen Befunde dient.

Welche technische Ausstattung brauchen die Patienten, um daran teilzunehmen? Reicht ein Smartphone?

Franz: Die Mindestvoraussetzung ist ein funktionierendes Telefon. Damit können wir schon sehr viel erreichen. Ideal ist natürlich ein Endgerät mit Kamera und Mikrofon für eine Verbindung mit Bild und Ton, wie beispielsweise beim Programm ClickDoc. Hier sehen sich der Patient und mehrere Behandler, zum Beispiel bei einer Visite. Sie können Dokumente hochladen, austauschen oder zusammen betrachten – etwa ein therapeutisches Wochenprotokoll. Es gibt sogar ein virtuelles Wartezimmer. Wir wollen in der Psychiatrie aber auch Patienten erreichen, die nicht diese technische Ausstattung vorhalten können. Daher arbeiten wir auch mit normalen Telefongesprächen. Der telefonische Kontakt ist nicht zu unterschätzen. In der Behandlung von Borderline-Patienten nutzen wir in akuten Krisen schon lange Telefon-Coachings, die sich als sehr wirksam erwiesen haben.

"Die Mindestvoraussetzung ist ein funktionierendes Telefon. Damit können wir schon sehr viel erreichen."
Prof. Dr. Michael Franz

Für wen ist die Teletherapie geeignet?

Franz: Es kommt prinzipiell eher auf die Zuverlässigkeit und Absprachefähigkeit eines Patienten an als auf seine Diagnose. Allerdings liegt in der Natur der Sache, dass Erkrankungen, die mehr sprachlich-therapeutisch beeinflussbar sind, mehr profitieren als solche, die eher einen strukturierten Rahmen und Kurzkontakten benötigen. Gut behandelbar sind demnach in der Regel Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, Borderline-Störungen, Traumafolgestörungen, Persönlichkeits- und somatoforme Störungen.

Ausgeschlossen sind natürlich Patienten mit akuter Fremd- und Selbstgefährdung oder Suizidalität. Ebenso gibt es Grenzen bei Themen wie akuter Entgiftung oder dissozialen Störungen. Es muss immer auch individuell beurteilt werden, ob die Teletherapie für einen Patienten das Mittel der Wahl ist oder nicht.

Der persönliche Kontakt zwischen Menschen ist sehr wichtig. Ein virtuelles Angebot ist nicht das Gleiche wie ein Treffen Face-to-Face. Warum können Patienten trotzdem profitieren?

Franz: Wir haben ein sogenanntes Bindungssystem. Damit sind die Teile in unserem Gehirn gemeint, die unsere Beziehungen zu anderen Menschen tragen und verarbeiten. Wir wissen, dass dieses Bindungssystem eine sehr beruhigende und regelrecht gesundheitsfördernde Wirkung hat. Und dass die Ergebnisse von Therapien stark durch die Qualität der therapeutischen Beziehung beeinflusst werden. Es ist jedoch offen, ob eine Bindung immer nur dann wirksam wird, wenn jemand einem anderen leibhaftig gegenübersitzt. Daten aus Studien zu Online-Therapien und dem bereits genannten „Blended Care“ legen uns nahe, dass gute vorübergehende Bindungen auch dann entstehen können, wenn ein großer Teil der Interaktion telefonisch oder videogestützt stattfindet. Wenn der Kontakt gut ist, vervollständigt unser Gehirn das Gegenüber bis zu einem gewissen Grad. Daher ist eine gute Übertragung der Stimme so wichtig. Es gibt allerdings einzelne Menschen bei denen das nicht gelingt. Diese sind dann in der Regel auf die physikalische Präsenz eines Gegenübers angewiesen, um eine Beziehung aufzubauen.

Wird die Teletherapie auch nach der Corona-Pandemie ein fester Bestandteil im Therapieangebot von Vitos Gießen-Marburg sein?

Franz: Unser Teletherapiekonzept ist eine Innovation und gleichzeitig ein zeitgemäßes Format, auch über die Covid-Krise hinaus. Schon vor der Krise nahmen Anwendungsbereiche, Verfügbarkeit und Evidenzbasierung von Online- bzw. Teletherapie im internationalen Kontext stetig zu, zumal auch bislang unerreichte Patienten mit diesem Format erreicht werden können. Die Frage war nicht, ob es irgendwann ein solches umfassendes Teletherapieangebot gibt, sondern wann und wo. Jetzt haben wir damit angefangen und werden als Vitos Klinik zu einem sehr frühen Zeitpunkt dieser Entwicklung mit einem ausgearbeiteten Konzept sowie erprobten Erfahrungswerten dastehen. Mit Hilfe der Qualitätsindikatoren evaluieren wir unser Konzept und werden es kritisch auswerten. Eine Wirksamkeitsstudie im engeren Sinne sollte prospektiv und mit einer Kontrolle erfolgen.

Dieses Interview von Prof. Dr. Michael Franz wurde zuerst auf dem Vitos-Blog veröffentlicht.

Trendbericht: Fokus der Herz-Kreislauf-Forschung

Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Wissenschaftler rund um den Globus forschen deshalb aktuell zu Herzschwäche, Infarkten, Lungenhochdruck oder Atherosklerose. Ihr Ziel: besser verstehen, was sich auf molekularer Ebene bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen abspielt. Es geht darum die Zusammenhänge im Gen-Netzwerk zu entschlüsseln und neue Ansätze zu Prävention, Diagnostik und Therapie zu entwickeln.

Kein technischer Motor kann mit dem Leistungsvermögen unseres Herzens mithalten – im Laufe eines Menschenlebens schlägt es etwa drei Milliarden Mal und fördert damit mehr als zwei Millionen Liter Blut durch den Körper. Ohne stillzustehen und ohne regelmäßige Wartung. 

Erkrankungen des Herzens, unseres wichtigsten Muskels, sind in der allgemeinen Wahrnehmung gut zu behandeln. Sie stellen aber seit vielen Jahren weltweit die häufigste Todesursache dar und gehören damit zu den großen Volkskrankheiten. Viele Forschungsgruppen weltweit arbeiten daran neue Erkenntnisse zu gewinnen, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiter einzudämmen. Im Fokus der Grundlagenforscher: Die Genetik hinter der Erkrankung entschlüsseln. Die Wissenschaftler wollen noch besser verstehen, was sich auf molekularer Ebene bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen abspielt. 

Grundlegende Fragen der molekularen Herz-Kreislauf-Forschung: 

  • Welche Gene sind verändert und wie werden sie abgelesen? 
  • Welche molekularen Signalwege und Botenstoffe sind am Krankheitsgeschehen beteiligt? 
  • Wie reagieren Zellen und Gewebe? 

Aus den Antworten darauf lassen sich neue Diagnostikmethoden und neue Ansatzpunkte für Therapien ableiten. Ihr eigentliches Ziel ist die personalisierte Medizin: Durch die Auswertung großer Datenmengen lassen sich individuelle Charakteristika von Herzerkrankungen frühzeitig erkennen und dadurch auch individuell therapieren. 

Herzinfarkt: Eine dauerhafte Herausforderung

Das am meisten gefürchtete Ereignis unter den kardiologischen Erkrankungen ist der Herzinfarkt. Dass es immer weniger schwere Infarkte mit tödlichen Folgen gibt führen Experten unter anderem darauf zurück, dass es immer besser gelingt, hohen Blutdruck zu senken.

Aber auch andere Aspekte haben die Forscher im Visier, um die Entstehung von Herzinfarkten zu verhindern. Schlüssel dazu sind die Plaques, die sich durch Fettablagerungen in den Wänden der Herzmuskelgefäße bilden. Wenn diese Plaques aufbrechen, lagern sich Blutplättchen an, wodurch die Gefäße verstopfen und es zum Infarkt kommt.

Dieser Vorgang – Atherosklerose genannt – ist ein chronisch entzündlicher Prozess, an dem auch immunkompetente Zellen beteiligt sind. In westlichen Ländern ist Atherosklerose die häufigste Krankheits- und Todesursache dar. Im Jahr 2016 starben deutschlandweit 440 Frauen im Alter von 55 bis 60 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes (Myokardinfarktes). In der gleichen Altersgruppe lag die Zahl verstorbener Männer mit 1.820 Verstorbenen mehr als vier Mal so hoch. Von den insgesamt in Deutschland in diesem Jahr an einem Herzinfarkt Verstorbenen entfielen 28.130 Todesfälle auf Männer und 20.539 auf Frauen. Aktuelle Projekte der Herz-Kreislauf-Forschung beschäftigen sich deshalb damit, die Bedeutung der Wachstumsfaktoren und Zellen, die an Artheriosklerose beteiligt sind, besser zu verstehen. Denn ließen sich Bildung und Aufbrechen der krankhaften Plaques stoppen, würde es gar nicht erst zum Herzinfarkt kommen.

Zudem arbeiten Wissenschaftler daran, nach einem überstandenen Herzinfarkt die Pumpleistung des Herzens bestmöglich wieder herstellen zu können. Denn bei einem Infarkt sterben Zellen im Herzen ab und es entstehen Narben, die seine Funktion beeinträchtigen. Wissenschaftler arbeiten daran, die Herzregeneration nach einem Infarkt zu verbessern: So deuten Untersuchungen daraufhin, dass bestimmte Zellen des Immunsystems dabei eine zentrale Rolle spielen, die durch Signalmoleküle gesteuert werden. Gäbe es die Möglichkeit, diese Signale zu aktivieren, könnte es vielversprechende Optionen für die Behandlung des Herzinfarkts eröffnen.

Wie entsteht Arteriosklerose?

Herzrhythmusstörungen: Das Herz stabil halten

Einen weiteren Forschungsschwerpunkt stellen die Herzrhythmusstörungen dar. Sie beeinträchtigen nicht nur erheblich die Lebensqualität. Im Falle des Vorhofflimmerns können sie auch tödlich enden, wenn es aufgrund von Blutgerinnseln im Vorhof zu einem Schlaganfall kommt. Aber bislang verstehen die Forscher die zugrunde liegenden elektrophysiologischen Mechanismen, die das Herz aus dem Takt bringen nur ansatzweise. Mittlerweile werden in Veröffentlichungen aber zunehmend genetische Defekte beschrieben, die zu erblichen Formen der Erkrankung führen. Ein tieferes Wissen über den Zusammenhang zwischen genetischem Defekt und Entstehung des Vorhofflimmerns verspricht neue Einblicke in grundlegende Mechanismen der Krankheitsentstehung.

Die Herzschwäche – auch Herzmuskelschwäche oder Herzinsuffizienz genannt, steht ebenfalls besonders im Fokus der Forscher. Das geschädigte Herz kann nicht mehr ausreichend Blut durch den Körper pumpen, die Folge ist eine deutlich eingeschränkte Leistungsfähigkeit. Das Fortschreiten der Erkrankung kann zwar gestoppt werden, doch derzeit gibt es keine ursächliche Behandlung und somit auch keine Heilung. Zwar wissen die Forscher, dass die Herzmuskelzellen verändert sind, doch was sich bei dem Krankheitsprozess auf molekularer Ebene abspielt, ist noch nicht ausreichend bekannt. Aus dem direkten Vergleich des genetischen Profils und der Proteinmuster von Zellen aus gesundem und krankem Herzgewebe versprechen sich die Wissenschaftler wegweisende Erkenntnisse mit dem Ziel, molekulare Therapieansätze zu entwickeln, die dort angreifen, wo die Ursache für die Schwäche der einzelnen Herzmuskelzellen entsteht.

Wissenschaftler und Mediziner suchen auch nach Wegen, ein schwaches Herz wieder zu regenerieren. Hierbei geht es darum, krankes Herzgewebe durch neue Herzzellen zu ersetzen, die mit im Labor aus Stammzellen gezüchteten werden.

Bei Herzerkrankungen und deren Therapien gilt es allerdings auch, nicht isoliert allein das Organ „Herz“ zu betrachten, sondern Begleiterkrankungen – so genannte Komorbiditäten – weiterer Organe wie Niere und Lunge im Blick zu haben. Denn mit abnehmender Nierenfunktion steigt das Risiko für eine Herz- Kreislauferkrankung so wie umgekehrt eine Herzkrankheit zu einer eingeschränkten Nierenleistung führen kann, da Herz und Niere in physiologisch enger, wechselseitiger Beziehung stehen. Ebenso wie Herz und Lunge, die über das Gefäßsystem aneinander gekoppelt sind: Es gibt enge Zusammenhänge zwischen Erkrankungen des Herzens und der Lunge, da sich Herz- und Lungensystem gegenseitig beeinflussen. So haben beispielsweise chronische Lungenerkrankungen oder Gefäßveränderungen bei Lungenhochdruck Auswirkungen auf das Herz.

Quelle: Bayer research

Das Herz: Teil des Teams statt Einzelkönner

Ein bedeutendes Gebiet, um Diagnose und Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiter zu verbessern, ist nicht zuletzt auch die Erforschung und Entwicklung von spezifischen Biomarkern. Sie helfen, Erkrankungsrisiken frühzeitig, wenn möglich bereits vor Auftreten der ersten Symptome zu erkennen und umgehend therapeutische Maßnahmen ergreifen zu können. Auch der Krankheitsverlauf kann mittels geeigneter Biomarker beurteilt werden. So gehört die Biomarker-Entwicklung zu den Schwerpunktgebieten der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim. Dort bauen Wissenschaftler  ein umfangreiches Patientenregister und eine Biomaterialdatenbank auf, um die Biomarker noch intensiver erforschen zu können. 

Die Lungen- und Herzmedizin und das verbesserte Verständnis des Herz-Lungensystems, ist auch ein Schwerpunktgebiet des Forschungscampus Mittelhessen. Dort sucht man neue Ansätze für Prävention, Diagnose und Therapie. Wissenschaftler am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) und des von Gießen aus koordinierten Deutschen Zentrums für Lungenforschung erforschen beispielsweise Mechanismen, wie auf zellulärer Ebene eine Resistenz gegen Sauerstoffmangel entsteht. Sie wollen herausfinden wie sich eine Anpassung an Sauerstoffmangel, die bei vielen Herz-Kreislauf – und Lungenerkrankungen auftritt, beschleunigen lässt. 

Bluthochdruck: ein genetischer Zusammenhang?

Weniger bekannt in der Öffentlichkeit ist der chronische Lungenhochdruck – auch Pulmonale Hypertonie genannt. Er ist eine bis heute lebensbedrohliche Erkrankung der Lunge und des Herzens. Forscher in Mittelhessen wollen diese schwere Lungenkrankheit besser verstehen und neue Ansätze für die Prävention, Diagnose und Therapie entwickeln. Deshalb fördert die Europäische Union ein neues innovatives Großprojekt zur Untersuchung der molekularen Grundlagen des Lungenhochdrucks: Dr. Soni Savai Pullamsetti, Molekularbiologin und Gruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim sowie am Institut für Innere Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), ist es gelungen einen der begehrten ERC Consolidator Grants des Europäischen Forschungsrats einzuwerben. Der Forschungspreis ist mit zwei Millionen Euro dotiert. Ihr Projekt „Restoring Roots“ soll es ermöglichen, die molekularen Mechanismen der Krankheit aufzuklären.

Dr. Soni Pullamsetti möchte nach Möglichkeiten suchen, wie die aktivierten Gefäßwandzellen so beeinflusst werden können, dass der Fortlauf der Erkrankung gestoppt oder sogar umgekehrt werden könnte. Sie wird dabei an die Hypothese anknüpfen, dass bei der Entstehung des Lungenhochdrucks molekulare Prozesse ablaufen, die bereits während der Embryonalentwicklung aktiv waren. „Im Zusammenhang mit dem Lungenhochdruck sind eine ganze Reihe von Entwicklungsgenen aktiv. Diese bilden ein Netzwerk und beeinflussen sich gegenseitig”, erklärt Dr. Soni Pullamsetti. Sie will diese Gen-Netzwerke entschlüsseln. Ihre Hoffnung: die zugrundeliegenden molekularen Prozesse besser zu verstehen und Anknüpfungspunkte für neue Therapien zu finden. Die Forscherin will mit den EU-Mitteln aber auch „nach neuen Biomarkern schauen, mit deren Hilfe die Erkrankung besser diagnostiziert werden könnte“, so Pullamsetti.

> Natürlicher Therapieansatz bei Lungenhochdruck: Atemhilfe aus dem Meer