Wie entwickelt sich der Life Science Standort Mittelhessen?

Der VDI Mittelhessen und das Regionalmanagement Mittelhessen laden am 20. März 2025 auf die High-Tech Messe W3+ Fair in Wetzlar ein. Diskutieren Sie mit, über die Bedeutung der Schlüsselbranche Life Science für den Standort.

Das vollständige Programm und Anmeldung finden Sie hier.

Healthcare-Storys
Die Grafik zeigt eine stilisierte ländliche Szene in kräftigen Farben und flächigem Design. Links befindet sich ein hellblaues Bauernhaus mit dunklem Dach und drei Fenstern. Davor breiten sich goldgelbe Felder mit gleichmäßigen, geschwungenen Linien aus, die Reihen von Nutzpflanzen darstellen. Rechts davon steht ein grüner Laubbaum mit braunem Stamm. Dahinter erstrecken sich hügelige Felder in Grüntönen, gefolgt von blauen Hügeln im Hintergrund. Ein großes Windrad steht rechts neben dem Baum. Über der Landschaft strahlt eine gelbe Sonne, links daneben schwebt eine blaue Wolke. Das Bild vermittelt eine moderne, nachhaltige und klimafreundliche Landwirtschaft.
Die Justus-Liebig-Universität Gießen zählt zu den führenden deutschen Hochschulen im Bereich der Umwelt- und Agrarwissenschaften und trägt wesentlich dazu bei, komplexe Zusammenhänge besser zu verstehen. Ein zentraler Forschungsschwerpunkt liegt auf der Entwicklung innovativer Ansätze, um die landwirtschaftliche Produktion auch unter den Bedingungen des Klimawandels auf nachhaltige und umweltschonende Weise zu
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Eine Lunge AI Generiert
Abbau abgestorbener Neutrophiler programmiert Immunzellen in der Lunge um – Studie der Gießener Infektions- und Lungenforschung in „Science Immunology“ erschienen
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LEAF-Zertifikat-AI-Generiert
Labore im Wandel: Pilotprojekt zur Ressourcenschonung startet an der Justus-Liebig-Universität Gießen – Test des internationalen LEAF-Zertifikats
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JLU und Universitätsklinikum Gießen führen weitgefasste Einwilligungserklärung für die datenschutzkonforme Nutzung von Patientendaten und Bioproben ein Mit einer einheitlichen und weit gefassten Einwilligungserklärung, dem sogenannten Broad Informed Consent (BIC), ermöglichen der Fachbereich 11 – Medizin der Justus-Liebig Universität Gießen (JLU) und das Universitätsklinikum Gießen (UKGM) künftig eine standardisierte und datenschutzkonforme
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Neue Versorgungsform soll Behandlung von Herzinsuffizienz-Patient:innen bei chirurgischen Eingriffen entscheidend verbessern. Studie zu potenziellem Modell für bundesweite Versorgung wird in Gießen koordiniert. / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/109212 / Foto: Christine Bode / Bildrechte: RHÖN-KLINIKUM AG
Patienten mit Herzinsuffizienz stehen bei operativen Eingriffen vor besonderen Herausforderungen. Um ihre Behandlung nachhaltig zu verbessern, haben die Justus-Liebig-Universität Gießen und das Universitätsklinikum Gießen (UKGM) ein wegweisendes Versorgungskonzept entwickelt.
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Kristallstruktur des aktiven Zentrums der humanen Virus-aktivierenden Wirtsprotease Furin im Komplex mit verschiedenen nichtpeptidischen Hemmstoffen, die im Arbeitskreis Steinmetzer synthetisiert wurden. Die Furinoberfläche ist entsprechend ihres elektrostatischen Potentials mit negativ geladenen Bereichen in rot, neutralen in weiß und positiv geladenen Regionen in blau dargestellt. Die Inhibitoren sind als unterschiedlich eingefärbte Stabmodelle gezeigt. Die Kristallstrukturen wurden durch Sven O. Dahms (Paris Lodron Universität Salzburg) bestimmt. Bild: Torsten Steinmetzer
Ein europäisches Forschungsteam arbeitet an der Entwicklung antiviraler Breitbandmedikamente, um künftige Pandemien effektiver zu bekämpfen. Mit Beteiligung der Philipps-Universität Marburg soll das Projekt dazu beitragen, virale Infektionen frühzeitig einzudämmen und den Schutz der Bevölkerung zu verbessern.
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Liebig Centre eröffnet: UN-Forschungszentrum für klimafeste und nachhaltige Landwirtschaft

Die Grafik zeigt eine stilisierte ländliche Szene in kräftigen Farben und flächigem Design. Links befindet sich ein hellblaues Bauernhaus mit dunklem Dach und drei Fenstern. Davor breiten sich goldgelbe Felder mit gleichmäßigen, geschwungenen Linien aus, die Reihen von Nutzpflanzen darstellen. Rechts davon steht ein grüner Laubbaum mit braunem Stamm. Dahinter erstrecken sich hügelige Felder in Grüntönen, gefolgt von blauen Hügeln im Hintergrund. Ein großes Windrad steht rechts neben dem Baum. Über der Landschaft strahlt eine gelbe Sonne, links daneben schwebt eine blaue Wolke. Das Bild vermittelt eine moderne, nachhaltige und klimafreundliche Landwirtschaft.

Die Justus-Liebig-Universität Gießen zählt zu den führenden deutschen Hochschulen im Bereich der Umwelt- und Agrarwissenschaften und trägt wesentlich dazu bei, komplexe Zusammenhänge besser zu verstehen. Ein zentraler Forschungsschwerpunkt liegt auf der Entwicklung innovativer Ansätze, um die landwirtschaftliche Produktion auch unter den Bedingungen des Klimawandels auf nachhaltige und umweltschonende Weise zu sichern. Dieses Profil ergänzt die Zielsetzungen der Vereinten Nationen und insbesondere die des in Wien ansässigen Joint FAO/IAEA Centre of Nuclear Techniques in Food and Agriculture. Beide Einrichtungen werden künftig im neu gegründeten Liebig Centre – einem Kooperationszentrum für Agroökologie und Klimafolgenforschung – eng zusammenarbeiten.

Das Liebig Centre for Agroecology and Climate Impact Research kann nun seine Tätigkeit aufnehmen. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung zwischen der JLU und dem gemeinsamen Zentrum von FAO/IAEA wurde am 16. Mai 2025 von JLU-Präsidentin Prof. Dr. Katharina Lorenz und Dr. Najat Mokhtar, stellvertretende Generaldirektorin und Leiterin der Abteilung für Nuklearwissenschaften und -anwendungen, in einem Online-Meeting unterzeichnet.

Das neue Zentrum setzt auf den Einsatz isotopengestützter Verfahren, um nachhaltige Landwirtschaft zu fördern, die Erträge zu verbessern und vor allem notwendige Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel in über 180 UN-Mitgliedsländern weltweit umzusetzen. Ein herausragendes Beispiel ist die Initiative Atoms4Food, mit der die Vereinten Nationen ihre Mitgliedsstaaten dabei unterstützen, die Ernährungssicherheit zu erhöhen, Verluste in der Nahrungsmittelproduktion zu verringern und klimaresiliente Bewirtschaftungssysteme zu entwickeln.


Institut für Pflanzenökologie

Das Institut für Pflanzenökologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen, geleitet von Prof. Dr. Christoph Müller – der an der Gründungsveranstaltung des Liebig Centre in Wien teilnahm – pflegt eine langjährige Zusammenarbeit mit der IAEA und betreibt eines der ältesten FACE-Systeme weltweit. FACE steht für „Free Air Carbon Dioxide Enrichment“. Diese Methode ermöglicht es, unter realen Freilandbedingungen die Auswirkungen erhöhter CO₂-Werte in der Atmosphäre auf die Funktionsweise von Ökosystemen zu erforschen. Bereits seit Mitte der 1990er-Jahre werden an der JLU langfristige Daten auf extensiv genutztem Grünland erhoben, die eine solide Grundlage für die Einschätzung klimabedingter Veränderungen und die Entwicklung robuster landwirtschaftlicher Nutzungssysteme schaffen. „Die Schlüsseltechniken basieren dabei auf der Anwendung stabiler Isotope, um die zugrundeliegenden biogeochemischen Prozesse, insbesondere Kohlenstoff- und Stickstoffflüsse, unter zukünftigen Klimabedingungen quantifizieren zu können“, erläutert Prof. Müller.

Institut für Insektenbiotechnologie

Die agrarökologische Forschung im Liebig Centre wird durch die Aktivitäten des Instituts für Insektenbiotechnologie im Bereich Pflanzenschutz unter der Leitung von Prof. Dr. Marc Schetelig entscheidend ergänzt. In enger Kooperation mit dem Insect Pest Control Laboratory der FAO/IAEA entwickelt das Institut biotechnologische und biologische Methoden zur nachhaltigen Bekämpfung invasiver Schadinsekten. Am Institut werden neue Verfahren der Sterilen Insektentechnik erforscht, mit denen Schädlinge gezielt und ohne Pestizideinsatz bekämpft werden können. Dazu zählen unter anderem genetische Verfahren, die die Zucht ausschließlich männlicher Insekten ermöglichen, sowie innovative Ansätze zur schnellen und umweltverträglichen Kontrolle invasiver Arten. Prof. Schetelig erklärt: „Diese Forschung hilft, den Pestizideinsatz zu verringern, die Artenvielfalt zu schützen und stärkt die internationale Vorreiterrolle der JLU auf diesem Gebiet.“

Liebig Centre

Das neu gegründete Liebig Centre fungiert als internationale Plattform, die Forschende weltweit vernetzt, den Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse fördert, UN-Forschungsprogramme unterstützt und zur Ausbildung von Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern sowie Studierenden aus Mitgliedsstaaten der IAEA beiträgt. Das Ziel besteht darin, wissenschaftlich fundierte Informationen und technische Lösungen für die Klimafolgenforschung bereitzustellen und diese an die verschiedenen regionalen Gegebenheiten weltweit anzupassen.

Der Name Liebig Centre erinnert an das Erbe von Justus Liebig, der bereits im 19. Jahrhundert an der Universität Gießen durch die Entwicklung von Düngemitteln und agrarchemischen Methoden bedeutende Beiträge zur Steigerung der Ernteerträge und zur Bekämpfung von Hunger leistete. Sein Engagement für die praktische Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse und die Wissensvermittlung innerhalb der Gesellschaft spiegelt den Anspruch des neuen UN-Zentrums an der JLU wider.

Quelle: Justus-Liebig-Universität Gießen

Zwischen Entzündungsbekämpfung und Infektionskontrolle:Wie die Immunantwort im Lungengewebe gesteuert wird

Eine Lunge AI Generiert

Abbau abgestorbener Neutrophiler programmiert Immunzellen in der Lunge um – Studie
der Gießener Infektions- und Lungenforschung in „Science Immunology“ erschienen

Entzündungen der Lunge aufzulösen ist entscheidend, um den Gasaustausch
aufrechtzuerhalten. Wenn der Körper eine Lungenentzündung bekämpft, bewegt er sich
jedoch auf einem schmalen Grat: Denn während die Entzündung aufgelöst wird, steigt
gleichzeitig das Risiko sekundärer bakterieller Infektionen. So kann es nach einer viralen
Infektion (z.B. einer Grippe) zu schweren Verläufen durch bakterielle Infektionen kommen.

Eine Studie von Gießener Infektions- und Lungenforscherinnen und -forschern rund um
Dr. Ulrich Matt und Prof. Dr. Susanne Herold am Exzellenzcluster Cardio-Pulmonary Institute
(CPI) beschreibt nun einen bislang unbekannten Mechanismus, durch den wichtige
Immunzellen der Lunge, sogenannte alveoläre Makrophagen, ihre Funktion bei der
Immunantwort anpassen: Durch die Aufnahme abgestorbener weißer Blutkörperchen
(neutrophile Granulozyten), die zum angeborenen Immunsystem gehören und der Erstabwehr von Bakterien dienen, verändern sie ihren Stoffwechsel und nehmen eine
entzündungsauflösende Rolle ein. Diese Umprogrammierung hilft, Entzündungen in der
Lunge effizient zu beenden, geht jedoch auf Kosten der Fähigkeit, bakterielle Infektionen
wirksam zu bekämpfen.

Alveoläre Makrophagen spielen eine zentrale Rolle für das Gleichgewicht des Immunsystems
in der Lunge – sie unterstützen sowohl die Abwehr von Krankheitserregern als auch die
Wiederherstellung von Gewebe nach Entzündungen. Wie sie zwischen diesen Funktionen
wechseln, war bisher unklar. „Unsere Studie zeigt, dass die Aufnahme neutrophiler Zellen die
Aktivität der Makrophagen verändert und sie in einen entzündungsauflösenden Zustand
versetzt“, sagt Dr. Ulrich Matt, Letztautor der Studie.

„Diese Entdeckung liefert entscheidende Erkenntnisse über das Gleichgewicht zwischen Entzündungslösung und Infektionskontrolle – ein zentrales Thema bei Lungenentzündung jeder Art.“ Die Forscherinnen und Forscher setzen sich nun zum Ziel, diese Erkenntnisse zur
Weiterentwicklung von Therapien gegen schwere Lungenentzündungen zu nutzen.

Die Studie ist in der Fachzeitschrift „Science Immunology“ veröffentlicht worden.

Quelle: Justus-Liebig-Universität Gießen

Nachhaltigkeit im Laboralltag

LEAF-Zertifikat-AI-Generiert

Labore im Wandel: Pilotprojekt zur Ressourcenschonung startet an der Justus-Liebig-Universität Gießen – Test des internationalen LEAF-Zertifikats

Die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) setzt auch in der Forschung ein klares Zeichen für
Nachhaltigkeit. Mit der Einführung der LEAF-Zertifizierung (Laboratory Efficiency Assessment
Framework) startet ein Pilotprojekt zur Ressourcenschonung in Forschungslaboren. Die
Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Hermann Wegner am Institut für Organische Chemie,
Fachbereich 08 – Biologie und Chemie, ist an der JLU die erste, die sich diesem international
etablierten Zertifizierungsprozess unterzieht. Der nachhaltige Laboralltag soll auch
Studierenden zugutekommen und verstärkt in die Lehre Eingang finden.

„Chemie bietet den Schlüssel, um viele Herausforderungen unserer Gesellschaft nachhaltiger
zu gestalten. Aber es sind nicht nur die Themen, die Nachhaltigkeit adressieren, auch die
Forschung selbst soll der Nachhaltigkeit verpflichtet sein“, betont Prof. Wegner: „Dies gilt
auch für die Lehre, insbesondere in unserem internationalen Masterstudiengang Sustainable
Chemistry. Deswegen werden wir unsere Forschungs- und Lehrlabore nach dem Laboratory
Efficiency Assessment Framework (LEAF) zertifizieren.“

Das LEAF-Programm wurde am University College London (UCL) entwickelt. Es unterstützt
Forschungslabore dabei, nachhaltige Arbeitsweisen zu implementieren. Hierzu kombiniert
das Programm strukturierte Maßnahmen mit digitalen Monitoring-Tools, um
Ressourcenverbräuche messbar zu machen und kontinuierliche Verbesserungen zu
ermöglichen. Die Optimierung erfolgt in zentralen Bereichen wie Abfall, energieeffiziente
Nutzung von Geräten, nachhaltiges Proben- und Chemikalienmanagement sowie Personal
und wird digital auf einer zentralen Plattform dokumentiert. Durch eine schrittweise
Einführung mit Bronze-, Silber- und Gold-Zertifizierungen können Labore individuell
nachhaltige Maßnahmen umsetzen und dokumentieren. Peer-Audits ermöglichen zudem den
wissenschaftlichen Austausch

„Mit dem Start des Pilotprojekts setzt die Arbeitsgruppe von Prof. Wegner einen wichtigen
Impuls für nachhaltige Labore an der JLU“, bekräftigt die Vizepräsidentin für Forschung und
Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, Prof. Dr. Wencke Gwozdz. Sie hofft, dass die
Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt als Grundlage dienen können, um die breitere
Implementierung der LEAF-Zertifizierung an der Universität voranzutreiben.

Interessierte Labore der JLU haben die Möglichkeit, sich kostenfrei am LEAF-Programm zu
beteiligen und nachhaltige Forschungspraktiken systematisch in ihre Arbeitsprozesse zu
integrieren. Die Gesamtkoordination für die Implementierung des LEAF-Programms an der JLU übernimmt das Büro für Nachhaltigkeit (BfN), das Forschungsgruppen bei der Einführung
und Administration unterstützt sowie die Organisation der Peer-Audits koordiniert.

Quelle: Justus-Liebig-Universität Gießen

Meilenstein für die medizinische Forschung in Gießen

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JLU und Universitätsklinikum Gießen führen weitgefasste Einwilligungserklärung für die datenschutzkonforme Nutzung von Patientendaten und Bioproben ein.

Mit einer einheitlichen und weit gefassten Einwilligungserklärung, dem sogenannten Broad Informed Consent (BIC), ermöglichen der Fachbereich 11 – Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und das Universitätsklinikum Gießen (UKGM) künftig eine standardisierte und datenschutzkonforme Nutzung von Patientendaten und Bioproben für medizinische Forschungszwecke. Mit dieser rechtssicheren Basis soll im gesamten Klinikum und in den kooperierenden Krankenhäusern die Vielzahl der bisherigen Einwilligungsmodelle abgelöst werden. Die Regelung erfüllt eine zentrale Zielsetzung der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Medizininformatik-Initiative (MII): Der BIC soll an allen deutschen Universitätskliniken etabliert werden, um wertvolle Patientendaten für wissenschaftliche Zwecke besser verfügbar zu machen und so neue Erkenntnisse für Diagnostik und Therapie zu gewinnen.

Medizininformatik-Initiative des Bundes – MIRACUM als Wegbereiter

„Die Einführung eines einheitlichen Broad Informed Consent stellt einen Quantensprung für die medizinische Forschung am Standort Gießen dar“, betont Prof. Dr. Prof. Till Acker, Standortleiter des Konsortiums MIRACUM (Medical Informatics in Research and Care in University Medicine) an der JLU. Prof. Dr. Kurt Marquardt, MIRACUM-Koordinator des UKGM, ergänzt: „Damit schaffen wir klare und gesetzeskonforme Rahmenbedingungen für den wissenschaftlichen Zugang zu Diagnostik- und Behandlungsdaten.“ Die Einführung des BIC unterstreicht die wichtige Rolle des Standorts Gießen im MIRACUM-Konsortium, das innovative Konzepte zur digitalen Vernetzung von Forschungs- und Versorgungsdaten entwickelt.

Biobanken als Schlüssel zum Erfolg

Neben der strukturierten und datenschutzkonformen Nutzung klinischer Daten sind in diesem Prozess auch Bioproben entscheidend, die eine immer wichtigere Rolle in der medizinischen Forschung spielen. Eine enge Zusammenarbeit mit den bestehenden Biobanken hat die Einbindung in den Prozess ermöglicht.

„Mit dem neuen Broad Informed Consent legen wir die Basis für eine moderne und zukunftsweisende Forschung mit Bioproben von Patientinnen und Patienten“, sind sich Dr. Clemens Ruppert, Leiter der UGMLC-Biobank des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL), und Prof. Dr. Andreas Günther, Leiter der Europäischen Biobank für Fibrosierende Lungenerkrankungen (eurILDbank), sicher. Gemeinsam brachten sie ihre langjährige Biobank-Expertise in die Entwicklung des BIC ein und stellten sicher, dass die bei der Etablierung dieser Biobanken erzielten Errungenschaften auch für den neuen Broad Informed Consent Gültigkeit besitzen.

Klare Rollenverteilung bei Verwaltung, Daten- und Bioprobenmanagement

Die Verwaltung der Einwilligungen, Patientendaten und Bioproben erfolgt künftig durch eine klare Aufgabenteilung: Eine neu eingerichtete Treuhandstelle verwaltet die Patienteneinwilligungen, das Datenintegrationszentrum Gießen die Patientendaten, und die FB11-Biobank des Fachbereichs Medizin der JLU koordiniert die Bioproben. Das Verfahren wurde vorab intensiv datenschutzrechtlich geprüft, um sicherzustellen, dass sensible Patientendaten jederzeit geschützt werden.

Unter dem Dach der FB11-Biobank werden ab sofort verschiedene spezialisierte Biobanken organisiert, darunter die UGMLC-Biobank für Lungenerkrankungen, die CCC-Biobank für Tumorerkrankungen, eine auf Herzerkrankungen spezialisierte Kardio-Biobank und die Neuro-Biobank für neurologische und neuroonkologische Erkrankungen. Die erfolgreiche Umsetzung dieser Strukturen ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit aller klinischen Vertreter. Auch in Zukunft wird diese enge Kooperation entscheidend sein, um die Biobanken weiter auszubauen und ihre nachhaltige Nutzung in der translationalen Forschung zu sichern.

„Die nunmehr standardisierte und am Klinikum einheitliche Einwilligung erleichtert Forschungsvorhaben erheblich und eröffnet neue Möglichkeiten für die Entwicklung innovativer Therapien“, erklärt Prof. Dr. Jürgen Lohmeyer, Dekan des Fachbereichs Medizin der JLU. Auch der Ärztliche Geschäftsführer des UKGM, Prof. Dr. Hossein-Ardeschir Ghofrani, hebt die Bedeutung hervor: „Ein effizienter Zugang zu Patientendaten und Bioproben unter höchsten Datenschutz- und Ethikstandards ist essenziell für die moderne Medizin und ermöglicht uns die Teilhabe an internationalen Entwicklungen, die derzeit hauptsächlich in den USA vorangetrieben werden.“

 

Weitere Informationen

https://diz.med.uni-giessen.de/ – Datenintegrationszentrum Gießen
https://diz.med.uni-giessen.de/datausage/patientInfo – Patienteninformation
https://www.uni-giessen.de/fb11biobank – Biobank des Fachbereichs 11 – Medizin der JLU

Quelle: Justus-Liebig-Universität Gießen

Neue Versorgungsform soll Behandlung von Herzinsuffizienz-Patienten bei chirurgischen Eingriffen entscheidend verbessern

Neue Versorgungsform soll Behandlung von Herzinsuffizienz-Patient:innen bei chirurgischen Eingriffen entscheidend verbessern. Studie zu potenziellem Modell für bundesweite Versorgung wird in Gießen koordiniert. / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/109212 / Foto: Christine Bode / Bildrechte: RHÖN-KLINIKUM AG

Ein innovativer Ansatz zur Optimierung der perioperativen Versorgung

Patienten mit Herzinsuffizienz stehen bei operativen Eingriffen vor besonderen Herausforderungen. Um ihre Behandlung nachhaltig zu verbessern, haben die Justus-Liebig-Universität Gießen und das Universitätsklinikum Gießen (UKGM) ein wegweisendes Versorgungskonzept entwickelt. Die innovative Herangehensweise soll das Risiko postoperativer Komplikationen senken und die Lebensqualität der Betroffenen steigern.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit für bessere Behandlungsergebnisse

Das neuartige Konzept basiert auf einer engen Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen – darunter Anästhesiologie, Kardiologie und Chirurgie – sowie niedergelassener Ärzte. Im Rahmen der multizentrischen Studie „Perioperative interdisziplinäre, intersektorale Prozess-Optimierung bei Herzinsuffizienz“ (PeriOP-CARE HF) wird das Modell an mehreren Standorten in Deutschland erprobt, darunter in Gießen, Berlin, Würzburg, Rostock und Hamburg. Ziel ist es, eine strukturierte, interdisziplinäre und personalisierte Betreuung vor, während und nach einem chirurgischen Eingriff sicherzustellen.

Neue Versorgungsform soll Behandlung von Herzinsuffizienz-Patient:innen bei chirurgischen Eingriffen entscheidend verbessern. Studie zu potenziellem Modell für bundesweite Versorgung wird in Gießen koordiniert. / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/109212 / Foto: Christine Bode / Bildrechte: RHÖN-KLINIKUM AG
Neue Versorgungsform soll Behandlung von Herzinsuffizienz-Patient:innen bei chirurgischen Eingriffen entscheidend verbessern. Studie zu potenziellem Modell für bundesweite Versorgung wird in Gießen koordiniert. / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/109212 / Foto: Christine Bode / Bildrechte: RHÖN-KLINIKUM AG

Gezielte Diagnostik zur Risikoerfassung

Herzinsuffizienz ist eine Erkrankung, die oft erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert wird. Vor allem ältere Patienten über 65 Jahre weisen häufig ein erhöhtes Risiko für postoperative Komplikationen auf. Ein Kernstück der neuen Versorgungsform ist daher die frühzeitige Identifikation gefährdeter Patient:innen anhand eines erhöhten NT-proBNP-Werts, einem Biomarker für Herzinsuffizienz. Anschließend erfolgt eine umfassende kardiale Risikoeinschätzung, die eine interdisziplinäre Abstimmung der optimalen Therapie im sogenannten Perioperativen Management-Board ermöglicht.

Modernes Monitoring und spezialisierte Nachsorge

Während der Operation kommt ein individualisiertes hämodynamisches Monitoring zum Einsatz, das eine frühzeitige Erkennung und Behandlung potenzieller Komplikationen erlaubt. Nach dem Eingriff werden die Patienten durch speziell geschulte Heart Failure Nurses betreut, die auch die ambulante Weiterbehandlung koordinieren. Diese strukturierte Nachsorge trägt maßgeblich dazu bei, postoperative Risiken zu minimieren und die Genesung zu optimieren.

Langfristige Übertragbarkeit und ökonomischer Nutzen

Ein weiteres Ziel der Studie ist die Implementierung der neuen Versorgungsform in die reguläre Gesundheitsversorgung. Durch die Zusammenarbeit mit der BARMER Krankenkasse wird eine gesundheitsökonomische Analyse durchgeführt, um den langfristigen Nutzen der verbesserten Koordination zwischen stationärer und ambulanter Versorgung zu bewerten. Erwartet wird nicht nur eine gesteigerte Lebensqualität der Patienten, sondern auch eine Reduzierung der Gesundheitskosten durch weniger Komplikationen und Krankenhauswiederaufnahmen.

Projektförderung und Laufzeit

Das Forschungsprojekt PeriOP-CARE HF wird durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) mit rund 4,5 Millionen Euro gefördert. Die Gesamtlaufzeit beträgt 36 Monate, mit einer geplanten Fertigstellung bis 2027.

Mit diesem zukunftsweisenden Ansatz könnte sich das Modell als Blaupause für die deutschlandweite Gesundheitsversorgung etablieren – ein bedeutender Schritt in der verbesserten Betreuung von Herzinsuffizienz-Patienten bei chirurgischen Eingriffen.

EU-Forschungsprojekt „Vigilant“: Neue Breitbandmedikamente gegen Viren

Kristallstruktur des aktiven Zentrums der humanen Virus-aktivierenden Wirtsprotease Furin im Komplex mit verschiedenen nichtpeptidischen Hemmstoffen, die im Arbeitskreis Steinmetzer synthetisiert wurden. Die Furinoberfläche ist entsprechend ihres elektrostatischen Potentials mit negativ geladenen Bereichen in rot, neutralen in weiß und positiv geladenen Regionen in blau dargestellt. Die Inhibitoren sind als unterschiedlich eingefärbte Stabmodelle gezeigt. Die Kristallstrukturen wurden durch Sven O. Dahms (Paris Lodron Universität Salzburg) bestimmt. Bild: Torsten Steinmetzer

Ein europäisches Forschungsteam arbeitet an der Entwicklung antiviraler Breitbandmedikamente, um künftige Pandemien effektiver zu bekämpfen. Mit Beteiligung der Philipps-Universität Marburg soll das Projekt dazu beitragen, virale Infektionen frühzeitig einzudämmen und den Schutz der Bevölkerung zu verbessern.

Ein innovativer Ansatz zur Pandemievorsorge

Pandemien stellen eine ernste Bedrohung für die globale Gesundheit und Wirtschaft dar. Während Impfstoffe eine essenzielle Rolle spielen, vergehen oft Monate bis zu ihrer Verfügbarkeit. Breitbandmedikamente könnten dagegen sofort eingesetzt werden und die Verbreitung neuer Viren frühzeitig verhindern. Anders als bei bakteriellen Infektionen, für die zahlreiche Antibiotika existieren, gibt es bislang kaum vergleichbare antivirale Mittel.

Hier setzt das von der EU geförderte Forschungsprojekt „Vigilant“ an, das unter der Leitung des Deutschen Primatenzentrums – Leibniz-Institut für Primatenforschung durchgeführt wird. Mit einer Fördersumme von 7,5 Millionen Euro über vier Jahre bringt das Projekt führende Forschende verschiedener Disziplinen zusammen. Die Philipps-Universität Marburg ist mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Prof. Dr. Eva Friebertshäuser vom Institut für Virologie und Prof. Dr. Torsten Steinmetzer vom Institut für Pharmazeutische Chemie vertreten. Ihr Teilprojekt erhält eine Förderung in Höhe von 2,05 Millionen Euro.

Prof. Dr. Eva Friebertshäuser. Foto: Rolf K. Wegst
Prof. Dr. Eva Friebertshäuser. Foto: Rolf K. Wegst

Herausforderung: Die nächste Viruswelle effektiv eindämmen

Die Erfahrungen mit COVID-19 haben verdeutlicht, wie entscheidend schnelle medizinische Reaktionen sind. Da herkömmliche antivirale Medikamente oft nur gegen spezifische Viren wirken, wird ein neuer Ansatz benötigt, der eine breitere Abdeckung bietet. Eine ideale Lösung wären Wirkstoffe, die bereits bei ersten Ausbrüchen eingesetzt werden können und sowohl vorbeugend als auch therapeutisch wirken.

Forschungsschwerpunkt: Hemmung viraler Hüllproteine

Das Ziel von „Vigilant“ ist die Entwicklung von Medikamenten, die eine breite antivirale Wirkung haben. Die Forschung konzentriert sich dabei auf virale Hüllproteine, die Viren für den Eintritt in Wirtszellen nutzen. Gelingt es, diesen Mechanismus zu blockieren, könnte die Ausbreitung des Virus im Körper gestoppt werden. Da viele Viren ähnliche Mechanismen verwenden, könnten diese Inhibitoren gegen eine Vielzahl von Erregern wirken.

Die entwickelten Substanzen werden zunächst in Zellkulturen getestet, anschließend erfolgen Versuche mit Mäusen, Frettchen und Affen, um die Wirksamkeit und Sicherheit weiter zu evaluieren. Ziel ist es, eine solide Grundlage für spätere klinische Studien zu schaffen.

Prof. Dr. Torsten Steinmetzer. Foto: Rolf K. Wegst
Prof. Dr. Torsten Steinmetzer. Foto: Rolf K. Wegst

Vorbereitung auf den medizinischen Einsatz

„Vigilant“ untersucht gezielt zelluläre Faktoren, die für die Aktivierung zahlreicher behüllter Viren essenziell sind. Dazu gehören bestimmte Proteasen wie Furin und Cathepsine sowie das Translokon Sec61. Die Forschenden entwickeln neue Wirkstoffe und optimieren bereits bekannte Substanzen, um ihre Sicherheit und Effektivität weiter zu verbessern. Mithilfe modernster Zell- und Tiermodelle werden sie auf ihre potenzielle Nutzung in der klinischen Praxis vorbereitet.

„Mit Vigilant schaffen wir die Grundlage für neue antivirale Medikamente, die künftige Pandemien effizienter eindämmen können“, erklärt Prof. Dr. Stefan Pöhlmann, der das Projekt koordiniert und die Abteilung Infektionsbiologie am Deutschen Primatenzentrum leitet.

Dieses Forschungsprojekt könnte eine entscheidende Lücke in der medizinischen Vorsorge schließen und dazu beitragen, die Welt besser auf künftige pandemische Bedrohungen vorzubereiten.

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Primatenzentrums Göttingen