Wie entwickelt sich der Life Science Standort Mittelhessen?

Der VDI Mittelhessen und das Regionalmanagement Mittelhessen laden am 20. März 2025 auf die High-Tech Messe W3+ Fair in Wetzlar ein. Diskutieren Sie mit, über die Bedeutung der Schlüsselbranche Life Science für den Standort.

Das vollständige Programm und Anmeldung finden Sie hier.

Healthcare-Storys
Der Kaufvertrag für das 26.000 m² große Grundstück zwischen Brühl-Geschäftsführer und der Johanniter wurde unterzeichnet. Von nun an wird das Gelände von der Johanniter und für das Projekt rescEU medical stockpile DE genutzt.
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Mit Go-Bio initial unterstützt das BMBF die Identifizierung und die Weiterentwicklung von neuen Projektideen und Forschungsansätzen aus den Lebenswissenschaften TransMIT erhält als Projektträger Fördermittel von rund 600.000 Euro.
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Digitalisierung soll das Gesundheitswesen effizienter und besser machen. Auch in Mittelhessen forcieren Forschung und Industrie die Healthcare-Zukunft.
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Sein Projekt “Intelligenter, digitaler Begleiter für präventives Arbeiten” wurde beim Ideenwettbewerb der Civic Innovation Plattform in der Kategorie Arbeit & Partizipation ausgezeichnet.
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Universität Kassel, Justus-Liebig-Universität und die Technische Hochschule Mittelhessen haben ein neues Projekt „Brushalyze“. Dabei soll ein neues Forschungsgerät eine detaillierte Analyse des Zahnputzvorgangs automatisiert vornehmen.
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Marburg: Kompetenz-Netzwerk aus Mittelhessen schafft Aufmerksamkeit für Patienten mit seltenen Erkrankungen
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Der Kaufvertrag ist unterschrieben – das Gelände der Brühlschen Universitätsdruckerei in Gießen gehört den Johannitern

Das Gewerbeobjekt mit Lager- und Büroflächen wurde von den Johannitern gekauft und wird künftig für Logistik und Bevorratung für das EU-geförderte Projekt „rescEU medical stockpile DE“ genutzt.

Eingang Verlagshaus. Bildnachweis: Johanniter

Der Kaufvertrag für das insgesamt 26.000 m² große Grundstück zwischen Brühl-Geschäftsführer Dr. Wolfgang Maaß und den Johanniter-Landesvorstandsmitgliedern Peter Kaimer und Oliver Meermann wurde unterzeichnet. Von nun an wird das Gelände von den Johannitern genutzt. 

Die Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. hatte im vergangenen Jahr das Vergabeverfahren für das EU-geförderte Projekt „rescEU medical stockpile DE“ gewonnen und übernimmt an einem von zwei Standorten in Deutschland die Einlagerung von medizinischer Schutzausrüstung und Geräten: „Für unsere Logistik eignet sich das Gelände perfekt. Die Lagerfläche bietet mit 14.000 m² ausreichend Platz für die Unterbringung der Materialien und das Gelände liegt verkehrsgünstig nahe dem Stadtrand, unweit des Gießener Rings, der Autobahn 485. Und dank der großen Fläche mit Lager- und Büroflächen stehen uns sehr gute Erweiterungsmöglichkeiten offen“, erklärt Oliver Meermann, Landesvorstandsmitglied der Johanniter in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Die Corona-Pandemie war ein Beispiel dafür, wie abhängig man von Lieferketten aus dem Ausland ist. Um auf zukünftige Mangelsituationen vorbereitet zu sein, finanziert die EU neun Lagerhäuser in Europa. Die erste Lieferung mit Schnelltests wurde von den Johannitern im Mai dieses Jahres in Empfang genommen und symbolisierte den Start des Projekts „rescEU medical stockpile DE“. Die Beschaffung, Einlagerung, Pflege und logistische Verteilung im Bedarfsfall gehört zur Aufgabe des Johanniter-Kompetenzzentrums für Europäischen Katastrophenschutz (EUCC), welches nicht weit von Gießen entfernt, im Regionalverband Rhein-Main der Johanniter-Unfall-Hilfe angesiedelt ist. Das EUCC koordiniert die Zusammenarbeit und die Vereinbarung mit der Europäischen Kommission. „Unsere Lagermöglichkeiten zu vergrößern, ist für den Landesverband ein logischer und wichtiger Schritt, um die Handlungsfähigkeit des Verbandes auch in Zukunft sicherzustellen. Die Corona-Pandemie und jüngst auch die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben deutlich gemacht, dass Hilfsorganisationen neben ihren bekanntesten Aufgaben – Leben zu retten und medizinische Versorgung zu leisten – ganz besonders auch im Rahmen von Katastropheneinsätzen schnell, schlagkräftig und zielorientiert die unterschiedlichsten Aufgaben meistern. Hierfür müssen wir stets gut vorbereitet sein. Je besser Lager und Logistik aufgestellt sind, umso effizienter kann der Einsatz eingeleitet werden“, unterstreicht Meermann.

Dass das Gelände in Gießen-Wieseck an eine Hilfsorganisation verkauft wird, erfreut Brühl-Geschäftsführer Dr. Wolfgang Maaß: „Bei aller Traurigkeit über den Verlust der Arbeitsplätze und die Abwicklung der traditionsreichen Brühlschen Universitätsdruckerei freue ich mich doch, dass mit der Johanniter-Unfall-Hilfe ein leistungsstarker Erwerber der Immobilie gefunden wurde. Vor allem können auch die Gebäude weitgehend erhalten bleiben und als großes Zentrallager für den Katastrophen- und Pandemieschutz einer neuen und so wichtigen Nutzung zugeführt werden. Nicht zuletzt sehe ich dies als Erfolg für die Attraktivität des Standorts Gießen mit seiner zentralen Lage, sehr guten Verkehrsanbindung und Nähe zur Rhein-Main-Region, dass wir dieses bedeutsame Projekt nach Mittelhessen holen konnten. Und auch die Nachbarn der unmittelbar angrenzenden Wohnbebauung dürften erleichtert sein, dass ihnen eine umfangreiche Bautätigkeit und die anschließenden Belastungen gewerblicher Nutzung weitgehend erspart bleiben“.

Die IMAXX – Gesellschaft für Immobilien-Marketing GmbH hatte die Vermittlung zwischen Käufer und Verkäufer übernommen und den Prozess begleitet. Über den Kaufpreis für das 26.000 m² große Gelände mit 14.000 m² Lagerfläche und ca. 3.500 m² Bürofläche haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. 

Hintergrund rescEU medical stockpile DE:

Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie haben die EU-Kommission und die EU-Mitgliedsstaaten im März 2020 beschlossen, Kapazitäten zur medizinischen Bevorratung aufzubauen. Die Lager werden von den EU-Mitgliedstaaten unterhalten und von der EU finanziert. Die beteiligten Staaten sollen auch die Verteilung der Materialien im Falle eines entsprechenden Hilfeersuchens im Rahmen des Unionsverfahrens gewährleisten.

Firmengeschichte

Brühlsche Universitätsdruckerei:

Die Brühlsche Universtitätsdruckerei in Gießen wurde im Jahre 1829 von Georg Daniel Brühl gegründet, der den bereits seit 1750 bestehenden Vorläufer des Gießener Anzeigers in seiner Verantwortung hatte – der inzwischen neuntältesten Zeitung der Welt. Im Jahr 2003 wurden Brühl und Gießener Anzeiger in zwei rechtlich unabhängige Firmen getrennt. Vor allem aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung und dem Einbruch bei Werbemitteln und Drucksachen in den Bereichen Tourismus, Messen und Veranstaltungen während der Corona-Pandemie meldete Geschäftsführer Dr. Wolfgang Maaß im Januar 2021 für die Druckerei Insolvenz an, die Betriebsschließung erfolgte am 30. Juni 2021.

Fördermittel für Technologietransfer in den Life Sciences

Die TransMIT Gesellschaft für Technologietransfer GmbH fördert mit rund 600.000 Euro innovative Ideen aus den Lebenswissenschaften. Die Initiative richtet sich an Wissenschaftler in einer Orientierungsphase, deren Forschung Potenzial für neue Produkte und kreative Geschäftsideen hat.

Übersichtsgrafik © Michaela Kirndörfer / TransMIT

Im Auftrag und aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) erhält die TransMIT GmbH im Rahmen des Förderprogramms GO-Bio initial Fördermittel in Höhe von rund 600.000 Euro. Der Bewilligungszeitraum des Projektes beträgt vier Jahre und endet im Jahr 2024. Mit der Förderinitiative Go-Bio initial unterstützt das BMBF die Identifizierung und die Weiterentwicklung von neuen Projektideen und Forschungsansätzen aus den Natur- und Lebenswissenschaften mit erkennbarem Innovationspotenzial. Im Fokus stehen dabei insbesondere Ideen und Erfindungen aus den Bereichen Therapeutika, Diagnostika, Forschungswerkzeuge und Plattformtechnologien.

Ziel des geplanten Strukturvorhabens der TransMIT ist es, die Anzahl lebenswissenschaftlicher anwendungsrelevanter Verwertungsprojekte in den von ihr betreuten Hochschulen substanziell und nachhaltig zu steigern. Dazu sollen die sehr frühen, noch unreifen Verwertungsideen der Wissenschaftler*innen in den Hochschulen zunächst systematisch identifiziert und anschließend markt- und bedarfsgerechter ausgerichtet und anschlussfähiger für die Verwertung – etwa durch Ausgründungen, Lizenzierung oder auch später ansetzende Entwicklungsförderprogramme – gemacht werden. Dabei setzt die TransMIT an den vorhandenen Strukturen ihrer drei Gesellschafterhochschulen Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), Technische Hochschule Mittelhessen (THM) und Philipps-Universität Marburg (UMR) an.

Grundsätzlich ist die Fördermaßnahme GO-Bio initial in zwei Phasen aufgeteilt. Aufbauend auf einer zwölfmonatigen Sondierungsphase folgt eine sich über zwei Jahre erstreckende Machbarkeitsphase. In der Sondierungsphase werden erste, noch unausgereifte Ideen oder Erfindungen konzeptionell geprüft und die verschiedenen Verwertungsoptionen erarbeitet. In der vorwiegend experimentellen Machbarkeitsphase werden Entwicklungsarbeiten bis zum „Proof of Concept“ durchgeführt. Auf dieser Grundlage soll ein Reifegrad der Forschungsresultate erreicht werden, der eine Weiterführung in anderen etablierten Förderprogrammen der Validierungs-, Gründungs- und Firmenkooperationsförderung (wie etwa GO-Bio, VIP+, EXIST-Forschungstransfer oder KMU-innovativ) oder eine direkte Auslizenzierung ermöglicht. Übergeordnetes Ziel ist somit der lückenlose Transfer vielversprechender früher Ideen in die Anwendung.

Im Rahmen der Förderinitiative begleitet, berät und unterstützt die TransMIT die beteiligten Wissenschaftler von der Findungsphase über die Antrags- bis zur Förderphase in sämtlichen Projektstadien. Als Resultat dieser intensiven und kontinuierlichen Unterstützung soll sowohl die Anzahl als auch die Qualität der Anträge, und damit die Quote der Förderungsgenehmigungen und letztendlich der Transfererfolg von den Hochschulen zur Wirtschaft spürbar steigen. Das Leistungsspektrum der TransMIT erstreckt sich darüber hinaus auf die Realisierung verschiedener Veranstaltungen wie etwa Firmenexkursionen, Patentworkshops, einer Seminarreihe zum Thema Entwicklungswege von Arzneimitteln und Medizinprodukten, einer Workshopreihe zur Generierung von Ideen und zum Netzwerkaufbau oder eines Kreativwettbewerbs für „nachhaltige Medizinprodukte“.

„In den von uns betreuten Hochschulen widmen sich viele großartige lebenswissenschaftliche Projekte der Grundlagenforschung. Eine strukturierte Prüfung auf eine mögliche wirtschaftliche Anwendbarkeit erfolgt aber oftmals nur dann, wenn zum Beispiel die Wissenschaftler*innen aus eigenem Antrieb eine Erfindungsmeldung einreichen“, betont Dr. Sandrine Oberwinkler, die bei der TransMIT für das Projektmanagement der Initiative GO-Bio initial verantwortlich ist. „Daher ist es sehr wichtig, zunächst das Bewusstsein für Anwendungsthemen bei den Wissenschaftler*innen zu schärfen. So können im nächsten Schritt die entsprechenden Potenziale identifiziert und die lohnenswerten Projekte schließlich gefördert und weitergeführt werden. Der Zuschlag für die Fördermaßnahme GO-Bio initial bedeutet für uns eine große Hilfe bei der Umsetzung dieses Konzepts.“

Das Förderprogramm richtet sich insbesondere an Wissenschaftler in einer beruflichen Orientierungsphase: Masterstudenten, Doktoranden, Postdoktoranden, die sich eine Karriere als Existenzgründer vorstellen können oder Berufserfahrene, die eine neue Perspektive suchen. Projektskizzen für die Sondierungsphase können einmal jährlich eingereicht werden, es stehen Mittel bis zu 100.000 Euro zur Verfügung. Nach einer erfolgreichen Sondierungsphase kann ein Antrag für die Machbarkeitsphase gestellt werden. Die Machbarkeitsphase hat eine Laufzeit von zwei Jahren und es können Kosten bis zu 500 000 Euro bei Einzelvorhaben bzw. 1 Mio. Euro bei Verbundvorhaben beantragt werden.

GO-Bio initial ist ein Baustein zur Umsetzung der Hightech-Strategie 2025 der Bundesregierung, die eine deutliche Stärkung des Ideen-, Wissens- und Technologietransfers vorsieht. Die Hightech-Strategie 2025 möchte „Wege ebnen, damit aus Spitzenforschung schnell innovative Produkte und Geschäftsideen werden“ und „eine offene Innovations- und Wagniskultur unterstützen, die kreative Ideen gezielt fördert und ungenutzte innovative Potenziale in Deutschland mobilisiert“. Thematisch eingebettet ist GO-Bio initial in das Rahmenprogramm Gesundheitsforschung der Bundesregierung, das im November 2018 vom Bundeskabinett beschlossen wurde. Das Rahmenprogramm Gesundheitsforschung konstatiert, dass „Handlungsbedarf bei der Übergabe aktueller Forschungsergebnisse in die industrielle Produktentwicklung und bei der Vernetzung der daran beteiligten Akteurinnen und Akteure“ besteht, und möchte daher „den Transfer zwischen akademischer Gesundheitsforschung und der Gesundheitswirtschaft sowie weiteren Akteurinnen und Akteuren des Gesundheitssystems verbessern“.

Detaillierte Information zum Förderprojekt GO-Bio Initial unter: https://www.go-bio.de/de/go-bio-initial-1702.html

Firmenporträt

TransMIT GmbH

Die TransMIT GmbH erschließt und vermarktet im Schnittfeld von Wissenschaft und Wirtschaft seit 1996 mit rund 160 Angestellten das Innovations-Potenzial zahlreicher Wissenschaftler aus mehreren Forschungseinrichtungen in und außerhalb Hessens. Direkt aus den drei Gesellschafterhochschulen der TransMIT GmbH (Justus-Liebig-Universität Gießen, Technische Hochschule Mittelhessen und Philipps-Universität Marburg) bieten mehr als 160 TransMIT-Zentren unter professioneller wissenschaftlicher Leitung innovative Produkte, Technologien, Dienstleistungen sowie Weiterbildungsveranstaltungen aus nahezu allen Fachrichtungen an. Der Geschäftsbereich Patentverwertung identifiziert und bewertet im Kundenauftrag Produktideen und Forschungsergebnisse und bietet diese international für Lizenzierung oder Kauf an. Das betreute Portfolio umfasst dabei alle Technologiefelder deutscher Hochschulen. Ergänzt wird dieses Angebot durch Leistungen für das komplette Innovationsmanagement von der Idee bis zum marktreifen Produkt im Geschäftsbereich Managed Innovation Services (MIS), insbesondere Fördermittelberatung und Projektmanagement für kleine und mittelständische Unternehmen. Darüber hinaus initiiert und betreut das Geschäftssegment Kooperationsnetzwerke & Neue Märkte Netzwerke zwischen KMU, die sich proaktiv weiterentwickeln wollen. Die TransMIT GmbH hat bei mehreren Rankings im Auftrag verschiedener Bundesministerien jeweils den 1. Platz unter den 21 größeren Technologietransfer-Unternehmen in Deutschland erreicht und ist autorisierter Partner des BMWi-Programms „go-Inno“ sowie der Innovationsberatung des BAFA. Referenzprojekte sind u. a. das Museum „mathematikum“, das Clustermanagement für die Medizinwirtschaft „timm“ und die BMWi-Projekte „SIGNO KMU-Patentaktion“ und „-Erfinderfachauskunft“ sowie „WIPANO Unternehmen“. Aktuell ist die TransMIT GmbH federführender Partner der EU-Initiative KETBIO (Key Enabling Technologies in Biotechnology) und gehört zum Projektkonsortium des europäischen Programms zur Förderung der Biotechnologie als einer von sechs bedeutenden Schlüsseltechnologien (KETs) des EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation Horizont 2020 (https://www.ketbio.eu/).

KI in der Medizin: Ein Gewinn für Ärzte und Patienten

Künstliche Intelligenz (KI) macht die Medizin effizienter und besser. Profitieren werden vor allem die Patienten. Denn sie rücken ins Zentrum gesundheitsmedizinischer Angebote wie KI-gestützter Diagnostik-Tools und Monitoring-Apps. Zudem werden Ärzte, Pfleger und Therapeuten dank Videosprechstunden und digitalem Praxis-Management wieder mehr Zeit für ihre Patienten haben. Die Corona-Pandemie hat der Digitalisierung im Gesundheitswesen vielerorts zum Durchbruch verholfen. In Mittelhessen waren die Weichen aber schon früh auf die “Digitale Medizin der Zukunft” gestellt.

 

Foto: Pixabay

Die Medizin der Zukunft ist ein Miteinander: reale und virtuelle Medizin, Ärzte und IT-Experten, Patienten und digitale Apps. Profitieren werden davon alle Beteiligten im Gesundheitssektor. “Letztendlich wird sich das Verhältnis zwischen Patient und Arzt verbessern”, sagt Prof. Dr. Martin Hirsch, Direktor des Instituts für Künstliche Intelligenz in der Medizin an der Philipps-Universität Marburg. Denn die neuen digitalen Werkzeuge ermöglichen es, dass Ärzte seltene Erkrankungen oder untypische Krankheitsbilder schneller erkennen. “Ärzte werden es ernster nehmen, wenn Patienten Gesundheitsdaten selbst messen, etwa über ihr Smartphone, und sich vorab über eine KI informiert haben”, erklärt Hirsch. Der Humanbiologie mit Promotion in den Neurowissenschaften baut in Marburg das „Zentrum für Digitale Medizin“ auf. Unter seiner Leitung wurde die Web-App Covid-online entwickelt, die Bürgern der Region als digitales Leitsystem gilt, wenn sie Symptome einer COVID19-Erkrankung verspüren. Außerdem hat er langjährige Erfahrung mit digitalen Tools, die den Bedarf an personalisierten Informationen decken. Unter anderem gründete er Ada Health in Berlin. Hirsch: “Personalisierung kann über Devices wie das Smartphone und mit Unterstützung durch KI besser erfolgen als über statische Medien.“ 

Milliarden Euro beträgt das prognostizierte Marktvolumen in der EU für digitale Produkte und Dienstleistungen bis zum Jahr 2025.
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Prognosen bescheinigen KI im Gesundheitswesen enormes Potenzial

Das Potenzial von KI im Gesundheitswesen ist enorm: So prognostiziert die Roland-Berger-Untersuchung „Future of Health 2 – The rise of healthcare platforms” ein EU-weites Marktvolumen für digitale Produkte und Dienstleistungen von etwa 232 Milliarden Euro bis zum Jahr 2025 – ein Plus von fast 50 Prozent im Vergleich zur Prognose vom Vorjahr. COVID-19 hat die Digitalisierung der Branche nach Ansicht der Experten von Roland Berger um mindestens zwei Jahre beschleunigt. Auch die Analysten von Markets-and-Markets rechnen mit einem Wachstum bis 2025 um jährlich über 50 Prozent. Nach ihren Berechnungen lag der KI-Umsatz weltweit im Jahr 2019 bereits bei zwei Milliarden US-Dollar. Die Anwendung der KI für eine verbesserte Gesundheitsversorgung geht dabei weit über eine klinische Anwendung hinaus: Die Autoren eines im Harvard Business Review erschienenen Artikels vertreten sogar die Ansicht, dass der größte Wert von KI nicht in der Unterstützung der klinischen Entscheidungsfindung liegt, sondern in der kognitiven Unterstützung von Routine-Interaktionen. Kognitiven virtuellen Assistenten, die dialogorientiert sind und bei denen mit jeder Interaktion die Anzahl der Funktionen steigt, die sie übernehmen können, wird eine große Zukunft vorausgesagt: Ärzte und Pflegefachkräfte sollen hiermit von Routinetätigkeiten und administrativen Prozessen entlastet und bei der Planung und Durchführung von medizinischen und pflegerischen Interventionen unterstützt werden. Patienten wiederum hätten durch den virtuellen Assistenten rund um die Uhr Zugriff auf Routine-Informationen und Unterstützung.

„Künstliche Intelligenz wird die Gesundheitsversorgung grundlegend verändern, indem sie Erkrankte bereits zuhause ohne Zeitdruck und mit viel Hintergrundwissen personalisiert berät, und danach in Praxen und Kliniken Ärzte bei Diagnose und Therapie aktiv unterstützt.”
Prof. Dr. Martin Hirsch
Direktor des Instituts für Künstliche Intelligenz in der Medizin an der Philipps-Universität Marburg

Mittelhessen als Modellregion für KI-gestützte Gesundheit

Mithilfe von KI können aber vor allem Daten, die intelligente Maschinen und smarte Produkte sammeln, sinnvoll verknüpft und analysiert werden. Aus dem gewonnenen Wissen entstehen neue, effizientere Produkte und Dienstleistungen. Aber: Eine richtige KI lernt nicht nur aus Daten. Viele Probleme scheinen so individuell, dass es gar nicht genug Datensätze gebe, um die KI zu trainieren: “Wenn ich die personalisierte Medizin ernst nehme, muss ich der KI eine Grundform von Verstehen beibringen und sie argumentfähig machen”, sagt Hirsch. Erst dann könne sie angemessen mit einer individuellen Situation umgehen. “Intelligenz ist ja die Fähigkeit, in einer Situation zu bestehen, die ich noch nicht kenne”, so der Professor für Künstliche Intelligenz in der Medizin. 

Apps und andere Systeme sollten zum Wohl der Patienten genutzt werden. Dabei steht aber nicht nur der technologische Fortschritt auf dem Prüfstand, sondern es geht auch um Ethik und Vertrauenswürdigkeit, Verantwortungs- und Zulassungsfragen sowie um das Bild des Arztes in der Gesellschaft und die Ausbildung zukünftiger Ärzte. „Die Debatte um KI in der Medizin darf nicht nur eine technologische sein, sondern muss alle Facetten ärztlichen Handelns einschließen“, sagt Hirsch. Das gehe nur gemeinsam mit Fachleuten unterschiedlicher Disziplinen und in einem breiten Diskurs. Mittelhessen eignet sich aus seiner Sicht bestens für den Aufbau einer Modellregion für KI-gestützte Gesundheit. 

“Mit Martin Hirsch haben wir einen der internationalen Medizin-KI-Pioniere nach Marburg geholt”, erklärt Dr. Helmut Schäfer, Dekan des Fachbereichs Medizin der Philipps-Universität Marburg. An der Grenze zwischen Medizin und Informatik werden so in der Modellregion neue Studiengänge und Ausbildungsformate entstehen: „Die Professur für Künstliche Intelligenz in der Medizin ist für die Philipps-Universität ein wichtiger Baustein im Zusammenwirken von technischer Innovation und gesellschaftlicher Verantwortung“, sagt Universitätspräsidentin Prof. Dr. Katharina Krause. „Mit dem Aufbau des Zentrums für Digitale Medizin beweist die Universität Marburg, dass sie auch in diesem Bereich der Digitalisierung bereit ist, eine verantwortungsvolle Vorreiterrolle einzunehmen.” Und Dekan Schäfer ist sich sicher: „Die Methoden der Künstlichen Intelligenz in der Medizin werden, wissenschaftlich evaluiert und in der Hand von geschulten Ärztinnen und Ärzten und informierten Patientinnen und Patienten, zu einer noch besseren Medizin führen.” 

Digitale Transformation an Kliniken hat gerade erst begonnen

Das Spektrum an Angeboten reicht dabei von Telemedizin und Workflow-Management-Tools für Krankenhäusern und Arztpraxen über KI-Software für die Diagnostik, Robotik und KI im OP bis hin zur “Digitalisierung” der Patienten, die mittels Wearables etwa Gesundheitsdaten generieren. Während Monitoring-Apps und Video-Sprechstunden bereits zum Alltag vieler Patienten mit akuten oder chronischen Erkrankungen gehören, reicht das Ziel der digitalen Transformation noch viel weiter, wie Radiologe und KI-Experte PD Dr. Felix Nensa vom Smart Hospital Essen erklärt: “Wir machen die Medizin nicht nur besser, sondern auch wieder menschlicher.” Im Smart Hospital werden viele Routinetätigkeiten an diverse Software-Assistenten mit kompatiblen Schnittstellen delegiert. Das medizinische Personal kommuniziert digital mit Tablet und Messenger. 

Auch das Uniklinikum Gießen-Marburg (UKGM) ist auf dem Weg, mittels Digitalisierung eine zeitgemäße und optimale Versorgung der Patienten zu ermöglichen: „Künstliche Intelligenz erleichtert uns jetzt schon den medizinischen Alltag”, sagt Prof. Harald Renz, ärztlicher Geschäftsführer der Uniklinik Marburg. “Ich bin überzeugt, dass KI künftig weit größere Aufgabenfelder übernehmen wird.” Ein Beispiel: Bei einem Notfall übermittelt die Software eines Tablets alle Patientendaten aus dem Krankenwagen direkt ins Krankenhaus. So sind die Ärzte bei Ankunft des Patienten optimal vorbereitet. Das ist eines der digitalen Projekte, die das UKGM Marburg in Zukunft angehen möchte. 

Förderung von E-Health und Telemedizin für Mittelhessen

„Die digitale Transformation bedeutet für mich Fortschritt in der Patientenversorgung und Entlastung für medizinisches Personal”, erläutert auch Armin Häuser, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums für Telemedizin und E-Health Hessen. Seine Arbeit konzentriert sich vor allem auf die sektorenübergreifende elektronische Kommunikation, neue und bedarfsgerechte Versorgungsformen und bedarfsgerechte Versorgungsketten. Das Ziel: Ärzte und Ärztenetze, Krankenhäuser, Krankenkassen, Apotheken und Sanitätshäuser, Reha-Zentren, Pflegeeinrichtungen und Rettungsdienste noch besser zu vernetzen. “Telemedizin und E-Health sind hierfür nicht die alleinige Lösung, aber ein guter und wichtiger Ansatz”, sagt Häuser. Denn während immer mehr Menschen immer älter werden, leidet das Gesundheitssystem unter Fachkräftemangel und muss effizient arbeiten. 

Förder- und Beratungsbedarf je nach Unternehmensgröße sicherstellen

“Gerade deshalb legen wir als Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft des Landes Hessen großen Wert darauf, die Chancen des digitalen Wandels im Gesundheitswesen nicht zu verpassen und fördern die nachhaltige Weiterentwicklung hessischer Unternehmen”, sagt Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der Hessen Trade & Invest GmbH (HTAI) – die Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft des Landes Hessen. Dabei haben er und seine Mitarbeiter die unterschiedlichen Förder- und Beratungsbedürfnisse im Blick: Junge innovative Start-ups benötigen Kapital, nicht nur bei der Gründung, sondern insbesondere um auf dem Weltmarkt zu wachsen. Für kleine und mittlere Unternehmen sind digitale Kompetenzen und digital geschulte Mitarbeiter ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Und in der Industrie können intelligente Produktionsverfahren eine höhere Produktivität und Effizienz erzielen. 

“In Mittelhessen tut sich was”, so auch die Wahrnehmung von Prof. Dr. Martin Przewloka, Professor für Technologien und moderne Wirtschaftsinformatik an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM). Er hat das Start-Up 1ACare daher bewusst mit Sitz in Gießen gegründet und damit eine Vertriebsplattform entwickelt, die Sanitätshäuser und ihre Kunden digital zusammenbringt. “Ich persönlich sehe die größte Chance der Digitalisierung darin, dass sie den Menschen hilft besser mit ihrer Erkrankung zurecht zu kommen”, sagt Przewloka. Da das menschliche Gehirn begrenzte Speicherkapazitäten habe, spricht aus seiner Sicht nichts dagegen, einen leistungsfähigen Computer schneller und besser Datenmuster analysieren und akkuratere Entscheidungen treffen zu lassen. “Wir nutzen die Maschinen zur Unterstützung und gewinnen so wiederum Zeit für die eigentliche Arbeit am Patienten.”

Bis das auf allen Ebenen im Gesundheitswesen Realität wird, wird wohl noch etwas Zeit vergehen. Aber der Weg dorthin ist vorgezeichnet. Und viele Player in Mittelhessen sind ganz vorne mit dabei.

KI und Big Data: Ordnung im Datendschungel

Täglich werden Millionen medizinischer Daten und Patienteninformationen gespeichert. Mithilfe von leistungsstarken Rechnern und intelligenten Algorithmen können diese enormen Datenmengen – Big Data – effektiv ausgewertet und somit einem optimalen Nutzen für den Patienten zugeführt werden. „Die Medizininformatik ist heute in der Lage, riesige Datenmengen zu verarbeiten. Für die Zukunft der Medizin ergeben sich daraus ganz neue Perspektiven. Wir können so zum Beispiel aus der Analyse von anonymisierten Patientendatenbanken Schlüsse für die individuelle Therapie ziehen“, erläutert Prof. Dr. Keywan Sohrabi vom Fachbereich Gesundheit an der THM. 

Immer mehr Patienten sind auch bereit, ihre anonymisierten Daten für die Forschung an neuen Therapien zur Verfügung zu stellen. Für den einzelnen Arzt scheint es allerdings mittlerweile unmögliche alle Daten im Blick zu behalten oder gar auswerten zu können. KI-Tools werden so zu Assistenten: Sie liefern etwa bei der Prävention und Nachkontrolle wertvolle Hinweise und kontrollieren, dass nichts übersehen wird. 

Das Gießener Auftragsforschungsinstitut Alcedis GmbH verknüpft Big Data mit klinischen Studien. Das Ziel: Arzneimittel zur Zulassungsreife zu bringen und für Ärzte und Patienten zugänglich zu machen. „Wir bieten unseren Kunden maßgeschneiderte Software-Lösungen, um sie bestmöglich bei der Auswertung von Studiendaten zu unterstützen”, sagt Hanno Härtlein, Geschäftsführer der Alcedis GmbH. „Die Digitalisierung hilft hier beispielsweise schnellere Aussagen über Wirksamkeit und Sicherheit von Arzneimitteln zu treffen, da bestimmte Prozesse deutlich beschleunigt werden.

Künstliche Intelligenz: Berufskrankheiten frühzeitig vorbeugen

Künstliche Intelligenz (KI) hält zunehmend Einzug in das Arbeitsleben. Professor Dr. Martin Przewloka hat kürzlich einen Hauptpreis im Kontext KI und Arbeitsleben gewonnen: Sein Projekt “Intelligenter, digitaler Begleiter für präventives Arbeiten” wurde beim Ideenwettbewerb der Civic Innovation Plattform in der Kategorie Arbeit & Partizipation ausgezeichnet. Im Interview erläutert Prof. Dr. Martin Przewloka das Projekt und seine Sicht auf KI.

Was genau verbirgt sich hinter dem Projekt “Intelligenter, digitaler Begleiter für
präventives Arbeiten”?

Professor Dr. Martin Przewloka:
Grundlegend könnte man sagen: Wir wollen Daten rund um das Wohlbefinden eines
Menschen sammeln und nutzen, um präventive Maßnahmen ergreifen zu können.
Mittels des Einsatzes Künstlicher Intelligenz wird eine Anwendung realisiert, die
datengestützt – bei maximaler Datenschutzkonformität – individuelle, gesundheitliche
Risiken im Berufsumfeld identifiziert und gleichermaßen wirksame Prävention – also
Vermeidungsstrategien – aufzeigt. Als digitaler Begleiter kann diese Lösung helfen,
frühzeitig Risiken von Berufskrankheiten zu erkennen, wie sich diese aus einem
komplexen Zusammenspiel aller einflussnehmenden Parameter ergeben. Dazu zählen
unter anderem der Weg zum und vom Arbeitsplatz, die Bedingungen und das Umfeld
im Beruf, individuelle Dispositionen, demografische Merkmale und vieles mehr.

Welchen konkreten Nutzen sehen Sie für die Wirtschaft und für den Alltag von
Arbeitnehmern?

Einen wichtigen Nutzen stellt die Früherkennung von Berufskrankheiten dar. Wenn
sich bereits frühzeitig Anzeichen dafür erkennen lassen, können wir zielgerichteter
Präventionsmaßnahmen ergreifen. Das bedeutet auch Wettbewerbsvorteile für
Unternehmen, die Maßnahmen zur Vermeidung ergreifen und sich hier fortschrittlich
positionieren. Und Arbeitnehmer können aufrgund von Verhaltensänderungen im
Sinne einer nachhaltigen gesundheitsfördernden Lebensweise ebenfalls einen großen
Nutzen daraus ziehen.

Welche Berufsgruppen sprechen Sie mit ihrem Projekt an?

Grundsätzlich ist das Projekt für alle Berufsgruppen relevant. Zunächst werden wir
aber mit den Bereichen starten, in denen Menschen mit Bildschirm- oder
Heimarbeitsplätze einen hohen Anteil ihrer Arbeitszeit sitzend oder stehend
ausführen.

Wie sammeln Sie die notwendigen Daten?

Das zugrundeliegende Modell wird vor allem auf Daten gestützt, die sich aus drei Quellen
ziehen. Zum einen nutzen wir allgemeine Daten aus Studien und wissenschaftlichen
Quellen. Zudem setzen wir auch auf anonymisierte Daten agglomeriert aus den Nutzerdaten
zum Beispiel “Verhalten” und “Scoring” der Nutzer und wir nutzen individuelle Daten wie
Bewegungsdaten, Erhebungsdaten sowie Umfelddaten wie beispielsweise Lärm und Licht.
Die Daten werden aus den hierzu entsprechenden Quellen generiert, unter anderem auch
durch den Einsatz geeigneter Sensorik wie diese beispielsweise in einem Smartphone
vorhanden ist.

Wie lassen sich daraus dann präventive Maßnahmen ableiten?

Mit Methoden der KI (Künstliche Intelligenz) wird ein Modell generiert, welches sich
kontinuierlich über die historischen wie auch aktuellen Daten weiterentwickelt also
hinzulernt. Die Ableitung präventiver Maßnahmen nutzt Daten aus der Medizin und
Forschung, um hieraus Präventionsempfehlungen zu geben. Gleichermaßen
werden aber auch die Verlaufsdaten des Users genutzt – also Verbesserung oder
Verschlechterung –, um hiermit ebenfalls durch den Einsatz des lernenden
Algorithmus die wirksamen von den weniger wirksamen Maßnahmen zu
differenzieren.

Welchen Zeithorizont/welche Meilensteine haben sie sich gesteckt für Ihr Projekt?

Aktuell arbeiten wir daran das Projekt konkret zu spezifizieren, um hieraus einen
förderfähigen Antrag beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) zu
generieren. Kleinere Vorarbeiten wie beispielsweise die Prototypisierung von
Datengenerierungswerkzeugen werden ebenfalls erfolgen. Wird der Antrag positiv
beschieden – Zeithorizont ist hierbei Ende 2021 – soll die Umsetzung des Projekts
erfolgen.

Wann werden wir die Ergebnisse für die Praxis nutzen können?

Nun, wenn alles wie geplant läuft, dann sollte die Pilotierung-Phase zwölf bis 18
Monate nach Projektstart abgeschlossen sein. Das bedeutet etwa ab Ende 2022 oder
Beginn 2023.

Was hat Sie zu diesem Projekt inspiriert?

Wir haben hervorragende Ergebnisse in der automatisierten Vorhersage
unerwünschter Nebenwirkungen im Kontext klinischer Medikamentenstudien erzielt.
Das hat uns dazu bewogen, weitere Anwendungsfälle hierfür zu identifizieren. Die
Übertragung in Richtung Beruf bzw. Berufskrankheiten war dabei die
vielversprechendste Idee.

Wo kann aus Ihrer Sicht KI unseren Arbeitsalltag verbessern?

Sicherlich in allen Lebensbereichen, in denen wir den Einsatz eines digitalen
Assistenten akzeptieren. Dies betrifft nicht nur den hier beschriebenen
Anwendungsfall, sondern geht natürlich auch in die Verrichtung der Arbeitstätigkeiten
über. Aus meiner Sicht ist der Bereich der monotonen, wenig kreativen und
unangenehmen Tätigkeiten hierfür prädestiniert. Diese Form der Automatisierung, die
im Gegensatz der Fließbandautomatisierung, auch bspw. ein Entscheidungsverhalten
inkludiert, bietet sich sofort an. Stellen Sie sich bspw. die
Massenwareneingangskontrolle im Rahmen einer Sichtprüfung vor. Hier kann eine
intelligente, smarte Bildverarbeitung den Arbeiter entlasten und Mehrwert für Alle
liefern.

Welche Chancen und Risiken sehen Sie in einer breiten Nutzung von KI im
Arbeitsleben?

Die Chancen liegen in der Entlastung der Arbeiten, der Flexibilisierung und
Effizienzsteigerung. Dies führt zu Wettbewerbsvorteilen für die heimische Wirtschaft.
Die Gefahren bestehen aus meiner Sicht nicht in den so oft zitierten Verlusten der
Arbeitsplätze. Hier wird es sicherlich zu Verschiebungen kommen, aber nicht zu
volkswirtschaftlichen Effekten einer hieraus resultierenden Steigerung der
Arbeitslosenquote. Im Gegenteil! Die Gefahr sehe ich vielmehr an zwei Stellen: 1.
Überschätzung und nicht zielgerichtete Anwendung dieser Technologie, damit
einhergehend auch die steigende Komplexität der Systeme und 2. Potenzielle
Ausgrenzung von Menschen, die mit diesen Technologien nicht Schritt halten können.
Letzteres kann bildungsseitig aber auch gesundheitlich bedingt sein.

Wo sehen Sie das größte Potenzial für KI-Anwendungen in den kommenden fünf
Jahren?

Primär zunächst in der Prozessautomatisierung für alle Industriesegmente. Sowohl in
der Produktion wie auch im Dienstleistungssektor.

Welche Arbeitsbereiche wird KI Ihrer Meinung nach am wenigsten tangieren –
und warum?

Die Kannibalisierung oder den Ersatz von gesamten Wertschöpfungsbereichen. Der
gelegentlich zitierte Wegfall des Steuerberaters, des Finanzberaters, des
Rechtsberaters oder des Verkäufers wird nicht stattfinden.

 

Prof. Dr. Martin Przewloka:

Prof. Dr. Martin Przewloka zählt zu den Meinungsführern und Vordenkern in der
Konzeptionierung, Umsetzung und Folgenabschätzung Digitaler Transformationen über
sämtliche Industriebereiche hinweg. Hierzu zählen auch die Prinzipien der sogenannten „Industrie 4.0“, des „Internets der Dinge“ und der Schaffung Digitaler Assistenzsysteme: von
der Vision bis hin zur praktischen Realisierung. Er blickt heute auf 30 Jahre Berufserfahrung
als Manager, Unternehmer und Wissenschaftler zurück. Sämtliche Stationen seines
Lebenslaufs sind von der Evaluierung und Adaption neuer Technologien geprägt, mit dem
Ziel, Mehrwerte für den Kunden zu schaffen. Die Anwendung und Nutzung der Methoden
der Künstlichen Intelligenz begleitet ihn beinahe sein gesamtes Berufsleben, wenngleich die
Bedeutung und Präsenz dieser Technologie gerade in den letzten fünf Jahren signifikant
zugenommen hat.

„Brushalyze“: Neues Forschungsgerät für die Zahnmedizin

Fast alle Menschen putzen täglich ihre Zähne, aber putzen sie auch richtig? Forscherinnen und Forscher der Universität Kassel, der Justus-Liebig-Universität (JLU) und der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) haben dazu ein neues Projekt gestartet: „Brushalyze“. Dabei analysiert ein neues Forschungsgerät detailliert und vollautomatisch den Zahnputzvorgang und so ein genaueres Studium ermöglichen. Auch künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen soll dabei zum Einsatz kommen. 

Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU)

„90 Prozent der Bevölkerung putzen täglich die Zähne, trotzdem leiden über 70 Prozent an Entzündungen des Zahnfleisches oder des Zahnbettes. Das heißt, alle wissen, wie wichtig Zähneputzen ist, aber fast niemand macht es richtig“, sagt Prof. Dr. Bernhard Sick, Leiter des Fachgebietes Intelligente eingebettete Systeme an der Universität Kassel.
Das Interesse ist groß, das Zähneputzen besser zu verstehen: Die Zahnmedizin sieht die Konsequenzen schlechter Mundhygiene, für die Krankenkassen entstehen Kosten. Auch in der Altenpflege ist relevant zu wissen, wie man anderen Personen am besten die Zähne putzt, und die Bewegungswissenschaften interessieren sich dafür, wie man bestimmte Bewegungsabläufe antrainiert und automatisiert.

Zähneputzen ist nicht trivial

Daher entwickeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Projektes „Brushalyze“ ein neues Forschungsgerät, das eine detaillierte Analyse des Zahnputzvorgangs automatisiert vornimmt und so ein genaueres Studium ermöglicht. Damit leisten Prof. Dr. Renate Deinzer von der JLU Gießen, Prof. Dr. Keywan Sohrabi von der THM und Prof. Dr. Bernhard Sick mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wichtige Impulse für die Grundlagenforschung der Zahnmedizin. Diese kann mit dem neuen Gerät das Zähneputzen zukünftig tiefer analysieren. Die Zahnmedizin begleitet das Projekt während der Entwicklung im Rahmen des Wissenschaftlichen Beirats.
Die genaueste Analyse des Zahnputzvorgangs liefert bislang die Videoanalyse durch in Beobachtungsmethoden geschultes Personal. „Dieses zu trainieren und dann die Beobachtungen durchzuführen, ist äußerst zeitaufwändig“, erklärt Prof. Dr. Renate Deinzer, Leiterin des Instituts für Medizinische Psychologie der JLU Gießen. „Die Analyse eines Zahnputzvorgangs von wenigen Minuten erfordert mehrere Stunden. Gleichzeitig können wichtige Details bei einer rein visuellen Beobachtung nicht analysiert werden.“

Eine intelligente Zahnbürste für die Forschung entsteht

Dr. Keywan Sohrabi, Professor für Medizinische Informatik an der Technischen Hochschule Mittelhessen, entwirft die Hardware. In eine manuelle Zahnbürste werden Sensoren integriert, um Bewegungsrichtung, Kraft und andere physikalische Größen zu messen. „Mit diesem Prototyp können wir erste Studien durchführen und Daten erfassen“, erklärt Sohrabi. Sicks Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entwickeln aus diesen Sensordaten mit Verfahren des maschinellen Lernens ein Modell, um den Zahnputzvorgang abzubilden: Welche Zahnfläche wird gerade geputzt? Wird die Bürste kreisend oder horizontal bewegt? Welcher Druck wird aufgewandt und wurde der Zahnbelag erfolgreich entfernt? Das ersetzt die Videoanalyse. Das auf die Beobachtung von Zahnputzvorgängen spezialisierte Team der Medizinischen Psychologie liefert wiederum Basisdaten und prüft die Plausibilität der automatisierten Auswertungen. So entsteht ein neues Forschungsgerät zur Grundlagenforschung in der Zahnmedizin.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert „Brushalyze“ für drei Jahre mit mehr als 750.000 Euro. Die Uni Kassel erhält 293.250 Euro, die JLU Gießen 232.900 Euro und die THM 251.050 Euro. Das Projekt wird von einem hochrangig besetzten Wissenschaftlichen Beirat mit 16 Mitgliedern aus der Zahnmedizin, der Psychologie und der Informatik begleitet.

 

 

Kontakt:

Universität Kassel
Prof. Dr. rer. Nat. Bernhard Sick
Leiter Fachgebiet Intelligente Eingebettete Systeme
Tel.: 0561 804 6020
E-Mail: bsick@uni-kassel.de

Justus-Liebig-Universität GießenProf. Dr. Renate Deinzer
Leiterin des Instituts für Medizinische Psychologie
E-Mail: Renate.Deinzer@mp.med.uni-giessen.de

Technische Hochschule Mittelhessen
Prof. Dr. rer. physiol. Keywan Sohrabi
Fachbereich Gesundheit, Medizinische Informatik
Tel.: 0641 309 6600
E-Mail: keywan.sohrabi@ges.thm.de

Seltene Erkrankungen sind häufiger als man denkt

In Mittelhessen schafft ein starkes Netzwerk aus Industrie und Forschung besondere Aufmerksamkeit und Hilfe für Patienten mit seltenen Erkrankungen. Sabine Pitschula ist eine von ihnen. Anlässlich des Rare Disease Day am 28. Februar sprach Moderator Dr. Eckart von Hirschhausen mit ihr und Medizin-Experten eines Kompetenz-Netzwerkes über den oft langen Weg zur Diagnose und die therapeutischen Möglichkeiten.

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Wer Sabine Pitschula heute sieht, erlebt eine lebensfrohe Frau, die scheinbar nichts so schnell aus der Ruhe bringt. Doch ihr Weg dorthin war lang und beschwerlich. Schon als Kind litt sie an verschiedensten Erkrankungen, die kein Arzt in den Griff bekam. Etwa 50 Jahre hat es gedauert, bis die heute 54-Jährige endlich die richtige Diagnose erhielt: „Sie leiden an einem primären Immundefekt, eine seltene Erkrankung.” 

Am „Tag der Seltenen Erkrankungen” rücken solche und ähnliche fast unbekannte Leiden stärker ins Licht der Öffentlichkeit. In den Schaltjahren wird passenderweise der 29. Februar dafür genutzt, der seltenste Tag, sonst findet er am 28. Februar statt. Jedes Jahr organisieren Patientennetzwerke, Verbände und Unternehmen zum weltweiten Aktionstag Veranstaltungen, um auf seltene Erkrankungen und ihre Auswirkungen hinzuweisen. Unter dem Motto „Ein starkes Netzwerk für die Waisen der Medizin” trafen sich in Marburg Patienten, renommierte Wissenschaftler und Unternehmensvertreter, um über ihre Erfahrungen mit Seltenen Erkrankungen sowie über ihre Motivation zu berichten, sich auf diesem Gebiet für mehr Aufklärung und Forschung zu engagieren.

Der bekannte Moderator Dr. Eckart von Hirschhausen sprach mit Patientin Sabine Pitschula, mit Prof. Dr. Jürgen Schäfer, dem Leiter des Zentrums für unerkannte und seltene Erkrankungen (ZusE) am Uniklinikum Gießen-Marburg (UKGM), und mit Prof. Dr. Martin Hirsch, der den Lehrstuhl Künstliche Intelligenz in der Medizin an der Philipps Universität Marburg hält. Außerdem dabei waren Dr. Dirk Hoheisel, General Manager bei CSL Behring, und Berthold Süsser, Geschäftsführer der CSL Plasma GmbH. Sie schilderten die Komplexität und die Herausforderungen in der Produktion von Therapien gegen Seltene Erkrankungen. 

Mit dem ZusE an der Universitätsklinik Marburg, der Universität Marburg, CSL Plasma und CSL Behring sind in der Region Marburg wichtige Kompetenzen gebündelt, die gemeinsam daran forschen und arbeiten, dass Patienten mit Seltenen Erkrankungen zukünftig schneller geholfen werden kann. 

Sabine Pitschula wäre froh über eine raschere Diagnose gewesen. Unzählige Facharztpraxen musste sie besuchen, bis ein Mediziner endlich erkannte, woran sie leidet. „Jeder Arzt betrachtete sein Fachgebiet, aber keiner alle meine Symptome zusammen”, erinnert sie sich heute. Irgendwann hatte sie das Gefühl, nur noch eine nervige Patientin für die Mediziner zu sein und  fühlte sich im Stich gelassen. Das Vertrauen in Ärzte hatte Sabine Pitschula auf ihrem langen Leidensweg verloren, bis sie vor wenigen Jahren auf einen Immunologen traf, der ihr helfen konnte. Heute will sie anderen Betroffenen vor allem eines mitgeben: „Sie sind nicht alleine!”

Detektivarbeit im Sinne der Patienten

Das möchte auch Prof. Dr. Jürgen Schäfer vermitteln. Er und sein Team haben mit dem ZusE in Marburg etwas geschaffen, das Vorbildcharakter weit über Hessen hinaus gewonnen hat. Im ZusE fahnden sowohl Ärztinnen als auch Wissenschaftler nach der richtigen Diagnose eines unklaren Krankheitsbildes, und seien der Stoffwechseldefekt oder die Immunschwäche auch noch so selten. Das Zentrum wird seit seiner Gründung im Dezember 2013 von Patientenanfragen regelrecht überflutet. In Schäfers Büro stapeln sich die Zuschriften und trotz langer Arbeitstage ist die Wartezeit für die Patienten extrem lang, – viel zu lang, wie Schäfer meint. Das ZusE hat den Anspruch sich sowohl um seltene als auch bislang unerkannte Erkrankungen zu kümmern, denn: „Den Patienten ist es egal, ob die Krankheit selten oder häufig ist. Für sie ist wichtig, dass ihnen geholfen wird.” 

Prof. Dr. Jürgen Schäfer

Im ZusE haben die Forschenden, was viele Ärztinnen und Ärzte in ihren Praxen heute immer weniger haben: Zeit – für die Patienten, ihre Krankheitsgeschichte und Literatursuche. Zeit, die das Uniklinikum trotz aller Sparzwänge im Gesundheitswesen dem ZusE Team gewährt, – ein Investment, das oftmals zum Ziel führt und zeigt, wie wichtig der Faktor Zeit in der Medizin ist. „Vor allem die ausführliche Erhebung der Vorgeschichte sowie die akribische Sichtung der Vorbefunde des Patienten kommen heute aus Zeitmangel häufig zu kurz und verhindern die Diagnosefindung bei komplizierten Erkrankungen“, erklärt der ZusE-Leiter. 

ZusE – das Akronym ist angelehnt an den Namen von Konrad Zuse, den Entwickler der modernen Computertechnik. Der Grund: „Neben anderen Aspekten wie etwa Bildgebung, Labor und Anamnese spielen bei uns Computertechnik und Künstliche Intelligenz für die Diagnosefindung eine ganz große Rolle“, erklärt Prof. Dr. Schäfer.

Computer lassen sich nicht beeinflussen

Ein Experte auf diesem Fachgebiet sitzt in Marburg quasi nebenan. Seit 2020 hat Prof. Dr. Martin Hirsch an der Universität Marburg eine Professur für KI in der Medizin. Hirsch erklärt: „Ich glaube, dass die Medizin heute die Möglichkeiten unseres Gehirns latent überfordert.” Künstliche Intelligenz könne einen Arzt, der das Gefühl hat „hier ist irgendwas komisch“, aber nicht weiß, was es ist, bei der Diagnosestellung unterstützen. „Die Verknüpfung von Datensätzen ist in mancher Hinsicht den Menschen voraus”, sagt Hirsch und erläutert:

„Menschen neigen zur sogenannten „Confirmation Bias“, also dazu, erstmal ihre eigenen Annahmen und Erwartungen zu bestätigen und das Unwahrscheinliche auszublenden. Computer tun das nicht.”
Prof. Dr. Martin Hirsch
Professor für KI in der Medizin

Moderator Dr. von Hirschhausen ist selbst Mediziner. Er kennt das Phänomen und erinnert sich an einen Satz aus einer Medizinvorlesung: „Wenn du Hufgetrappel hörst, denk nicht an Zebras, denk erstmal an Pferde. Denn Häufiges ist häufiger als Seltenes. Aber“, fasst Hirschhausen zusammen, „Seltenes ist eben doch viel häufiger als man denkt”. Doch man muss es erstmal erkennen, und das ist bei Seltenen Erkrankungen eine große Herausforderung. Mittels KI könne die Sachlage und die Krankheitsgeschichte rund um den Patienten schneller geklärt werden, so dass dem Arzt mehr Zeit für den Patienten bliebe, sagt Hirsch und ergänzt: „So kann KI die Medizin am Ende wieder menschlicher machen.”

Dass Schäfer und Hirsch nun beide im mittelhessischen Marburg arbeiten, erleichtert die Entwicklung auf diesem Gebiet. Gemeinsam haben sie zum Beispiel über 1000 Fragen für ein Anamnesetool zusammengetragen, die perspektivisch mit der Unterstützung von künstlicher Intelligenz aufgearbeitet werden sollen. 

Jürgen Schäfer ist seit 2018 offizieller „Botschafter Mittelhessens“. „Hessen und insbesondere Mittelhessen ist eine extrem forschungsstarke, innovative Region im Bereich der Medizin mit jahrhundertelanger Tradition, ein toller wissenschaftlicher Standort im Herzen Europas mit exzellenten, hochmotivierten Forschenden und unglaublich viel Charme, – aber deutlich weniger Ablenkung als in den Metropolen“, sagt er schmunzelnd. „Zusätzlich haben wir mit vielen Unternehmen wie beispielsweise CSL Behring traditionell eine sehr enge Verknüpfung im Forschungsbereich und in der Therapie.“

Seltene Erkrankungen

In der Europäischen Union gilt eine Erkrankung als selten, wenn nicht mehr als 5 von 10.000 Menschen von ihr betroffen sind. Da es mehr als 6.000 verschiedene Seltene Erkrankungen gibt, ist die Gesamtzahl der Betroffenen hoch. Immundefekte, neurologische Defekte und endokrinologische Defekte machen einen Großteil der Seltenen Erkrankungen aus. (Etwa 80 % der Krankheiten sind genetisch bedingt oder mitbedingt, selten sind sie heilbar.) Im Schnitt dauert es 5 Jahre, bis die Diagnose „Seltene Erkrankung” steht. Allein in Deutschland leben Schätzungen zufolge etwa vier Millionen Menschen mit einer Seltenen Erkrankung, in der gesamten EU geht man von 30 Millionen Menschen aus.

Blutplasma-Medikamente sind unersetzlich

CSL Behring setzt sich seit mehr als 100 Jahren für Menschen mit seltenen und schweren Erkrankungen ein. Um Leben zu retten und die Lebensqualität der Patienten wie auch ihrer Familien zu verbessern, erforschen und entwickeln die Mitarbeitenden Medikamente und Behandlungsmethoden ständig weiter. Mit z.B. rekombinanten oder aus Blutplasma gewonnenen Produkten können Gerinnungsstörungen, Immunschwächen und andere chronische seltene Erkrankungen behandelt und damit Menschen auf der ganzen Welt geholfen werden, wie auch Sabine Pitschula. Als sie vor wenigen Jahren endlich die richtige Diagnose erhielt, war sie unendlich erleichtert. Im Gespräch berichtet sie davon, wie positiv sich ihr Leben seit Beginn der für sie passenden Therapie, geändert hat. „Die Therapie bedeutet für mich eine immense Verbesserung der Lebensqualität”, sagt Pitschula. Seitdem weiß sie auch, wie wichtig Blutplasma in der Medikamentenherstellung ist: „Es unterscheidet für mich Leben vom Tod.“

Dr. Dirk Hoheisel, General Manager bei CSL Behring, erläutert: „Vor allem der Einsatz der Immunglobuline hat in den letzten Jahren extrem zugenommen. Viele Medikamente dieser Gruppe können Menschen mit schweren Erkrankungen helfen. Deshalb gehe ich davon aus, dass Blutplasma-Medikamente, wie Frau Pitschula sie erhält, auch in den nächsten Jahrzehnten eine wichtige Rolle spielen werden.” Berthold Süsser, Geschäftsführer der CSL Plasma GmbH, fasst zusammen: „Plasma ist ein lebensrettender Rohstoff. Allerdings ist die Plasmaspende weit weniger bekannt als die Blutspende. Es ist wichtig, dass wir gemeinsam das Bewusstsein für die Plasmaspenden fördern, denn weltweit benötigen über eine Million Kinder und Erwachsene Medikamente, die aus Plasma hergestellt werden.“