Wie entwickelt sich der Life Science Standort Mittelhessen?

Der VDI Mittelhessen und das Regionalmanagement Mittelhessen laden am 20. März 2025 auf die High-Tech Messe W3+ Fair in Wetzlar ein. Diskutieren Sie mit, über die Bedeutung der Schlüsselbranche Life Science für den Standort.

Das vollständige Programm und Anmeldung finden Sie hier.

Healthcare-Storys
Gefriertrocknungsanlage in horizontaler Bauform für die Herstellung pharmazeutischer Arzneimittel (Foto: HOF Sonderanlagenbau GmbH).
Impfstoffe, Antibiotika, Hormone und Proteine legen einen langen Weg zurück, von der Herstellung bis zum Patienten. Mittels Gefriertrocknung behalten Medikamente ihre volle Wirksamkeit.
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Druid Center Uni Gießen
Immer mehr Menschen sind von vernachlässigten Tropenkrankheiten (NTDs) betroffen. Daher erkennen jetzt viele Länder, wie wichtig es ist gegen NTDs zu kämpfen. Auch Hessen leistet seinen Beitrag dazu. Erfahren Sie, wie im LOEWE-Zentrum DRUID der Kampf gegen die NTDs bestritten wird.
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Studium 4.0: Medizinwirtschaft trifft Digitalisierung
In der Medizin und Pflege wird Nachwuchs händeringend gesucht. Auch Mittelhessen bietet vielversprechende und zukunftsorientierte Karrierechancen im Bereich Gesundheitswirtschaft. Doch welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?
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Landarzt
Immer mehr Ärzte verschwinden aus den ländlichen Gebieten, da sie in Rente gehen und es den Nachwuchs in die Stadt zieht – so auch im Mittelhessen. Der kaufmännische Leiter des Landarztnetz Lahn-Dill erklärt, welche neuen Wege sie gehen, um die medizinische Versorgung auf dem Land zu sichern.
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Virtuelle Realität hilft Chirurgen während einer Operation
In der Gaming-Szene ist Virtual Reality längst etabliert. Die Technologie revolutioniert aber auch die Ausbildung von Medizinern. Ärzte trainieren an virtuellen Patienten neue Behandlungstechniken und bereiten sich auf operative Eingriffe vor – von der Zahn-OP bis zur Organtransplantation.
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Viele ältere Menschen sind auf Pflegedienstleister angewiesen. Bei 1A Care finden sie den für sie passenden Dienst.
Immer mehr Menschen sind auf der Suche nach Pflegedienstleistungen und -hilfsmitteln. Hierbei verlieren sie jedoch oft viel wertvolle und wichtige Zeit – welche sie eher für die pflegebedürftigen Personen gebrauchen könnten. Ein Unternehmen aus Mittelhessen will das jetzt ändern.
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Pioniere der Gefriertrocknung: Die HOF Sonderanlagenbau GmbH

Gefriertrocknungsanlage in horizontaler Bauform für die Herstellung pharmazeutischer Arzneimittel (Foto: HOF Sonderanlagenbau GmbH).

Impfstoffe, Antibiotika, Hormone und Proteine legen einen langen Weg zurück, von der Herstellung bis zum Patienten. Mittels Gefriertrocknung gut verpackt, behalten beispielsweise Medikamente dabei ihre volle Wirksamkeit. Die Firma HOF Sonderanlagenbau GmbH entwickelt und installiert Gefriertrocknungsanlagen in der ganzen Welt – und bietet für jede neue Entwicklungen in der Pharmaindustrie die passende Lösung.

Gefriertrocknungsanlage in horizontaler Bauform für die Herstellung pharmazeutischer Arzneimittel (Foto: HOF Sonderanlagenbau GmbH).
Gefriertrocknungsanlage in horizontaler Bauform für die Herstellung pharmazeutischer Arzneimittel (Foto: HOF Sonderanlagenbau GmbH).

Schon die Inkas nutzen die Gefriertrocknung: Bei niedrigem Luftdruck und steigenden Temperaturen verwandelten sie in den Höhenlagen der Anden Eis direkt zu Wasserdampf. Was damals auf natürlichem Weg stattfand, erzeugen Ingenieure heute ganz gezielt in modernen Gefriertrocknungsanlagen. Damit konservieren sie empfindliche Produkte wie Impfstoffe oder Medikamente. Mittels Stickstoff oder Kältetechnik friert man die jeweilige Substanz ein. Anschließend wird ihr im Vakuum das Wasser entzogen. So werden Impfstoffe, Antibiotika oder Hormone jahrelang haltbar und sind auf Abruf verfügbar.

Medikamente konservieren – Patienten weltweit versorgen

Für die Pharmaindustrie ist die Gefriertrocknung unverzichtbar: etwa 45 Prozent aller pharmazeutischen Produkte werden so konserviert. „Die Gefriertrocknung ermöglicht es, sensible pharmazeutische Produkte über eine längere Logistikkette hinweg und über Apothekennetzwerke zu vertreiben und in Kliniken einzusetzen,“ erklärt Dr. Alexander Hof, Mitglied der Geschäftsführung der HOF Sonderanlagenbau GmbH – einem der führenden Anbieter von Gefriertrocknungsanlagen für die Pharmaindustrie. Um die lange Haltbarkeit und Wirksamkeit zu gewährleisten, wird jeder Schritt des Gefriertrocknungsprozesses elektronisch erfasst. „Die Temperatursensoren und Automatisierungskonzepte unserer Anlagen ermöglichen eine hohe Traceability und sammeln Informationen wie Prozessberichte und Temperaturverläufe,“ sagt Hof. Die gesammelten Daten werden in ein übergeordnetes System übertragen.

Die eigens entwickelte Software von HOF macht die Prozess-Steuerung der Anlagen besonders bedienerfreundlich. Betreiber der Anlagen haben so jederzeit alle Funktionen und Parameter im Überblick und können Unregelmäßigkeiten sofort identifizieren. Zu den HOF-Anlagen gehört auch ein Visualisierungssystem zum Erstellen von produktspezifischen Temperaturprofilen, Anlagenvisualisierungen und chargenorientierter Dokumentation von Prozessverläufen.

Alexander Hof, Mitglied der Geschäftsführung der HOF Sonderanlagenbau GmbH
Alexander Hof
Mitglied der Geschäftsführung der HOF Sonderanlagenbau GmbH

Sicher verpacktes Blut auf Abruf

Das Unternehmen entwickelt unteren anderem auch Anlagen um Blut- und Blutplasmakonserven einzufrieren. Auch dabei ist Rückverfolgbarkeit unabdingbar – und die Produktionsbedingungen sind exakt vorgeschrieben: So muss etwa die Kerntemperatur eines Beutels nach 45 Minuten Kühlzeit -30°C betragen. Auch in diesem Bereich ist das Unternehmen Marktführer: „In Deutschland werden fast 100 Prozent aller Blutspenden beim Deutschen Roten Kreuz mit Einfriergeräten von HOF Sonderanlagenbau haltbar gemacht,“ sagt Alexander Hof. Dabei hat jeder Produktbeutel zu jeder Zeit die gleichen Einfrierbedingungen und am Ende die gleiche Form. So lässt sich auf der planen Oberfläche des Plasma-Beutels, beispielweise ein Barcode maschinell lesen. Und auch „die zuverlässige Dokumentation von Temperatur und Zeit ist dabei selbstverständlich für uns.“ Auch die Energieeffizienz seiner Anlagen hat der Experte für Gefriertrocknungs-Technologie im Blick: „Unsere Einfriergeräte arbeiten energiesparend mit indirekter Kühlung und verbrauchen zum Beispiel im Stillstand keine Energie.“

Pioniere der Gefriertrocknung

Als Grundlage der heutigen Gefriertrocknungstechnologie gilt die Erfindung der mechanischen Vakuumpumpe 1649 durch Otto von Guericke. Über 200 Jahre später, im Jahr 1890, setzte Richard Altmann sie erstmals an der Universität Leipzig zur Trocknung und Konservierung histologischer Präparate ein. 1909 wurde dann von L. F. Shackell erstmals die Vakuumgefriertrocknung von Blutprodukten beschrieben.

Qualität und Service rund um den Globus

Aber jede neue Entwicklung der Pharmaindustrie stellt auch eine Herausforderung für die Ingenieure dar. Denn Wirkstoffe sind meist teuer in der Herstellung und oftmals hochaktiv. Das richtige Handling erfordert deshalb umfassendes Know-How, denn: „Fehlerhafte Behälter oder Anlagenstörungen können zu Produktionsausfällen führen und damit hohe Kosten und sogar Gesundheitsrisiken verursachen“, erklärt Hof. Aber er und seine Gefriertrocknungs-Experten aus Mittelhessen finden immer die passende Lösung: „Der Trend geht aktuell zu kleineren Anlagen. Die verringerte Aufstellfläche minimiert beispielsweise den Schaden bei Produktionsausfällen.“ Außerdem lassen sich so auch kleinere Medikamentenchargen sehr kosteneffizient produzieren, so dass man Medikamente optimal an individuelle Zielgruppen anpassen kann. Kontakt zu seinen Kunden – national und international – hält ein flexibles Serviceteam, das die HOF-Systeme und deren Anwender betreut: „Wir konzipieren die Systeme, transportieren sie, bauen sie auf und nehmen sie in Betrieb“, erklärt Hof. Seine Mitarbeiter sind 24 Stunden erreichbar und im Notfall sofort einsatzbereit – weltweit für Gefriertrocknungs-Technologie „Made in Mittelhessen“.

Firmenporträt

HOF Sonderanlagenbau GmbH

Die HOF Sonderanlagenbau GmbH ist mit der Erfahrung von mehr als 30 Jahren der führende Spezialist in der Herstellung von individuellen Gefriertrocknungsanlagen, Be- und Entladesystemen sowie Einfrier- und Auftaugeräten für die pharmazeutische und biotechnologische Industrie. Am Unternehmensstandort in Lohra, in der Nähe von Marburg, arbeiten rund 270 Mitarbeiter auf dem eigenen Produktionsareal von rund 13.500 m².

LOEWE-Zentrum DRUID: Kampf gegen Tropenkrankheiten

Druid Center Uni Gießen

Der Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten (NTDs) wird durch die steigende Anzahl betroffener Menschen immer wichtiger. Auch industrialisierte Länder erkennen immer mehr die Relevanz und beteiligen sich aktiv am Kampf gegen die oft nur wenig erforschten Krankheiten. Hessen beteiligt sich am Kampf gegen Tropenkrankheiten vor allem mit dem LOEWE-Zentrum DRUID in Kooperation mit den hessischen Institutionen.

Druid Center Uni Gießen
Foto: Rolf Wegst

„Weltweit leiden mehr als eine Milliarde Menschen in 150 Ländern an armutsassoziierten und vernachlässigten Tropenerkrankungen (NTDs)”, erklärt Prof. Dr. Katja Becker, Professorin für Biochemie und Molekularbiologie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und Sprecherin des LOEWE-Zentrums DRUID. „Vor allem Menschen, die in armen und ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen in Entwicklungsländern leben, sind von NTDs betroffen. Leider galt ihnen in den letzten Jahrzehnten aber nur sehr wenig Aufmerksamkeit in Bezug auf Forschung, Medikamenten- und Impfstoffentwicklung, Diagnose und Finanzierung.“

NTDs kommen vor allem unter tropischen und subtropischen Bedingungen vor. Ausgelöst werden sie von verschiedenen Mikroorganismen wie Viren, Bakterien, Parasiten oder Fungi. Auch unzureichende sanitäre Bedingungen, begrenzter Zugang zu sauberem Wasser und fehlender Schutz vor Überträgern unterstützen den Ausbruch und die Verbreitung der Erkrankungen. Neben den schlechten Bedingungen haben die betroffenen Menschen oft nur sehr schlechten Zugang zu Versorgungsmaßnahmen und entsprechenden Behandlungen.

NTD Fakt

 

Tropenkrankheiten sind eine ernste Gefahr

Bei Erkrankungen, die zu chronischen Beschwerden und Behinderungen führen, können viele Patienten nicht mehr arbeiten und ihre Familie ausreichend ernähren. Dennoch mangelt es bei vielen Betroffenen dringend an Unterstützung. Auch Kinder, die an einer dieser NTDs erkranken, oder deren Familien betroffen sind, können häufig nicht mehr regelmäßig in die Schule gehen. Dadurch ist nicht nur ihre körperliche Gesundheit beeinträchtigt, sondern auch die intellektuelle Entwicklung. NTDs verursachen somit massive soziale und ökonomische Verluste – diese kosten die Entwicklungsländer jährlich mehrere Milliarden Dollar. „Der Kampf gegen solche Krankheiten ist nicht nur aus medizinischen und humanitären Gründen wichtig“, so Becker. „Wir erhoffen uns mit der Bekämpfung der Krankheiten den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen und sozialer Ungerechtigkeit, Gewalt und Fluchtursachen ein Ende zu bereiten.“ Bisher gibt es für die Behandlung von NTDs nur wenig wirksame Medikamente. Zwar werden bereits verschiedene Medikamente eingesetzt, diese haben teilweise Nebenwirkungen. Zusätzlich erschwert die immer weiter voranschreitende Resistenz gegen verschiedene Wirkstoffe die Suche nach einem wirkungsvollen Heilmittel. 

„Der Kampf gegen diese Infektionskrankheiten hilft zudem, den Kreislauf der Armut zu durchbrechen und soziale Ungerechtigkeit, Gewalt oder gar Migrationsströme zu vermeiden."
Prof. Dr. Katja Becker
Professorin für Biochemie und Molekularbiologie

Interdisziplinäre Forschung

Um den Krankheiten den Kampf anzusagen, suchen mehr als 30 Forscher des LOEWE-Zentrums DRUID (Novel DRUg Targets against Poverty-Related and Neglected Tropical Infectious Diseases) nach neuen Medikamenten, Impfstoffen und Diagnosemöglichkeiten. Beteiligt an dem Projekt sind neben verschiedenen Universitäten in Hessen, das Paul Ehrlich Institut und die Technische Hochschule Mittelhessen. „Kooperation ist der Schlüssel zur Erforschung und Entwicklung neuer Medikamente“, erklärt Becker. „Daher haben wir im LOEWE-Zentrum einen regen Expertise-Austausch zwischen den forschenden Experten. Wir arbeiten zusammen an mehr als 20 unterschiedlichen interdisziplinären Projekten. Der Austausch ist besonders wichtig: Bei der Entwicklung der Medikamente nutzen wir viele verschiedene Techniken von Infektionsmodellen über Proteinanalyse, struktureller Biologie und Synthese verschiedener Medikamente bis hin zur Optimierung vorhandener Medikamente. Durch die Vernetzung bieten wir unseren Forschern die Möglichkeit, projektübergreifend den entsprechenden Experten mit dem nötigen Know-How zu finden. Der Austausch, der dabei zwischen den Wissenschaftlern stattfindet, erzeugt Synergien. Es entstehen viele neue Ideen und das Projekt wird sichtbarer.“ Der Fokus der Gruppe von Prof. Dr. Katja Becker liegt beispielsweise auf der Untersuchung des zellulären Redoxstoffwechsels, um potenzielle Anwendungsgebiete neuer Medikamente zu identifizieren. Oxidativer Stress und Sauerstoffradikale können das empfindliche Zellgleichgewicht schädigen. Doch alle Zellen – auch Krankheitserreger – haben Abwehrmechanismen, um dies zu vermeiden. Um neue Therapieansätze zu ermöglichen, wird daher an der Entwicklung neuer Inhibitoren geforscht, welche die Abwehrmechanismen der Erregerzellen gezielt beeinträchtigen können.

Menschen sind weltweit an NTDs erkrankt, mehrere Millionen sterben jährlich an den Folgen.
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„Asiatische Tigermücke schleppt Tropenkrankheiten ein“

 Malaria galt in vielen Teilen Europas als besiegt. Aber Tourismus und Klimawandel führen zur Einwanderung von fremden Mückenarten und die invasiven Arten können auch ganz andere tropische Erreger einführen. Laborleiter Dr. Helge Kampen vom Institut für Infektionsmedizin (IMED) am Friedrich-Löffler Institut in Greifswald erklärt warum der Klimaerwärmung dazu führt, dass auch einheimische Mücken eine wachsende Gefahr darstellen.

Das ist zurückzuführen auf die Globalisierung und auch auf die Klimaerwärmung: Globalisierung begünstigt die Verschleppung von Stechmücken. Die Klimaerwärmung wiederum hilft wärmeliebenden Mückenarten, sich zum Beispiel in Deutschland festzusetzen und auszubreiten. Die Asiatische Tigermücke ist ein Beispiel dafür. Noch ist sie in Deutschland sehr lokal begrenzt. Die Mücke fliegt nicht weit und breitet sich deswegen nicht rasant aus. Das Klima ist nicht ideal und fördert nicht die Ausbreitung. Die Mückenart passt sich jedoch langsam an. In Italien zeigte sich, wie schnell eine Ausbreitung voranschreiten kann. Dort ist die Asiatische Tigermücke fast überall und in relativ hohen Populationsdichten zu finden.

Invasive Mücken tragen nicht grundsätzlich Viren oder Pathogene in sich. Beim Blutsaugen können sie sich jedoch infizieren und dieses Pathogen weitertragen. Die Wahrscheinlichkeit einer lokalen Übertragung wächst also mit der Populationsdichte von übertragenden Mücken und den auftretenden Infektionen bei Menschen. Häufig wissen infizierte Personen nicht direkt, wenn sie sich auf Reisen mit dem Dengue, Chikungunya oder Zika Virus infiziert haben. Wenn also fremde Mückenarten und tropische Krankheiten parallel eingeschleppt werden, können sich Tropenkrankheiten auch in Ländern der nördlichen Erdhalbkugel weiter ausbreiten.

Ein Infektionsgeschehen läuft besonders gut ab, wenn es warm ist: Mücken entwickeln sich rapide, die Blutverdauung beschleunigt sich und die Generationszeit nimmt ab. Viren und andere Erreger entwickeln sich rasanter und die Mücke ist viel schneller infektiös. Denn: Wenn eine Mücke sich infiziert, gelangt das Virus erstmals in den Darm. Von dort muss es dann durch den Körper der Mücke wandern bis in die Speicheldrüse. Viren werden immer beim Stich über den Speichel der Mücke übertragen. Die Wanderung des Virus vom Darm in die Speicheldrüse dauert eine Weile, denn der Virus vermehrt sich langsam von Zelle zu Zelle. Je wärmer es ist, desto schneller geht das. Wenn das Klima in Mitteleuropa noch wärmer wird, dann werden höchst wahrscheinlich auch einheimische Mückenarten zu Überträgern, wenn sie auf das richtige Virus oder Pathogen treffen.

Keine NTDs mehr bis 2030

Die Arbeit des Zentrums ist von internationaler Relevanz: Das Ausmerzen vernachlässigter Tropenkrankheiten ist eines der erklärten „Ziele für nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen. „Um zu erreichen, dass es bis 2030 keine NTDs mehr gibt, müssen wir gut netzwerken“, betont Becker. 

„Wissenschaftler aus Deutschland, Europa und der ganzen Welt müssen hierfür zusammenarbeiten. Auch zwischen dem akademischen und dem privaten Sektor muss eine Kooperation stattfinden. Besonders wichtig ist zudem, mit Menschen und Wissenschaftlern aus den betroffenen Ländern zusammenzuarbeiten, um vor Ort forschen zu können.“ Schlussendlich müssen auch der Pharmaindustrie Anreize geschaffen werden, dass sie wissenschaftliche Erkenntnisse in industrielle Anwendungen umsetzen. Nur so sind die Entwicklung und Einführung neuer Medikamente für den Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten möglich.

Was kann durch die Bekämpfung der NTDs zusätzlich erreicht werden?

Studium 4.0: Medizinwirtschaft trifft Digitalisierung

Studium 4.0: Medizinwirtschaft trifft Digitalisierung

Nachwuchs in Medizin und Pflege ist so gefragt wie selten. Mit zukunftsorientierten Ausbildungs- und Studienangeboten bietet Mittelhessen im Bereich Gesundheitswirtschaft vielversprechende Karrierechancen. Im Interview erklären Prof. Dr. Harald Renz, ärztlicher Geschäftsführer der Uniklinik Marburg und Prof. Dr. med. Holger Thiemann, Studiengangleiter Medizinisches Management der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM), warum die Digitalisierung dabei so wichtig ist.

Studium 4.0: Medizinwirtschaft trifft Digitalisierung
Mittelhessen bietet vielen Chancen für junge Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten wollen. (Credits: rawpixel / unsplash)

Immer weniger Absolventen wählen einen Beruf im medizinischen Bereich. Welche Ursachen hat das?

Prof. Harald Renz: Die meisten medizinischen Berufe sind nicht familienfreundlich. Deshalb sollten wir neue Studienkonzepte entwickeln – junge Frauen sollten auch die Möglichkeit haben, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen. Teilzeitmodelle sind eine Möglichkeit. Das Problem: Die Ausbildung dauert dann bis zu zehn Jahren. Aus fünf Jahren Regelstudienzeit für den Facharzt, werden doppelt so viele. Für den Oberarzt kommen weitere hinzu. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, bedarf es dringend neuer familiengerechter Arbeitsmodelle.

Prof. Dr. Harald Renz
Prof. Dr. Harald Renz
Ärztlicher Geschäftsführer der Uniklinik Marburg
Prof. Dr. Holger Thiemann
Prof. Dr. med. Holger Thiemann
Studiengangleiter Medizinisches Management der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM)

Prof. Holger Thiemann: In der Vergangenheit akzeptierten Mediziner eine Arbeitswoche mit bis zu 80 Stunden als heroische Leistung. Heute achtet man auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance, die im Medizinbereich oft nur bedingt garantiert werden kann. Das macht diese Berufe zunehmend unattraktiv. Viele Ärzte möchten sich nicht selbstständig machen, bleiben z. B. in der Forschung, gehen in die Pharmaindustrie, Beratung, etc. Wir können jedoch den Mangel an praktizierenden Ärzten nicht ausgleichen. 

Die Studiengänge im Fachbereich Gesundheit der THM setzen bei der Entlastung der Ärzteschaft an. Im Studiengang Medizinisches Management lehren wir nicht nur die administrativen Tätigkeiten, sondern vermitteln auch ein breites klinisches Wissen. Das reicht von Wirtschaft, Soziologie und Rechtswissenschaften über Gesundheitswirtschaft bis Anatomie und Physiologie.

Warum bietet gerade Mittelhessen gute Berufsaussichten im Medizinbereich?

Prof. Harald Renz: Durch das Universitätsklinikum Gießen und Marburg, zwei Universitäten und der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) sind wir bestens vernetzt. Wir sind eine sehr forschungsstarke Region, eng verwoben mit der Medizinwirtschaft. Es gibt viele hessische Unternehmen, die Hand in Hand gehen mit der Forschung und den Universitäten. In Kollaboration mit Ärzten werden hier viele medizintechnische Geräte entwickelt.

Steckbrief Medizinisches Management

  • praxisnaher Studiengang: Vermittlung von theoretischem Wissen und Praxis
  • Kernkompetenzen: Management, Projektmanagement, Betriebswirtschaft, medizinische Grundlagen
  • organisatorische Aufgaben in der Gesundheits- und Pflegewirtschaft
  • Studiengang eignet sich für Personen mit Fachhochschulreife oder Abitur
  • innovativer Studiengang mit Perspektive

Was fasziniert Sie an Ihrem Fachbereich?

Prof. Harald Renz: Wir in der Labormedizin sind daran interessiert, Krankheiten zu verstehen. Wir wollen wissen, was die Fehlregulationen im Körper sind, die dazu führen, dass Menschen chronisch-entzündliche-Erkrankungen entwickeln. Es ist spannend zu erforschen, was die Ursachen dafür sind. Besonders ist für mich, den gesamten Kreislauf mitzuerleben: vom Krankheitsverständnis über Diagnostik bis hin zu Therapiekonzepten.

Prof. Holger Thiemann: Mich begeistert immer wieder die Verbindung zwischen Theorievermittlung im Bereich Medizin-Management und der Praxis. Unser Studienangebot unterscheidet sich von bisherigen, meist sehr theoretischen Studiengängen, mit geringem praktischen Bezug. Die Absolventen geben uns positives Feedback. Im Studiengang Medizinische Informatik warten drei bis vier Jobangebote auf jeden Absolventen. Viele Unternehmen in der Region bieten auch Themen für Bachelorarbeiten an. So entsteht ein Mehrwert für die Firma, der Praxisbezug der Arbeiten steigt und die Studenten haben danach gute Chancen in eine Festanstellung übernommen zu werden.

Studium 4.0: Medizinwirtschaft trifft Digitalisierung

Steckbrief Medizinische Informatik

  • Digitalisierung steht im Vordergrund
  • Vermittelt werden Kenntnisse der allgemeinen Informatik, medizinische Grundlagen der Anatomie, Physiologie, Diagnose- und Therapieverfahren
  • Anpassung der medizinischen Prozesse mit Werkzeugen aus der IT
  • Berufsaussichten: Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte, oder Soft- und Hardwarehersteller
  • Innovativer Studiengang mit Perspektive

Was raten Sie Unentschlossenen bei der Berufswahl?

Prof. Harald Renz: Sie sollten sich ausprobieren in Praktika, um Einblicke in den Berufsalltag zu erhalten. Die Labormedizin bietet beispielsweise eine Reihe von Vorteilen: ein extrem familienfreundliches Umfeld, selbstständige Organisation im Labor und in der Medizin, keine hohe Belastung durch Bereitschafts- und Wochenenddienste. Hat man die Facharztausbildung durchlaufen, steht einer exzellenten Berufsperspektive nichts im Wege.

Prof. Holger Thiemann: Der Beruf sollte einem Spaß machen – man sollte nicht zuerst nach Verdienstmöglichkeiten schauen. Die Studienberatung kann helfen zu visualisieren, was einem liegt, welche Fähigkeiten man besitzt. Wir zielen darauf ab, anwendungsorientiert zu unterrichten – dann merkt man schnell, ob dieser Studiengang das Richtige für einen ist.

Prof Thiemann THM
An der THM und dem Uniklinikum Marburg werden Fachkräfte im Healthcare-Bereich optimal auf den digitalen Wandel vorbereitet.

Welchen Stellenwert hat die Digitalisierung für den Medizinbereich?

Prof. Harald Renz: Digitalisierung ist in der Medizin heute nicht mehr wegzudenken. Die Nachfrage ist gewaltig. An unserem Institut haben wir über 200 Schnittstellen mit unserem Laborinformationssystem, den verschiedenen Analyseplattformen und -geräten zu allen unseren Einsendern wie Ambulanzen und Stationen. Mit der elektronischen Gesundheitsakte können wir die Situation des Patienten viel besser einschätzen und die Historie erkennen. So sehen wir mit einem Klick, bei wem er in Behandlung ist, welche Medikamente er nimmt, ob es Wechselwirkungen mit anderen Mitteln gibt. Und künstliche Intelligenz erleichtert uns jetzt schon den medizinischen Alltag. Wir stehen dabei aber auch noch vor großen Herausforderungen. Aber ich bin überzeugt, dass KI künftig weit größere Aufgabenfelder übernehmen wird.

Prof. Holger Thiemann: Auch in den Krankenhäusern schreitet die Digitalisierung schnell voran – dort stehen enorme Transformationsprozesse an. Wir möchten das, was in anderen Industrien bereits Alltag ist, auch in die Medizinwirtschaft implementieren. Als Beispiel: Bei einem Notfall übermittelt die Software eines Tablets alle Patientendaten aus dem Krankenwagen direkt ins Krankenhaus. So sind die Ärzte bei Ankunft des Patienten optimal vorbereitet. Das sind die digitalen Projekte, die wir unterstützen wollen. Für deren Umsetzung braucht es erstklassig ausgebildete Fachleute. Unsere Studiengänge bereiten die Studierenden auf den digitalen Wandel vor und bilden sie bestens dafür aus.

„Landarzt“ – wie der Beruf wieder attraktiv wird

Landarzt

Der Ärztemangel trifft ländliche Gebiete besonders hart – auch die Region Mittelhessen. Das Landarztnetz Lahn-Dill geht deshalb neue Wege zur Sicherung der medizinischen Versorgung durch Hausärzte. Der kaufmännische Leiter Lars Bongartz berichtet über die Herausforderungen beim Aufbau des Netzwerkes und die Bausteine, die für eine erfolgreiche Vermittlung von Arzt und Praxis nötig sind.

Lars Bongartz
Kaufmännischer Leiter der Landarztnetz Lahn-Dill GmbH

Landarzt sein – was früher schon fast einen romantischen Stellenwert hatte und für viele Mediziner erstrebenswert war, lockt heute nicht mehr viele Absolventen. Stattdessen zieht es vor allem junge Menschen in Ballungszentren und große Städte. Für dieses Problem müssen wir eine Lösung finden und die Erfahrung zeigt: Haben Jungärzte das Landarztdasein erst einmal kennengelernt, bleiben die meisten.

Diesen ersten Kontakt mit dem Beruf des Landarztes will das Landarztnetz, kurz LAN, ermöglichen. Unser Bestreben ist es, zur Sicherung der hausärztlichen Patientenversorgung in ländlichen Gebieten des Lahn-Dill-Kreises beizutragen. Dafür haben wir in den vergangenen fünf Jahren ein Netzwerk aufgebaut, das es uns ermöglicht, Nachfolger für Landarztpraxen im Kreis zu finden. Denn viele Ärzte in ländlichen Regionen suchen mittlerweile vergeblich einen Nachfolger.

Demografischer Wandel zeigt sich überall

Wir wussten aufgrund demografischer Daten schon vor Jahren, dass es eng werden würde mit der medizinischen Versorgung auf dem Land. Deswegen haben wir unsere Gesellschaft gegründet. Wir fragten uns also: Was tun? Es gibt seit längerem den Trend, dass sich Mediziner in Deutschland zunehmend in Angestelltenverhältnisse begeben, anstatt freiberuflich ihre eigene Praxis zu führen. Früher, vor 20 bis 30 Jahren, waren die Gehälter bei den Freiberuflern deutlich besser als im Krankenhaus. Heute sind die Gehälter im stationären Bereich genauso gut. Außerdem sind sie flexibler, können einfacher ihren Arbeitsort wechseln, wenn sie das möchten. Deshalb arbeiten viele Ärzte heute lieber angestellt. Von den Medizin-Absolventen gehen heute die meisten in ein Angestelltenverhältnis.

Im niedergelassenen Bereich gibt es diese Möglichkeit erst seit 2004, als in Deutschland die rechtlichen Voraussetzungen für die Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) geschaffen wurden. Seitdem gehen immer mehr Mediziner diesen Weg. Mit dem LAN haben wir eine Möglichkeit geschaffen, dass sich Ärzte bei uns in einer Landarztpraxis anstellen lassen können.

Durch die sinkende Anzahl an Landarztpraxen haben Menschen, die auf dem Dorf leben, immer weitere Wege zum nächsten Arzt.
Durch die sinkende Anzahl an Landarztpraxen haben Menschen, die auf dem Dorf leben, immer weitere Wege zum nächsten Arzt.

Vorteile für Altärzte

Traditionell verkaufen Landärzte ihre Praxen. Diese Chance haben sie heute immer seltener, da sie keine Nachfolger finden. Also müssen die meisten Ärzte ihre Praxen schließen oder verschenken. Das machen viele Mediziner ungern. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Da die meisten Ärzte auch in dem Ort wohnen, in dem sie praktiziert haben, gehen sie davon aus, ohnehin weiter für die Patienten Ansprechpartner in Medizinfragen zu sein – auch ohne Praxis. Ein weiterer Grund, die Praxis nur ungerne zu schließen: Die Mediziner wollen ihr Lebenswerk erhalten. Beiden Problemen könnten sie mit einem geeigneten Nachfolger entgehen.

Und hier kommt das LAN ins Spiel. Wir integrieren niedergelassene Arztpraxen in das Landarztnetz. Das Netzwerk übernimmt die Praxis (das Sachvermögen) samt Mietvertrag und Angestellten. Allerdings nur unter der Bedingung, dass der Arzt noch weitere zwölf Monate praktiziert. Diese Zeit brauchen wir, um einen möglichen Nachfolger zu finden, der dann auch noch vom Altarzt eingearbeitet werden sollte.

Aus dem jährlichen Bericht der Ärztestatistik der Bundesärztekammer vom 31.12.2018:

2018 praktizierten in Deutschland 392.400 Ärztinnen und Ärzte, davon sind 117.500 niedergelassen, 39.800 angestellt. Ein Viertel der niedergelassenen Ärzte plant etwa in den nächsten fünf Jahren in Rente zu gehen. Davon wären auch zahlreiche Landarztpraxen betroffen. Hochrechnungen des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen zufolge werden dann in den nächsten zehn bis 15 Jahren bundesweit 30.000 Hausärzte fehlen.

Neue Chancen für Jungärzte

Jungärzte haben drei Möglichkeiten, wenn sie sich uns anschließen und sich in einer Praxis anstellen lassen: Stellen sie fest, dass das Landarzt-Dasein nichts für sie ist, dann können sie einfach irgendwann weiterziehen. Wenn ihnen der Beruf gefällt, können sie entweder auf unbestimmte Zeit weiterhin angestellt praktizieren oder aber sie übernehmen die Praxis und gründen sie wieder aus dem Netzwerk aus. Also ein Angestelltenverhältnis mit Option auf Niederlassung.

Und das sind nicht die einzigen Vorteile für Jungärzte. Zusätzlich bietet das Netzwerk ihnen unterschiedliche Arbeitszeitmodelle – sie können in Voll- oder in Teilzeit arbeiten – und bekommen einen Dienstwagen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Ist ein Jungarzt erst einmal angekommen, findet er meist das Landarztdasein gar nicht so schlecht und bleibt. Wir sind in diesem Sinne also ein wichtiges regionalpolitisches Projekt: Das Netzwerk verbessert durch das Betreiben von Praxen die medizinische Versorgung auf dem Land und schafft Arbeitsplätze. Derzeit beschäftigen wir 50 Menschen an unseren Standorten – zehn Ärzte und 40 Praxismitarbeiter.

Viele Ärzte haben sich schnell an das Dasein als Landarzt gewöhnt und schätzen es sehr.
Viele Ärzte haben sich schnell an das Landarztdasein gewohnt und schätzen es sehr.

Das Landarztnetz ist Zukunftschance

Leider lebt das LAN bisher von vielen Zufällen. So wie es jetzt besteht, wird es in Zukunft nicht bestehen bleiben können. Ein nächster Entwicklungsschritt muss her. Eine Möglichkeit wäre es, dass in Zukunft auch Nicht-Ärzte – etwa die Nicht-ärztliche Praxisassistenz – auch substitutiv arbeiten darf, nicht nur delegativ wie bisher. Planungen in diese Richtung gibt es, rechtlich ist das aber bisher nicht möglich. Eine andere Möglichkeit ist ein besseres, regionales Management. Sprich, es muss Patienten-Transportsysteme geben, die die Patienten zu weiter entfernten Ärzten bringen können.

Die dritte Möglichkeit ist die Weiterentwicklung der Telemedizin. Bisher gibt es hier nur Testläufe, etwa zu einer digitalen Sprechstunde per Videotelefonie. Aber ich denke, dass sich das über kurz oder lang generell ändern wird. Menschen aus ländlichen Regionen werden sich darauf einstellen müssen, dass sich ihre Versorgung in Zukunft ändern wird und sie längere Wege in Kauf nehmen müssen. Außerdem werden sie sich an Digitalisierung in der Medizin gewöhnen müssen – was an sich nichts Negatives ist, aber für die meisten eben noch ungewohnt. Das kommt und das muss auch kommen! Dennoch haben wir mit dem LAN eine Chance geschaffen, diese Veränderung so angenehm wie möglich zu gestalten – und vor allem, sie mitzugestalten!

Firmenporträt

Landarztnetz Lahn-Dill

Gesellschafter des Landarztnetzes sind die Lahn-Dill-Kliniken GmbH und der ehemals 1. Stellvertretende Vorsitzende des Arztnetzes für die Region Lahn-Dill (A.N.R. e.V.), Dr. Michael Saar aus Breitscheid. Das Landarztnetz Lahn-Dill – und damit das Basis-MVZ in Breitscheid – wurde am 01.04.2014 durch den Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen genehmigt.

Trendbericht Virtual Reality: So hilft die virtuelle Realität der Medizin

Virtuelle Realität hilft Chirurgen während einer Operation

In der Gaming-Szene ist Virtual Reality längst etabliert. Die Technologie revolutioniert aber auch die Ausbildung von Medizinern. Ärzte trainieren an virtuellen Patienten neue Behandlungstechniken und bereiten sich auf operative Eingriffe vor – von der Zahn-OP bis zur Organtransplantation.

Virtuelle Realität hilft Chirurgen während einer Operation
VR-Technik wird immer öfter im Gesundheitssektor eingesetzt. Um die Technologie zu nutzen, benötigt man eine VR-Brille. (Credits: Gorodenkoff / shutterstock.com)

So kennt man es von früher: Wenn Medizinstudenten an das Durchführen von Operationen herangeführt werden, lernen sie am Modell: an Tieren oder an Menschen, die ihren Körper nach dem Tod für die Forschung bereitstellen. Als praktizierende Ärzte müssen sie schließlich lebenden Patienten helfen – da kann ein Fehler Lebensgefahr bedeuten.

Dank der technologischen Entwicklung lassen sich heutzutage brenzlige Situationen wie chirurgische Operationen fast lebensecht simulieren. Mit Virtual Reality üben Studenten lebensgefährliche Eingriffe vorab: Mit einer VR-Brille kann ein „Arzt-Lehrling“ frei in der virtuellen Realität agieren – theoretisch sogar vom heimischen Schreibtisch aus. Auch 3D-Modelle von Skeletten, Blutgefäßen oder komplexen Organen lassen sich via Brille darstellen und betrachten.

Genauso gibt es bereits Anwendungen, bei denen man wie bei einer Computertomographie das 3D-Bild in einzelnen Schichten betrachten kann. Mit speziellen Handschuhen oder einer Art Controller können die angehenden Mediziner mit den VR-Anwendungen interagieren. So lassen sich Bilder drehen oder man kann tief in den virtuellen Körper eintauchen und die Beschaffenheit von Organen besser erfassen. Auch der Tastsinn kann so simuliert werden.

Virtuelle Realität: Die Zukunft der Medizin

An der Philipps-Universität Marburg entwickeln Informatikstudenten beispielsweise derzeit ein System, das es Medizinern ermöglichen soll, in einer VR-Umgebung individuelle 3D-Scans anzuschauen. Das Besondere an dem Projekt: Es soll als Multiuser-Anwendung konzipiert werden. Studierende sollen gemeinsam im Raum freistehende Modelle anschauen und mit ihnen interagieren. „So könnte man in Zukunft auch Patienten komplexe Sachverhalte leichter visuell zugänglich machen“, erklärte Prof. Dr. Andreas H. Mahnken, Professor für Radiologie an der Phillipps-Universität Marburg und Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Marburg.

Auch bei der Behandlung außerhalb des OPs lässt sich Virtual Reality in der Medizin nutzen. So könnten die Brillen in der Psychotherapie bei Paranoia oder starken Ängsten eingesetzt werden, um Patienten so gefahrlos mit ihren Angstauslösern zu konfrontieren. Das könnte die Rückfallquote verringern. Ein weiteres Anwendungsgebiet könnte die Behandlung von sogenannten Phantomschmerzen sein. Daran leiden Patienten oft nach der Amputation von Gliedmaßen, was manchmal Schlafstörungen auslöst und im Alltag einschränkt. Die Virtual Reality simuliert zum Beispiel einen fehlenden Arm  der Betroffene empfindet weniger Schmerzen.

Der US Markt für Virtual Reality in der Medizin ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen.
Der US Markt für Virtual Reality in der Medizin ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Bis 2025 soll der VR- und AR-Gesundheitsmarkt (Augmented Reality) weltweit ein Volumen von 5,1 Milliarden US-Dollar erreichen. (Quelle: Goldman-Sachs 2016)

Augmented Reality: Präzision durch virtuelle Navigation

Anwendungen von Augmented Reality können auch bei Operationen helfen. So haben Forscher im Rahmen des Projekts 3D-ARILE ein neuartiges Augmented Reality-System für die Lymphknotenentfernung bei Krebspatienten entwickelt. Das System unterstützt den Arzt durch visuelle Markierungen während der Operation. Eine Infrarotkamera erfasst das erkrankte Gewebe und rekonstruiert es in 3D. Durch eine AR-Brille sieht der Operateur so genau, welche Teile des Gewebes er entfernen muss. „Die Technologie dient als Navigationshilfe: Wo muss ich schneiden? Habe ich alles Nötige herausgeschnitten?“ erklärt Dr. Stefan Wesarg vom Fraunhofer IGD in Darmstadt. Mittels Augmented Reality können auch Röntgenbilder als visuelle Ergänzung bei OPs helfen. Die Bilder der Knochenstruktur verschmelzen dann mit dem echten Blickfeld und werden sozusagen darauf projiziert.

Die Weiterentwicklung der Technologie kostet allerdings Zeit und Geld. Oftmals sind die Brillen noch schwer, führen bei längerer Anwendung teils zu Schwindel oder sie überhitzen. Die Medizin profitiert dennoch schon heute stark von den Entwicklungen der Gaming-Szene: Bezahlbare Produkte können bereits für medizinische Software adaptiert werden. Und laut einer aktuellen Studie des Forschungs- und Beratungsunternehmen IndustryARC, werden Augmented Reality und Virtual Reality Technologien im Gesundheitswesen bis 2020 einen weltweiten Markt von ungefähr 2,54 Milliarden Dollar generieren.

Trendbericht Big Data: Wie Digitalisierung die Medizin verändert

Blutwerte, Medikamentenpläne oder Hirnscans – täglich landen Millionen Patienteninformationen in den Computern von Arztpraxen und Kliniken. Die Digitalisierung führt zu gigantischen Datenmengen. Doch wer bekommt die Daten und was machen Forscher und Krankenhäuser damit?

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1A Care: Der digitale Pflegeservice

Viele ältere Menschen sind auf Pflegedienstleister angewiesen. Bei 1A Care finden sie den für sie passenden Dienst.

Die Industrienationen überaltern – und die Menschen brauchen immer mehr Pflegedienstleitungen und Hilfsmittel. Aber egal ob Lifter, Rollator oder Pflegebett, Qualität und Service sind entscheidende Faktoren für den Kauf. 1ACare, ein Start-Up aus Gießen, will genau das sicherstellen. Mit einer intelligenten Marktplatzlösung verhilft das junge Unternehmen die Vermittlung von Pflegehilfsmitteln und Pflegediensten effizient und transparent zu gestalten.

Viele ältere Menschen sind auf Pflegedienstleister angewiesen. Bei 1A Care finden sie den für sie passenden Dienst.
Viele ältere Menschen sind auf Pflegedienstleister angewiesen. Bei 1A Care finden sie den für sie passenden Dienst. (Credits: Halfpoint / shutterstock.com)

Die Alten haben die Mehrheit – weltweit: Erstmals leben auf der Erde mehr über 65-Jährige, als Menschen, die unter fünf Jahre alt sind. In den kommenden zwei Jahrzehnten wird das Verhältnis sogar auf zwei zu eins drehen, so eine Analyse von Torsten Sløk von der Deutschen Bank. 

Mit dem Alter der Menschen steigt auch der Pflegebedarf. Doch die Suche nach der optimalen Pflege und den nötigen Hilfsmitteln erweist sich oft als schwer und zeitaufwendig. Dieses Problem hat Prof. Dr. Martin Przewloka, Professor für Technologien und modernde Wirtschaftsinformatik an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM), erkannt und als Lösung des Problems das Start-Up 1ACare gegründet.

Pflege mit Herz

1ACare hat eine Vertriebsplattform entwickelt, die Sanitätshäuser und ihre Kunden digital zusammenbringt. „Denn auch wenn die Gesellschaft altert, der erste Weg bei der Suche nach Produkten oder Dienstleistungen führt heute ins Web“, sagt Holger Klötzner, COO bei 1ACare. Der Markplatz bietet Produkte rund um die Pflege an. Hierbei vermittelt 1ACare Rezeptaufträge an die Sanitätshäuser. Außerdem können die Kunden über 1ACare Produkte bei den jeweiligen Sanitätshäusern bestellen. Das bringt Vorteile für Kunden wie für Versorger: „Sanitätshäuser können ihre Versorgungsmöglichkeit in unserem Portal anbieten und erhalten einen Online-Vertriebskanal und somit vor allem Sichtbarkeit. Der Kunde bekommt schnell, transparent und neutral, große sowie kleine lokale Anbieter angezeigt und kann sich so selbst ein Bild machen“, so Klötzner.

1A Care bietet ein neutrales und transparentes Portal für Pflegehilfsmittel und Pflegedienstleistungen.
1A Care bietet ein neutrales und transparentes Portal für Pflegehilfsmittel und -dienstleistungen.

Auch Pflegedienste haben die Möglichkeit ihre Leistungen anzubieten. Sucht man einen ambulanten oder stationären Pflegedienst, lässt sich dieser schnell und transparent mit Hilfe der Postleitzahl identifizieren. Einsehbar sind unter anderem Kontaktdaten, Bewertungen und die Kapazität des Dienstleisters. Das ermöglicht Senioren einen auf ihre Bedürfnisse angepassten Dienst zu finden und hilft dem Pflegedienstleister den direkten Kontakt zum Kunden über den digitalen Weg aufzubauen. Besonders nützlich ist für die Pflegedienste die Möglichkeit, die Kapazität angeben zu können. „Vielen Pflegediensten mangelt es nicht an Kundschaft. Das Problem ist eher, dass sie mehr Anfragen haben, als sie bearbeiten können. Unser Portal bietet eine transparente Darstellung, und erhöht so die Effizienz für Suchende und Anbieter“, sagt Klötzner.

„Anstatt Pflegemittel und -dienstleistungen zu suchen, würden viele Angehörige ihre Zeit lieber in das investieren, was wirklich wichtig ist - die Pflege der Verwandten. Wir helfen ihnen dabei."
Holger Klötzner
COO bei 1ACare

Alltagshilfen der Zukunft

Auch wenn das Angebot des Pflegeportals bereits sehr vielfältig ist, plant 1ACare noch viel für die Zukunft. So sollen auch weitere Anbieter im Pflegebereich ihre Leistungen über 1ACare anbieten können:

  • Anbieter häuslicher Speiseverpflegung, dem sogenannten „Essen auf Rädern“
  • Therapeuten, wie Physio-, Logo- und Ergotherapeuten
  • Handwerker, die beim Einbau von Pflegehilfsmitteln behilflich sein können

Die digitale Zukunft der Pflege ist bei 1ACare also in guten Händen.

Firmenporträt

1ACare GmbH - Das Pflegeportal

1ACare GmbH ist ein digitaler Anbieter für Pflegedienstleistungen und Hilfsmittel. Das Unternehmen wurde im Oktober 2017 gegründet und erhöht Reichweite und Marktzugänge von Sanitätshäusern, Industriepartnern der Hilfsmittel-Branche, Dienstleistern und Pflegeeinrichtungen.