Wie entwickelt sich der Life Science Standort Mittelhessen?

Der VDI Mittelhessen und das Regionalmanagement Mittelhessen laden am 20. März 2025 auf die High-Tech Messe W3+ Fair in Wetzlar ein. Diskutieren Sie mit, über die Bedeutung der Schlüsselbranche Life Science für den Standort.

Das vollständige Programm und Anmeldung finden Sie hier.

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Quelle: Thomas G. auf Pixabay
Plötzlich zählt jede Sekunde: Bei einem Herzstillstand ist eine schnelle Reanimation lebensrettend. Dazu gehört nicht nur die Herzdruckmassage, sondern auch die Atemspende durch Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung. Doch obwohl die Theorie vielen Menschen bekannt ist, wagen immer weniger Laien, diese in einer Notsituation anzuwenden – vor allem aufgrund von Infektionsängsten, die
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InnoHub bei den Behringswerke in Marburg. Quelle: Parmaserv
Pharmaserv plant ein neues Kapitel für den Berghof in Marbach: Am Standort Behringwerke entsteht ein Innovationszentrum für Unternehmen und Start-ups aus den Bereichen Biotechnologie und Life Sciences.
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Gießen, 5. November — Die Zukunft der Hochschulmedizin hängt entscheidend von talentierten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern ab. Dies unterstrich Dr. Lars Witteck, Präsident der Von Behring-Röntgen-Stiftung, bei der feierlichen Verleihung des diesjährigen Von Behring-Röntgen-Nachwuchspreises.
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Marburg, 14. Oktober 2024 – In Anwesenheit des hessischen Wissenschaftsministers Timon Gremmels wurde der Grundstein für das „Marburg Centre for Epidemic Preparedness“ (MCEP) gelegt. Das neue BSL-4-Labor der Philipps-Universität Marburg entsteht bis Ende 2026 auf dem Campus Lahnberge und soll die Forschung an hochpathogenen Viren sowie die Epidemieprävention stärken.
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Professor Dr. Matthias Lauth forscht am Marburger Zentrum für Tumor- und Immunbiologie und leitet die Forschungsarbeit des Konsortiums KFO325. Foto: Henrik Isenberg
Das Protein DYRK1B bietet einen neuartigen Ansatz zur Therapie von Bauchspeicheldrüsenkrebs. Das schlussfolgert eine Forschungsgruppe der Marburger Hochschulmedizin aus Laborexperimenten.
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Bildgebende Verfahren wie die Untersuchung des Gehirns mit MRT-Aufnahmen (hier in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Marburg) sind eine wichtige methodische Basis für die Erforschung affektiver Störungen. Foto: Frederike Stein
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat der Philipps-Universität Marburg die Einrichtung des neuen Sonderforschungsbereichs (SFB/TRR) 393 „Verlaufsformen affektiver Störungen“ sowie die Fortführung des SFB/TRR 289 „Treatment Expectations (Behandlungserwartungen)“ für eine zweite Förderperiode bewilligt.
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Wenn jede Sekunde zählt: Künstliche Beatmung für Laien möglich machen

Quelle: Thomas G. auf Pixabay

Plötzlich zählt jede Sekunde: Bei einem Herzstillstand ist eine schnelle Reanimation lebensrettend. Dazu gehört nicht nur die Herzdruckmassage, sondern auch die Atemspende durch Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung. Doch obwohl die Theorie vielen Menschen bekannt ist, wagen immer weniger Laien, diese in einer Notsituation anzuwenden – vor allem aufgrund von Infektionsängsten, die nicht zuletzt seit der Corona-Pandemie bestehen.

Ein Team unter Leitung der Thora Tech GmbH plant nun, diesen Umstand zu ändern: Gemeinsam mit dem Fachbereich Gesundheit der Technischen Hochschule Mittelhessen, dem Fachbereich Veterinärmedizin der Justus-Liebig-Universität Gießen  und der DRK Rettungsdienst Mittelhessen gGmbH wird ein Notbeatmungsgerät entwickelt, das speziell auf Laienanwendung ausgelegt ist. Die Technologie dahinter: Jetventilation. Die Vision: Das Gerät soll so intuitiv wie ein automatisierter Defibrillator (AED) eingesetzt werden können.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung mit 584.381 Euro gefördert und soll in den kommenden drei Jahren ein innovatives Notbeatmungsgerät hervorbringen. Ziel ist es, dieses künftig als Teil der Notfallausrüstung in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen, öffentlichen Institutionen, Schulen, Hochschulen, Vereinen, Firmen und anderen Orten zu etablieren.

„Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute, in der das Gehirn nicht mit Blut versorgt wird. Umso wichtiger ist es, dass bereits vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes mit der Reanimation begonnen wird“, erklärt Jan Orendt, Betriebsleiter des RDMH und Notfallsanitäter. „Pro Minute ohne Maßnahmen sinkt die Überlebenschance um zehn Prozent.“

Auch die Corona-Pandemie hat verdeutlicht, dass es nicht nur um eine Atemspende im Falle eines Atemstillstands geht, sondern auch um eine mögliche Atemunterstützung bei akuter Atemnot. Menschen in einer solchen Lage brauchen schnelle, unkomplizierte Hilfe – Hilfe, die auch von Laien geleistet werden kann und flächendeckend zur Verfügung steht.

Quelle: Thomas G. auf Pixabay
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Das neue Notbeatmungsgerät soll daher besonders einfach und sicher in der Anwendung sein. Es wird mit einer Sauerstoffflasche ausgestattet und soll durch Sensoren selbstständig die benötigte Sauerstoffkonzentration ermitteln. Dazu werden kontinuierlich die CO2- und O2-Werte in der Atemluft gemessen. Ein großer Akku sorgt dafür, dass das Gerät jederzeit einsatzbereit ist.

Fatih Yüksel, Geschäftsführer der Thora Tech GmbH, erläutert den Unterschied zur herkömmlichen Beatmung: „Normale Beatmungsgeräte pumpen in einem ersten Schritt Sauerstoff in den Körper und entfernen in einem zweiten Schritt Kohlenstoffdioxid. Bei der Jetventilation hingegen wird Luft kontinuierlich in den Körper hinein- und herausgepumpt. So bleibt der Brustkorb auf einer stabilen Linie.“ Gerade bei Verletzungen des Oberkörpers sei dies von Vorteil, ebenso bei bildgebenden Verfahren wie der Computertomographie.

Zusammenarbeit für eine sichere Entwicklung

Die Realisierung dieser komplexen Anforderungen setzt eine enge Zusammenarbeit der Projektpartner voraus. Die Thora Tech GmbH ist für die technische Umsetzung und die Integration der Sensorik verantwortlich. Die Klinik für Kleintiere am Fachbereich Veterinärmedizin der JLU wird das Gerät in Computersimulationen testen, um die optimale Bauweise und die Parameter zu ermitteln. Der DRK Rettungsdienst Mittelhessen steuert Erfahrungen aus der Praxis bei und wird das Gerät im eigenen Simulationszentrum in Marburg testen. Die THM wird die speziellen Anforderungen der Zielgruppen untersuchen und die Ergebnisse an die Entwickler weitergeben.

Das gemeinsame Ziel ist klar: Ein Notbeatmungsgerät zu entwickeln, das nicht nur technisch einwandfrei funktioniert, sondern auch von Menschen ohne medizinische Vorbildung problemlos verwendet werden kann. So sollen in Zukunft nicht nur Herzen, sondern auch Lungen in lebensbedrohlichen Situationen schneller und sicherer versorgt werden können.

Der neue Berghof am Pharmapark Behringwerke

InnoHub bei den Behringswerke in Marburg. Quelle: Parmaserv

Pharmaserv plant ein neues Kapitel für den Berghof in Marbach: Am Standort Behringwerke entsteht ein Innovationszentrum für Unternehmen und Start-ups aus den Bereichen Biotechnologie und Life Sciences.

Leerstand wird zur Chance für Innovation

Die Gebäude am Berghof im Marburger Stadtteil Marbach sind vielen durch ihren Leerstand bekannt – doch das soll sich ändern. Letzten Donnerstag präsentierte Pharmaserv, Betreiberin des Pharmaparks, zusammen mit Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, den Ortsbeiräten von Marbach ihre ambitionierten Pläne: „Wir wollen das Areal zukunftsorientiert weiterentwickeln und Raum für Innovationen schaffen“, erklärte Dr. Martin Egger, Geschäftsführer der Infrareal Holding und Pharmaserv.

Infoabend
Quelle: Pharmaserv

Flexibel mietbare Labore und Büros

Die Umgestaltung des Berghof-Geländes ist das Ergebnis monatelanger Abstimmungen mit der Stadt Marburg. Geplant ist der Rückbau mehrerer Gebäude, darunter das ehemalige Hörsaalgebäude, um Platz für einen Neubau zu schaffen: Ein Innovation Hub mit rund 11.500 Quadratmetern Fläche.

In diesem Zentrum können Start-ups und Unternehmen aus der Biotech- und Life-Science-Branche flexibel Labore ab 74 Quadratmetern oder größere Exklusiveinheiten bis zu 908 Quadratmetern anmieten. Ergänzend stehen Büros und Lagerflächen zur Verfügung. „Hier können Unternehmen unabhängig forschen und zugleich vom direkten Kontakt mit den Standortunternehmen profitieren – etwa durch Events, Konferenzen und Mentorenprogramme“, so Egger.

Mixed Use Building: Mehr als nur Arbeitsräume

Ein zweites Gebäude wird als Mixed Use Building gestaltet, mit Co-Working-Spaces, Konferenzräumen sowie gastronomischen Angeboten wie Cafés und Restaurants. „Diese beiden Gebäude sind ein wichtiger Schritt in die Zukunft unseres Pharmaparks – und in die Zukunft der Stadt“, betonte Egger. Oberbürgermeister Dr. Spies ergänzte: „Mit diesem Projekt stärkt die Pharmaserv die Forschung und Entwicklung in Marburg. Wir sind begeistert von der guten Zusammenarbeit und den innovativen Plänen.“

InnoHub bei den Behringswerke in Marburg. Quelle: Parmaserv
Quelle Pharmaserv

Dynamisches Ökosystem für die Biotechnologie

Das Projekt verfolgt einen klaren Fokus: Vernetzung und Kooperation. „Unsere neuen Mieter erhalten Zugang zu hochwertigen Räumlichkeiten und direkten Kontakt zu renommierten Pharmaunternehmen am Standort“, sagte Johannes Franz, Projektverantwortlicher bei Pharmaserv. Ziel ist ein dynamisches Ökosystem, das Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Netzwerken verbindet und Synergien schafft.

Zeitplan: Start 2025, Fertigstellung 2026

Der Baustart am Berghof ist für Anfang 2025 geplant, die Gebäude sollen bis Ende 2026 bezugsfertig sein. Dieses Vorhaben markiert einen wichtigen Meilenstein für den Pharmapark Behringwerke – und für die Zukunft der Innovationslandschaft in Marburg.

Auszeichnung herausragender Medizinforschung und ehrenamtliche Verdienste: Von Behring-Röntgen-Nachwuchspreise und Ehrenplakette verliehen

Quelle: Michael Jamoluk auf Pixabay

Herausragende Forschungen ausgezeichnet: Verleihung des Von Behring-Röntgen-Nachwuchspreises und der Ehrenplakette

Gießen, 5. November 2024 — Die Zukunft der Hochschulmedizin hängt entscheidend von talentierten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern ab. Dies unterstrich Dr. Lars Witteck, Präsident der Von Behring-Röntgen-Stiftung, bei der feierlichen Verleihung des diesjährigen Von Behring-Röntgen-Nachwuchspreises. „Hochschulmedizin lebt von mutigen Innovationen, und die Nachwuchsförderung ist unser Weg, diesen Fortschritt sicherzustellen“, so Witteck. Die Stiftung möchte mit den Nachwuchspreisen junge Forschende ermutigen, ihre wegweisenden Projekte fortzusetzen, die weit über die Region Mittelhessen hinausstrahlen.

Forschung zu Glutenunverträglichkeit und neuen Therapieansätzen
Dr. Sebastian Stricker  (32) wurde für seine herausragende Arbeit zur Rolle des Enzyms Transglutaminase im menschlichen Darm ausgezeichnet. Seine Forschung zielt darauf ab, neue Behandlungsmöglichkeiten für Zöliakie zu entwickeln und so die Lebensqualität Betroffener weltweit zu verbessern. Der Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität Gießen promovierte mit „summa cum laude“ und veröffentlichte bahnbrechende Arbeiten zum Einfluss von Transglutaminasen auf den Transport des Weizenproteins Gliadin, das bei Menschen mit Glutenunverträglichkeit Entzündungen verursacht. Stricker untersucht außerdem spezielle Hemmstoffe, die das Enzym blockieren und somit als vielversprechende Therapieansätze dienen könnten.

Kampf gegen das Ebola-Virus: Neue Wege in der Virologie
Die 34-jährige Virologin Dr. Anke Werner von der Philipps-Universität Marburg erhielt den Nachwuchspreis für ihre Forschung zur Bekämpfung des Ebola-Virus. Ihre Arbeiten fokussieren sich auf das Matrixprotein VP40, das bei der Virusbildung eine zentrale Rolle spielt. Die Ergebnisse ihrer Forschung könnten zur Entwicklung wirksamer Medikamente gegen das Virus beitragen und damit die Überlebenschancen von Infizierten erhöhen. Damit leistet Dr. Werner einen bedeutenden Beitrag zur globalen Gesundheitsforschung.

Quelle: Michael Jamoluk auf Pixabay
Quelle: Michael Jamoluk auf Pixabay

Transdiagnostische Ansätze in der Psychiatrie und Psychotherapie
Die Psychiaterin Dr. Frederike Stein (31) aus Marburg stellte in ihrer Forschung heraus, dass verschiedene psychische Erkrankungen wie Depression, Schizophrenie und bipolare Störungen häufig ähnliche Mechanismen im Gehirn aufweisen. Diese Erkenntnis könnte eine einheitliche Behandlungsstrategie für verschiedene Störungsbilder ermöglichen. In ihren MRT-Studien entdeckte sie spezifische Gehirnveränderungen im Hippocampus, die unter anderem für Gedächtnis und Emotionen zuständig sind. Diese Forschung trägt zur Entwicklung gezielterer Diagnose- und Behandlungsansätze bei.

Von Behring-Röntgen-Ehrenplakette für Prof. Dr. Helmut Acker
In Anerkennung seines langjährigen Engagements als Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats wurde Prof. Dr. Helmut Acker die Von Behring-Röntgen-Ehrenplakette verliehen. Staatsminister Timon Gremmels überreichte die Auszeichnung und hob Ackers unverzichtbare Beiträge zur Entwicklung der Stiftung hervor, die er seit 2007 unterstützt. Prof. Acker ist der fünfte Träger der Ehrenplakette, die 2021 eingeführt wurde.

„Die Von Behring-Röntgen-Stiftung ist ein Leuchtturm unter den hessischen Stiftungen“, erklärte Wissenschaftsminister Gremmels. „Die heute gewürdigten Arbeiten zeugen von Mut, Kreativität und Engagement – allesamt Qualitäten, die notwendig sind, um die Herausforderungen der Medizin zu bewältigen und das Leben vieler Menschen zu verbessern. Prof. Ackers Verdienste um die Stiftung und die Hochschulmedizin verdienen höchsten Respekt.“

Über die Von Behring-Röntgen-Stiftung
Die Stiftung wurde 2006 zur Förderung der Hochschulmedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Philipps-Universität Marburg gegründet. Sie entstand infolge der Fusion und Privatisierung der beiden Universitätskliniken und setzt sich seitdem für die Spitzenforschung in der Region ein. Unter der Leitung von Dr. Lars Witteck und unterstützt von Prof. Dr. Gabriele Krombach und Prof. Dr. Roland Lill fördert die Stiftung kontinuierlich innovative Projekte an beiden Universitäten.

Die Von Behring-Röntgen-Stiftung bleibt damit ein Eckpfeiler für die Förderung exzellenter Forschung und Nachwuchsarbeit in der Hochschulmedizin.

Ein neues Hochsicherheitslabor für die Marburger Virologie

Quelle: Fernando Zhiminaicela auf Pixabay

Marburg, 14. Oktober 2024 – Mit der feierlichen Grundsteinlegung im Beisein des hessischen Wissenschaftsministers Timon Gremmels startet die Philipps-Universität Marburg den Bau des „Marburg Centre for Epidemic Preparedness“ (MCEP). Die hochmoderne Forschungseinrichtung mit einem BSL-4-Labor der höchsten Sicherheitsstufe soll die Erforschung und Prävention epidemischer Bedrohungen stärken und wird direkt neben dem bestehenden Labor auf dem Campus Lahnberge entstehen. Die Fertigstellung ist für Ende 2026 geplant.

Der Wissenschaftsrat empfahl den Bau bereits 2021, und der Bund sowie das Land Hessen fördern das Projekt mit insgesamt 46 Millionen Euro. Weitere 4,6 Millionen Euro fließen in die Ausstattung und Großgeräte. „Globale Gesundheitskrisen fordern uns wie nie zuvor. Die Forschung zu Epidemien und deren Prävention ist von zentraler Bedeutung,“ betonte Minister Gremmels bei der Grundsteinlegung. „Das Marburg Centre for Epidemic Preparedness wird innovative wissenschaftliche Lösungen entwickeln, die uns auf künftige Epidemien vorbereiten. Mit diesem Bauprojekt schaffen wir den dringend benötigten Raum für exzellente Forschung.“

Der Präsident der Universität Marburg, Prof. Dr. Thomas Nauss, dankte den Förderern und verwies auf die lange Tradition Marburgs in der Forschung hochpathogener Viren. „Diese Unterstützung ermöglicht es der Marburger Virologie, weiterhin auf höchstem Niveau zur Bewältigung epidemischer Krisen beizutragen.“

Das neue MCEP-Laborgebäude wird 400 Quadratmeter Laborfläche umfassen, hinzu kommen umfangreiche Anlagen für die technische Infrastruktur. Geplant ist eine „Haus im Haus“-Bauweise, die eine maximale Sicherheit für Forschende und Umwelt gewährleistet. Etwa 70 Prozent der Baukosten fließen in die aufwendige Sicherheitstechnik, darunter Photovoltaikanlagen, die das Gebäude umweltfreundlich mit Strom versorgen. Die Forschenden arbeiten im Containment-Bereich unter Vollschutz mit extern belüfteten Sicherheitsanzügen und maximalem Schutz vor Infektionen.

Quelle: Fernando Zhiminaicela auf Pixabay
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„Die neuen Räume und die fortschrittliche Ausstattung bieten die Grundlage für unsere zukünftige Forschung“, erklärte Prof. Dr. Stephan Becker, Leiter des Marburger Instituts für Virologie. „So können wir auch künftig auf dem neuesten Stand an epidemischen und pandemischen Viren forschen und unsere Gesellschaft besser auf gesundheitliche Notlagen vorbereiten.“

Der Entwurf stammt vom Stuttgarter Büro HWP Planungsgesellschaft, die Projektleitung übernimmt der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH). Nach Fertigstellung des Neubaus wird das bisherige BSL-4-Labor modernisiert und bleibt für die Forschung an hochpathogenen Viren in Betrieb.

Hintergrund: Marburg und die Forschung an hochpathogenen Viren

Die Erforschung hochpathogener Viren hat in Marburg eine lange Tradition. Ein schwerwiegender Ausbruch des Marburg-Virus im Jahr 1967 legte den Grundstein für die Entwicklung eines Forschungszentrums an der Universität. Seither wurde die Forschung kontinuierlich ausgebaut, um Viren mit pandemischem Potenzial wie Ebola, SARS oder Zika in speziell gesicherten Laboren zu untersuchen. Das Marburger BSL-4-Labor ist eines von nur vier Einrichtungen dieser Sicherheitsstufe in Deutschland und das einzige, das von einer Universität betrieben wird.

DYRK1B schützt Krebs vor Fresszellen

Professor Dr. Matthias Lauth forscht am Marburger Zentrum für Tumor- und Immunbiologie und leitet die Forschungsarbeit des Konsortiums KFO325. Foto: Henrik Isenberg

Klinische Forschungsgruppe der Philipps-Universität Marburg präsentiert neuen Angriffspunkt gegen Bauchspeicheldrüsentumor

Das Protein DYRK1B bietet einen neuartigen Ansatz zur Therapie von Bauchspeicheldrüsenkrebs. Das schlussfolgert eine Forschungsgruppe der Marburger Hochschulmedizin aus Laborexperimenten. Wie das Team im gastroenterologischen Fachblatt „Gut“ (englisch für „Darm“) schreibt, vermindert sich das Tumorwachstum, wenn man DYRK1B ausschaltet.

Obwohl Bauchspeicheldrüsenkrebs intensiv erforscht wird, gibt es bis heute nur geringe Heilungschancen. „Die Klinische Forschungsgruppe 325 in Marburg verfolgt das Ziel, neue Methoden zur Behandlung der Krankheit zu entwickeln“, sagt Professor Dr. Matthias Lauth vom Marburger Zentrum für Tumor- und Immunbiologie, der die Forschungsarbeit des Konsortiums leitet und als einer der Leitautoren der aktuellen Studie firmiert.

Professor Dr. Matthias Lauth forscht am Marburger Zentrum für Tumor- und Immunbiologie und leitet die Forschungsarbeit des Konsortiums KFO325. Foto: Henrik Isenberg
Professor Dr. Matthias Lauth forscht am Marburger Zentrum für Tumor- und Immunbiologie und leitet die Forschungsarbeit des Konsortiums KFO325. Foto: Henrik Isenberg

„DYRK-Proteine gehören zu einer Molekülgruppe, die bislang wenig untersucht wurde, obwohl ihr wichtige Funktionen zugeschrieben werden“, führt Lauth aus. Eines dieser Proteine steht im Fokus der aktuellen Studie: DYRK1B wird überwiegend von Krebszellen der Bauchspeicheldrüse gebildet. Wie das Forschungsteam feststellte, schützt DYRK1B Krebszellen vor Angriffen durch Fresszellen des Immunsystems. „Solche Krebszellen verfügen auf der Oberfläche über ein Protein, dass gegenüber Fresszellen als ‚Friss mich nicht‘-Signal fungiert“, legt Lauth dar. „Schaltet man DYRK1B aus, so zieht dies Fresszellen an“, berichtet Mitverfasserin Dr. Anna Brichkina, die eine Nachwuchsgruppe am Marburger Zentrum für Tumor- und Immunbiologie leitet. „Außerdem verschwindet das ‚Friss mich nicht‘-Signal, so dass Tumorzellen vermehrt eliminiert werden.“

An der Arbeit beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Dr. Anna Brichkina (vorne links), Miriam Ems (vorne rechts), Roman Suezov (hinten links), Prof. Matthias Lauth (hinten rechts). Foto: Nico Visestamkul
An der Arbeit beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Dr. Anna Brichkina (vorne links), Miriam Ems (vorne rechts), Roman Suezov (hinten links), Prof. Matthias Lauth (hinten rechts). Foto: Nico Visestamkul

Wie diese Resultate in eine neuartige Krebsbehandlung münden könnten, erprobte das Team in Tierversuchen an Mäusen: Kombiniert man eine herkömmliche Krebstherapie mit einer Verabreichung eines Hemmstoffs gegen DYRK1B, so stoppt dies das Tumorwachstum und führt zu längerem Überleben. „Da sich kleine DYRK1-Hemmstoffe derzeit in der klinischen Erprobung befinden, könnten sich unsere Erkenntnisse rascher in der klinischen Praxis umsetzen lassen als üblich“, hofft Lauth.

Professor Dr. Matthias Lauth forscht am Marburger Zentrum für Tumor- und Immunbiologie und koordiniert das Forschungskonsortium KFO325. Neben Lauth und Brichkina sowie ihren Arbeitsgruppen beteiligten sich zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Marburger Hochschulmedizin an der Studie, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziell gefördert wird.

Zukunftsweisende medizinische und psychologische Forschung für die Menschen

Bildgebende Verfahren wie die Untersuchung des Gehirns mit MRT-Aufnahmen (hier in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Marburg) sind eine wichtige methodische Basis für die Erforschung affektiver Störungen. Foto: Frederike Stein

Zukunftsweisende Forschung in Medizin und Psychologie: Philipps-Universität Marburg erhält Förderung für Sonderforschungsbereiche

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat der Philipps-Universität Marburg die Einrichtung des neuen Sonderforschungsbereichs (SFB/TRR) 393 „Verlaufsformen affektiver Störungen“ sowie die Fortführung des SFB/TRR 289 „Treatment Expectations (Behandlungserwartungen)“ für eine zweite Förderperiode bewilligt. Diese Entscheidung unterstreicht die Innovationskraft der Marburger Medizin und Psychologie, so Professor Dr. Thomas Nauss, Präsident der Philipps-Universität Marburg. Beide Vorhaben kombinieren essentielle Grundlagenforschung mit klinischer Anwendung zur Verbesserung der Prävention und Behandlung von Volkskrankheiten.

Sonderforschungsbereiche sind langfristige Forschungseinrichtungen, die Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Disziplinen zusammenbringen, um anspruchsvolle Forschungsprojekte zu koordinieren. Dies trägt zur institutionellen Entwicklung und Schwerpunktsetzung an den Hochschulen bei.

Bildgebende Verfahren wie die Untersuchung des Gehirns mit MRT-Aufnahmen (hier in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Marburg) sind eine wichtige methodische Basis für die Erforschung affektiver Störungen. Foto: Frederike Stein
Bildgebende Verfahren wie die Untersuchung des Gehirns mit MRT-Aufnahmen (hier in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Marburg) sind eine wichtige methodische Basis für die Erforschung affektiver Störungen. Foto: Frederike Stein

Verständnis und Behandlung von Depressionen verbessern

Im Rahmen des SFB/TRR 393, geleitet von der Philipps-Universität Marburg in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dresden und der Universität Münster, wird die DFG das Projekt in den nächsten vier Jahren mit etwa 15 Millionen Euro fördern. Der Sprecher des SFB/TRR 393, Professor Dr. Tilo Kircher, erläutert, dass das Ziel der Forschungsinitiative darin besteht, die Mechanismen von Rückfällen und Veränderungen der Symptome bei Depressionen und bipolaren Störungen besser zu verstehen. Hierbei werden Mobiltelefondaten sowie biologische und klinische Parameter einer großen Patientenkohorte kontinuierlich erfasst und mit modernen Analysemethoden, wie maschinellem Lernen, ausgewertet. Ein präziseres Verständnis der Krankheitsverläufe soll zu effektiveren Therapieansätzen führen.

Die gesellschaftliche Relevanz affektiver Störungen wie Depression und bipolare Störung nimmt stetig zu. Diese Erkrankungen treten meist im Alter zwischen 16 und 30 Jahren auf und können die Lebensqualität der Betroffenen über Jahrzehnte erheblich beeinträchtigen.

Professor Dr. Tilo Kircher ist Sprecher des neuen Sonderforschungsbereichs 393 „Verlaufsformen affektiver Störungen“ und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Philipps-Universität Marburg. Foto: Markus Farnung
Professor Dr. Tilo Kircher ist Sprecher des neuen Sonderforschungsbereichs 393 „Verlaufsformen affektiver Störungen“ und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Philipps-Universität Marburg. Foto: Markus Farnung

Dem Placeboeffekt auf der Spur: Wie die Patientenerwartung den Behandlungserfolg beeinflusst

Welche Auswirkungen haben positive und negative Erwartungen von Patient*innen auf den Krankheitsverlauf und Behandlungserfolg? Diese Frage untersucht ein interdisziplinäres Team aus 26 Wissenschaftler*innen der Universitäten Essen, Marburg, Hamburg und Berlin im überregionalen SFB/TRR 289 „Treatment Expectations“, der in der zweiten Förderperiode rund 15 Millionen Euro Fördermittel der DFG erhalten hat. Ziel ist die Übertragung der gewonnenen Erkenntnisse in die klinische Praxis, insbesondere die systematische Nutzung von Erwartungseffekten im Alltag.

„Die Kooperation von Grundlagenforschung und Klinik hat sich als sehr erfolgreich erwiesen“, betont Co-Sprecher Prof. Dr. Winfried Rief. Der SFB/TRR 289 nutzt umfangreiche Daten aus der ersten Förderperiode, um ein tiefgreifendes Verständnis der Mechanismen und eine personalisierte Nutzung von Erwartungseffekten zu entwickeln. „In der 2. Förderphase konzentrieren wir uns auf die dynamische Veränderung von Behandlungserwartungen und erweitern die Modellsysteme über Schmerz und Depression hinaus auf andere physiologische Systeme, wie das Immunsystem“, erklärt Sprecherin Prof. Dr. Ulrike Bingel von der Universität Essen.

Porträt Prof. Dr. Winfried Rief, Co-Sprecher des Sonderforschungsbereichs 289 „Treatment Expectations“. Foto: Christian Stein
Porträt Prof. Dr. Winfried Rief, Co-Sprecher des Sonderforschungsbereichs 289 „Treatment Expectations“. Foto: Christian Stein

In der ersten Förderphase wurden wichtige Erkenntnisse zu Erwartungseffekten in der Behandlung von Schmerz- und Depressionskrankheiten gewonnen. Die Forscher*innen haben auch auf die Herausforderungen der COVID-19-Pandemie reagiert und Konzepte zur Überwindung von Impfängsten entwickelt. In der zweiten Förderperiode sollen die Anwendungsgebiete auf gesundheitsökonomisch relevante Bereiche wie Allergien und Hauterkrankungen ausgeweitet werden. Ein weiterer Fokus liegt auf der Behandler-Patient*innen-Beziehung und deren sprachlicher Interaktion. Zudem wird ein Patient Advisory Board eingerichtet, um die Forschung durch die Perspektive der Patient*innen zu bereichern.