Wie entwickelt sich der Life Science Standort Mittelhessen?

Der VDI Mittelhessen und das Regionalmanagement Mittelhessen laden am 20. März 2025 auf die High-Tech Messe W3+ Fair in Wetzlar ein. Diskutieren Sie mit, über die Bedeutung der Schlüsselbranche Life Science für den Standort.

Das vollständige Programm und Anmeldung finden Sie hier.

Healthcare-Storys
TransMIT-Projektbereich für Versorgungsforschung initiiert weitere umfassende empirische Studie zur aktuellen Betreuungs- und Versorgungslage von Schwerstkranken und Sterbenden
Artikel lesen
OPTIMA pharma GmbH zeigt, wie Gefriertrocknung in der Pharma-Branche zum Einsatz kommt.
Artikel lesen
KI bei Hüft-Operationen: Durch die kontinuierliche Analyse von Geräuschen kann “Fit with Hit” sowohl vorhersagen, wann das Implantat richtig sitzt, als auch ein mögliches Frakturrisiko abschätzen.
Artikel lesen
Bei medizinischen Notfällen kommt es auf Schnelligkeit an. Das gilt auch für Informationen. Je schneller sie von den Rettungskräften vor Ort zu den behandelnden Ärzten in die Klinik kommen, desto besser für den Patienten. Dafür hat CRS medical die elektronische Patientenakte Medgate entwickelt.
Artikel lesen
Ob Green Tech, nachwachsende Rohstoffe oder digitale Lösungen für die Klimaneutralität – der Trend geht zu verantwortungsvoller Zukunft.
Artikel lesen
mRNA – Eine neue Technologie hat den schnellen Weg zum Impfstoff im Kampf gegen Corona ermöglicht. Die Technologie ermöglicht es, den Impfstoff schnell an Virus-Varianten anzupassen. Und kann noch für viele andere Anwendungen im Pharmabereich bahnbrechend sein.
Artikel lesen

SPANNENDE STORY? INNOVATIVER SERVICE?

Wir bringen Ihren Content auf den Blog für die Medizinwirtschaft in Mittelhessen.
Kontaktieren Sie uns. 

FOLGEN SIE UNS AUF…

facebook - Healthcare Mittelhessen   LinkedIn - Healthcare Mittelhessen   LinkedIn - Healthcare Mittelhessen

Neue Studie: Psycho-soziale Bedingungen des Sterbens in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen

TransMIT-Projektbereich für Versorgungsforschung initiiert umfassende empirische Studie zur aktuellen Betreuungs- und Versorgungslage von Schwerstkranken und Sterbenden.

Foto: Niklas Günther/TransMIT GmbH

Vor genau zehn Jahren ermittelte das Team um Prof. Wolfgang George, Leiter des TransMIT-Projektbereichs für Versorgungsforschung, 2012 in einer deutschlandweiten Studie die psycho-sozialen und medizinisch-pflegerischen Bedingungen der Betreuung von schwerstkranken und sterbenden Patienten/-innen in Krankenhäusern und stationären Pflegeeinrichtungen. Seither ist einiges rund um die Versorgung Sterbenden geschehen, es hat neue Gesetzeswerke gegeben wie etwa dasjenige zur Stärkung der hospizlichen und Palliativversorgung (HPG 2015). Auch der gesellschaftliche Wille zu einer weitergehenden Einbindung der Betroffenen – wie beispielsweise durch das Advance-Care-Planing Verfahren (ACP) in den stationären Pflegeeinrichtungen vorgetragen – wurde unüberhörbar formuliert. Es sind aber auch äußere Umstände wie insbesondere die mit der Corona Pandemie einhergehenden Auswirkungen, die den Versorgungsalltag im Krankenhaus und den Pflegeeinrichtungen zum Teil erheblich betroffen haben und noch immer betreffen.

All dies sind gute Gründe, um sich ein aktuell gültiges Bild zur Versorgung Sterbender – aus der Perspektive der betroffenen Helfer/-innen – zu machen. Und damit zugleich auch die Frage zu beantworten, wie sich die Versorgung im unmittelbaren Vergleich innerhalb der vergangenen 10 bzw. 35 Jahre weiterentwickelt hat?

Wie in den vorausgegangenen Studien gibt es keine finanziellen oder anderen Interessen, welche die Fortschreibung der „Gießener Studien zu den Sterbebedingungen“ beeinflussen. Die Ergebnisse werden in den Fachzeitschriften, einer Studienwebsite und in anderer Form veröffentlicht und kommuniziert. Um die Situation zu beschreiben, wird ein leicht angepasster Fragebogen verwendet, der in ungefähr 15 Minuten gut zu beantworten ist. Dieser richtet sich an die Mitarbeiter/-innen von Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Hospizen.

Erfasst werden Art und Ausmaß der geübten Kommunikation und Information, die Qualität der Ausbildung, das Ausmaß der Einbeziehung der Angehörigen, der Symptomkontrolle und andere wichtige psycho-soziale, aber auch medizinisch-pflegerische Aspekte der Betreuung von Schwerstkranken und Sterbenden.

Der Online-Fragebogen ist unter https://www.sterbestudie.de/ hinterlegt und kann ab 25. Mai 2022 dort unmittelbar beantwortet werden. Erste Studienergebnisse sollen ab Ende des Jahres vorliegen.

Firmenporträt

TransMIT GmbH

Die TransMIT GmbH erschließt und vermarktet im Schnittfeld von Wissenschaft und Wirtschaft seit 1996 mit rund 160 Angestellten das Innovations-Potenzial zahlreicher Wissenschaftler aus mehreren Forschungseinrichtungen in und außerhalb Hessens. Direkt aus den drei Gesellschafterhochschulen der TransMIT GmbH (Justus-Liebig-Universität Gießen, Technische Hochschule Mittelhessen und Philipps-Universität Marburg) bieten mehr als 160 TransMIT-Zentren unter professioneller wissenschaftlicher Leitung innovative Produkte, Technologien, Dienstleistungen sowie Weiterbildungsveranstaltungen aus nahezu allen Fachrichtungen an. Der Geschäftsbereich Patentverwertung identifiziert und bewertet im Kundenauftrag Produktideen und Forschungsergebnisse und bietet diese international für Lizenzierung oder Kauf an. Das betreute Portfolio umfasst dabei alle Technologiefelder deutscher Hochschulen. Ergänzt wird dieses Angebot durch Leistungen für das komplette Innovationsmanagement von der Idee bis zum marktreifen Produkt im Geschäftsbereich Managed Innovation Services (MIS), insbesondere Fördermittelberatung und Projektmanagement für kleine und mittelständische Unternehmen. Darüber hinaus initiiert und betreut das Geschäftssegment Kooperationsnetzwerke & Neue Märkte Netzwerke zwischen KMU, die sich proaktiv weiterentwickeln wollen. Die TransMIT GmbH hat bei mehreren Rankings im Auftrag verschiedener Bundesministerien jeweils den 1. Platz unter den 21 größeren Technologietransfer-Unternehmen in Deutschland erreicht und ist autorisierter Partner des BMWi-Programms „go-Inno“ sowie der Innovationsberatung des BAFA. Referenzprojekte sind u. a. das Museum „mathematikum“, das Clustermanagement für die Medizinwirtschaft „timm“ und die BMWi-Projekte „SIGNO KMU-Patentaktion“ und „-Erfinderfachauskunft“ sowie „WIPANO Unternehmen“. Aktuell ist die TransMIT GmbH federführender Partner der EU-Initiative KETBIO (Key Enabling Technologies in Biotechnology) und gehört zum Projektkonsortium des europäischen Programms zur Förderung der Biotechnologie als einer von sechs bedeutenden Schlüsseltechnologien (KETs) des EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation Horizont 2020.

Eiskalt getrocknet: Peptide in stabiler Form

Biopharmazeutika sind als Flüssigkeit oft instabil und daher schlecht haltbar. Dazu zählen auch deren Rohstoffe wie Peptide oder Olionukledide, die für die Herstellung wichtiger biopharmazeutischer Arzneimittel notwendig sind. Die Gefriertrocknung ist ein Weg, um die empfindlichen Moleküle in eine stabile Form zu bringen. Das Unternehmen Optima Pharma GmbH in Gladenbach entwickelt und produziert diese Sonderanlagen, die sich auch für diese Arzneimittel-Wirkstoffe eignen.

Foto: OPTIMA pharma GmbH

Gefrostet, unter Druck gesetzt, erhitzt: Was sich nach Quälerei anhört, ist für Biopharmazeutika und viele andere Arzneimittel nicht nur Alltagsroutine im Herstellprozess, sondern auch eine schonende Methode, um überflüssiges Wasser zu verlieren. Zurück bleibt eine feinpulvrige Substanz: der gewünschte Wirkstoff. Die Gefriertrocknung, im Fachjargon Lyophilisation genannt, ist für die Pharmabranche eine Methode der Wahl. Das Verfahren bringt Antibiotika und Hormone, Antikörper und RNA basierende Impfstoffe sowie viele andere Arzneimittel sehr schonend in eine lagerungsfähige, feste Pulverform. „Zwar erhalten Patienten diese Medikamente meist in flüssiger Form und nicht als Tablette, aber als Flüssigformulierung sind die meist empfindlichen Moleküle nicht besonders stabil. Sie können sich in ihrer Struktur verändern und so ihre Wirksamkeit verlieren. Zudem besteht die Gefahr, dass das Wasser verkeimt”, erklärt Stephan Reuter, Geschäftsführer der Optima Pharma GmbH am mittelhessischen Standort Gladenbach. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung und Produktion von Anlagen zur Gefriertrocknung spezialisiert.

Gefrorenes Wasser schonend verdampft

Doch was macht die Gefriertrocknung zu einem schonenden Verfahren? Es ist das gefrorene Wasser, was unter Vakuum verdampft (Sublimation), während die Temperatur behutsam wieder erhöht wird. Zurück bleibt im Idealfall nur das gewünschte Produkt, und zwar als feines Pulver. Den anderen Weg, eine gelöste Substanz vom Wasser zu befreien, kennt jeder aus der Küche: solange kochen, bis das flüssige Wasser vollständig verdampft ist. Allerdings ist das alles andere als schonend. Die große Gefahr ist, dass das Produkt durch die anhaltenden hohen Temperaturen irreversiblen Schaden nimmt. Zudem verdampft beim Erhitzen nicht nur das Wasser, sondern auch das gewünschte Produkt kann in den gasförmigen Zustand übergehen und ist damit verloren. „Die Gefriertrocknung ist dagegen eine sichere Methode und altbewährt, um auch empfindliche Biopharmazeutika in ein stabiles und lagerfähiges Produkt zu überführen”, sagt Reuter. 

Biopharmazeutika – gerne gefriergetrocknet

Die Corona-Pandemie, aber auch die wachsende Zahl von biologischen Arzneimitteln und deren Transport über weite Strecken, erhöht die Nachfrage in Sachen Gefriertrocknung weiter. Optima Pharma hat seine Produktionsfläche in Gladenbach, wo die Gefriertrocknungsanlagen hergestellt werden, verdoppelt. Und auch die Anzahl der Mitarbeiter am Standort ist seit 2014 fast zweimal so groß. Der Exportanteil des Unternehmens liegt bei mehr als 85 Prozent. Mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von sieben bis zehn Prozent kann das Unternehmen optimistisch in die Zukunft blicken. Und Reuter ist zuversichtlich, dass sich der positive Trend fortsetzen wird: „Bereits heute ist ungefähr ein Fünftel der 100 wichtigsten Arzneimittel gefriergetrocknet, bei den biologischen Arzneimitteln ist es schon fast die Hälfte”, sagt Reuter. Der Diplom-Ingenieur bringt zwei Jahrzehnte Berufs- und Führungserfahrung in der Pharma-Branche mit und weiß: „Damit sind auch die Anforderungen an den Gefriertrocknungsprozess selbst gestiegen. Dafür erarbeiten wir innovative und maßgeschneiderte Lösungen.”

Peptide als aussichtsreiche Arzneimittel-Kandidaten

Vor allem das Gefriertrocknen von Peptiden erfordert komplexe Produktionsprozesse und spezielle Kenntnisse. Peptide sind kleine Proteine, also Eiweiß-Moleküle. Sie bestehen aus mehreren über Peptidbindungen verknüpften Aminosäuren. Peptide haben zahlreiche Funktionen – manche fungieren zum Beispiel als Botenstoffe in Pflanzen, andere wiederum als Hormone im menschlichen Körper. Für die kleine Proteine gibt es aufgrund ihrer Eigenschaften zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten in der Molekular­biologie, Immunologie und (Bio-)Medizin. Für Krebspatienten bieten sie beispielsweise die Chance, dass sich in Zukunft individuelle Impfstoffe herstellen lassen – und damit eine vielversprechende Strategie für eine effektive Therapie. „Peptide sind hochwirksam, und sie weisen eine hohe Selektivität und Spezifität hinsichtlich ihrer biologischen Zielstrukturen auf”, erklärt Reuter. Peptide bieten damit eine aussichtsreiche Perspektive für neuartige Wirkstoffdesigns und sind für die Arzneimittelentwicklung von großem Vorteil.”

"Fakt ist, dass kein Gefriertrockner von der Stange funktioniert. Wir müssen die Anlage auf das jeweilige Pharma-Produkt, die Kundenwünsche und die Gegebenheit vor Ort anpassen. Das ist unser besonderes Knowhow als Sonderanlagenbauer."
Stephan Reuter
Geschäftsführer von OPTIMA pharma GmbH

Die hohe Kunst des Gefriertrocknens

Aufgrund ihrer großen Vielseitigkeit müssen die Gefriertrocknungsanlagen ebenfalls auf die Bedürfnisse der Peptid-Produktion ausgelegt sein, deren letzte Stufe die Fest-Flüssig-Trennung umfasst. „Dabei wird das Lyophilisat, auch Gefriertrocknungskuchen genannt, bei unserem Kunden in Behältnissen gewonnen, die an Backbleche erinnern”, sagt Reuter. Die final vorliegenden, stabilen Peptide liegen dann von Milligramm zu Kilogramm in kleinen Pulverform vor und werden in Vials oder Glasfläschchen gefüllt. „Fakt ist, dass kein Gefriertrockner von der Stange funktioniert. Wir müssen die Anlage auf das jeweilige Pharma-Produkt, die Kundenwünsche und die Gegebenheit vor Ort anpassen. Das ist unser besonderes Knowhow als Sonderanlagenbauer”, sagt der Optima Pharma-Experte. Das Unternehmen befasst sich zudem mit einem vielversprechenden Entwicklungsgebiet: der Controlled Nucleation. Im Fokus steht dabei der Einfrierprozess, der sich vor allem bei hochreinen Produkten schwer steuern lässt. Ein ungleichmäßiges Einfrieren wirkt sich entsprechend auf die Eisstruktur aus. Die Controlled Nucleation ist ein Verfahren, das diese Problematik sehr erfolgreich löst: Es wird im System zusätzlicher Druck aufgebaut, der beschleunigt abgelassen wird. Dadurch bilden sich sehr homogene Eiskristalle. Gleichzeitig wird das Trocknen beschleunigt. 

Drehen an der Energiespar-Schraube

Kürzere Prozesszeiten verringern wiederum den Einsatz von Verbrauchsmedien – und vor allem Energie. „Denn trotz der großen Vorteile, die die Gefriertrocknung bietet, ist sie leider auch ein sehr energieaufwändiges Verfahren und entsprechend kostspielig”, erklärt Reuter. „Schließlich müssen die bis zu 30 Tonnen schweren Anlagen aus Stahl zuerst mit heißem Dampf sterilisiert werden, auf frostige Temperaturen von bis zu minus 70 Grad Celsius gekühlt, unter Vakuum gesetzt und dann wieder auf bis zu 130 Grad Celsius erhitzt werden. Nur so lassen sich die gewünschten Temperaturen im Innern erreichen. Die Arzneimittel-Hersteller scheuen sich deswegen oft die Technologie für ihre Produkte in Betracht zu ziehen.” Doch die Kältetechnik mit neuen Hochleistungskältemitteln bringt signifikante Einsparungen: Der Einsatz einer speziellen Kälteanlagen senkt den Energieverbrauch. Neue innovative Kältemittel sparen  zudem 10 bis 20 Prozent an Energie ein. In der Summe – unter Berücksichtigung der Einsparungen durch kürzere Prozesszeiten – verbrauchen Gefriertrocknungsanlagen heute bis zu einem Viertel weniger Energie als vor Einsatz der genannten Maßnahmen.

Medizin-Trends im Fokus

Zudem arbeitet Optima Pharma daran, alternative Kältemittel zu etablieren und seine Technologien nachhaltiger und umweltschonender zu gestalten. Der Grund: Die konventionellen Kältemittel bergen leider ein hohes Treibhauspotenzial. Weitere Entwicklungsziele des Unternehmens ergeben sich aufgrund der Trends in der Pharmabranche, also beispielsweise der personalisierten Medizin, mRNA- sowie Gen- und Zelltechnologien. „Sie beeinflussen die Produktionsstätten der Arzneimittelhersteller, die weniger große Anlagen benötigen, sondern eher dezentral und mit kleinerem Equipment produzieren. Analog zu den Batchgrößen werden in Projekten für biopharmazeutische Arzneimittel tendenziell kleinere und im gleichen Zug oftmals mehrere Gefriertrockner installiert. Sogar Klinik-Apotheken sind potenzielle Interessenten für unsere Anlagen”, sagt der Optima Pharma-Experte. Die Aufstellfläche pro Gefriertrockner beziehungsweise die Zahl der Geräte ist somit ein zentraler Faktor. 

Der Gefriertrocknungsprozess ist heute sehr viel energieeffizienter und auch variabler geworden als noch vor wenigen Jahren. Die Branchen-Trends im Blick zu haben und die Prozesstechnologien dahingehend zu adaptieren und weiterzuentwickeln, hat sich Optima Pharma zur Aufgabe gemacht – und leistet damit einen wichtigen Beitrag für innovative, hochwertige Arzneimittel.

Die Phasen der Gefriertrocknung im Phasendiagramm dargestellt.

KI: Akustische Implantationshilfe unterstützt bei Hüftgelenk-Operationen

In Deutschland wurden 2021 rund 270.000 künstliche Hüftgelenke eingesetzt. Bei diesen Operationen müssen sich Operierende stark auf ihre Erfahrungen und auf ihr Gehör verlassen. Feinspitzengefühl hat dabei höchste Priorität, damit bestehender Knochen nicht beschädigt wird und mögliche Revisionen vermieden werden können. Denn solche Nachfolgeoperation belasten nicht nur die Patienten, sondern auch die Kapazitäten der Krankenhäuser. Die Medizintechniker Carlos Fonseca und Simon Hofmann haben mit ihrer akustischen Implantationshilfe “Fit with Hit” einen ersten Schritt in die Verbesserung von Hüftgelenk Operationen für Anwender getätigt.
Durch die akustische OP-Unterstützung soll das deutsche Gesundheitssystem etwa 20 Millionen Euro einsparen können.

Foto: Simon Hofmann

Die Hüft-OP ist eine der häufigsten Eingriffe in Deutschland. Beim Einsetzen der künstlichen Hüfte wird versucht, eine Prothese optimal im Oberschenkelknochen zu verankern (der „Fit“). Das passiert durch einzelne Hammerschläge. Die Operierenden gehen vorsichtig vor und achten darauf, den Knochen nicht durch einen zu festen Hammerschlag (den „Hit“) zu beschädigen. Denn jeder Schlag wirkt sich auf die Langlebigkeit der Prothese aus. Je besser der „Hit“, umso besser der „Fit“. Bislang verlassen sich die Operierenden hierbei auf ihre Erfahrung und ihr Gehör. Geht während der OP auch nur eine Kleinigkeit schief, ist es für den Knochen oft schon zu spät. Das passiert etwa bei fünf Prozent aller OPs. Es folgen Revisions-OPs, die Patienten belasten und für Krankenhäuser immense Kosten verursachen.
Die Medizintechniker Carlos Fonseca und Simon Hofmann setzen mit ihrer akustischen Implantationshilfe “Fit with Hit” genau hier an, „denn wir dachten: Wenn ein Mensch diese Geräusche hören kann, kann eine Maschine das auch. Ddarum haben wir ein Mikrofon in einen OP-Saal gestellt und die Signale intelligent, mit einer KI, geprüft‟, erklärt Carlos. Durch die kontinuierliche Analyse der Geräusche kann “Fit with Hit” sowohl vorhersagen, wann das Implantat richtig sitzt, als auch ein mögliches Frakturrisiko abschätzen. „Wir ermöglichen ein Implantationsmonitoring für diese Hammerschläge von Schlag zu Schlag‟, sagt Simon.
Carlos und Simon lernten sich bereits in ihrem Bachelorstudium der Medizintechnik kennen. Anschließend folgte ein Masterabschluss in Medizininformatik an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM). „Wir haben damals in vielen Projekten zusammengearbeitet und haben schnell gemerkt, dass das sehr gut funktioniert”, erzählt Carlos rückblickend. Dann begannen beide mit ihrer Promotion. Simon forscht über die Detektion von Herzklappenerkrankungen und arbeitet in der AG Biosignalanalyse der THM. Carlos ist im Bereich Ultraschalltechnik tätig und beschäftigt sich mit Primärstabilität, also dem ersten Zustand nach dem Einsetzen einer Prothese. Angestellt ist er im Labor für Biomechanik der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), wo auch die Idee für das gemeinsame Projekt entstand: „Ein Oberarzt erzählte von diesen Signalen im OP und wie ausschlaggebend sie für die OP, deren Verlauf und die Primärstabilität sind. Weil ich wusste, dass sich Simon sehr gut mit akustischen Signalen auskennt, habe ich ihn kontaktiert. Und so entstand 2019 das Forschungsprojekt innerhalb der Universität.‟

Erste Schritte Richtung Gründung

Nach ersten Versuchen das Forschungsprojekt zu initialisieren, wandten sie sich an das ECM (Entrepreneurship Cluster Mittelhessen – Gründungszentrum der JLU). Dort entstand die Idee, aus ihrem Projekt zu einem späteren Zeitpunkt ein eigenes Startup zu gründen. „Außerdem wurden wir dort auf das „Hessen Ideen Stipendium‟ aufmerksam gemacht, ein sechsmonatiges Akzeleratorprogramm. Beim gleichnamigen Wettbewerb haben wir es 2021 bis ins Finale geschafft‟, erzählt Simon. „Und das Stipendium ist eine richtig coole Anlaufstelle für alle, die gründen wollen, das können wir allen Gründungsinteressierten wirklich nur empfehlen‟, so Carlos. 
Im November 2021 gewannen sie mit ihrem innovativen Geschäftsvorhaben den Idea Slam der JLU und freuten sich über das mit 3.000 Euro dotierte Just.us-Stipendium, einen Arbeitsplatz im Co-Working-Space Beta Box sowie einen kostenlosen Stand auf der Gründungsmesse Mittelhessen 2021. „Doch auch darüber hinaus haben wir viel gewonnen”, sagt Simon, denn: „Durch den Idea Slam haben wir so viel positives Feedback bekommen, was uns sehr bestärkt hat und wir mit richtig viel Elan die nächsten Schritte bewerkstelligen können.‟ Und das sind nicht wenige, „denn wir wollen wachsen.‟

Partnerschaften gesucht

Weil Carlos und Simon an ihren Promotionen arbeiten und zeitlich eingespannt sind, wünschen sie sich Unterstützung für ihr Team. „Vor allem sind wir auf der Suche nach jemanden, der uns in Sachen BWL und Regulatory Affairs unterstützt. Wer Lust hat an einer Idee im Medizinbereich mitzuwirken und am Ende seines Masters steht oder weiter ist, kann sich gerne bei uns melden‟, sagt Carlos, „jede Man- oder Womanpower ist willkommen.‟
Und um ihr Produkt weiterzuentwickeln, wollen sie mit weiteren Kliniken zusammenarbeiten. „Wir brauchen weiterhin viele Daten, auch über Prothesen- und Knochentypen, und sind auf Kooperationen mit vielen weiteren Kliniken und Krankenhäusern angewiesen, um eine gute Datengrundlage für eine Studie zu schaffen,‟ erklärt Simon. Denn bis das Team in die Gründung gehen kann, müssen viele Parameter untersucht werden. „Interessierte Kliniken mit einem orthopädischen Team, bestenfalls aus Mittelhessen, können sich gerne mit uns in Verbindung setzen‟, ergänzt Carlos. 

Mit Förderungen zum Prototyp

Momentan bewerben sich Carlos und Simon für Fördertöpfe wie „GO-Bio-initial‟, um ihr wissenschaftliches Projekt in die Wirtschaft zu transferieren. 
Außerdem haben sie in den letzten Jahren ein Konsortium mit der RTE Akustik + Prüftechnik GmbH aus Karlsruhe und mit Artiqo aufgebaut, mit denen sie gemeinsam an einem Antrag für “KMU innovativ” arbeiten. „Wir sind sehr optimistisch, und würden uns freuen, wenn es klappt”, sagt Carlos. „Das wäre ein Booster für unser Projekt: von dem Geld könnten wir einen Prototypen entwickeln und die Orthopädie etwas sicherer zu gestalten.‟ Und dafür drücken wir Simon und Carlos alle Daumen.

Im Notfall digital vernetzt

Ob Schlaganfall, Herzinfarkt oder Autounfall – für Betroffene zählt jede Minute. Denn es kann Leben retten, wenn Sanitäter und Klinikärzte ohne Zeitverlust agieren können. Dafür braucht es beispielsweise EKG-Daten, die sofort für alle verfügbar sind.
Die Experten der CRS medical GmbH, ansässig im mittelhessischen Aßlar, haben mit Medgate ein Portal dafür geschaffen – und arbeiten an einem Wearable gepaart mit Künstlicher Intelligenz.

Foto: Shutterstock

Wer einen Unfall erlebt, steht meist unter Schock. Alles scheint wie in Zeitlupe abzulaufen. Für die alarmierten Rettungskräfte beginnt dagegen mit dem Eingang des Notrufs ein Wettlauf gegen die Uhr. Vor ihrem Eintreffen ist unklar, wie es dem Patienten geht und wie schnell er welche Behandlung braucht. Erst wenn die Ersthelfer mit ihrem medizinischen Equipment vor Ort eingetroffen sind, können sie sich ein genaues Bild von dem Gesundheitszustand des Betroffenen machen.
„Ein zentrales Gerät in der Notfallversorgung ist der Defibrillator“, erklärt Dr. Patrick Uhr, Director Data & Products bei der CRS medical GmbH in Aßlar. „Die meisten von uns kennen den sogenannten Defi zu Wiederbelebungsmaßnahmen bei einem Herzstillstand. Aber das Gerät dient auch der Diagnostik, also zur Aufnahme von EKGs. Moderne Geräte können auch die Sauerstoffsättigung,den Blutdruck und weitere Vitaldaten messen”, sagt Uhr. All das sind wichtige erste Daten, die die Rettungssanitäter direkt vor Ort einsammeln – und die später wichtige Anhaltspunkte für die Wahl der richtigen Therapie des Patienten sind. Je schneller diese Informationen in der Klinik und bei den behandelnden Ärzten eintreffen, desto besser für den Betroffenen. Genau an dieser Stelle kommt das CRS medical-Team um Uhr ins Spiel.
Sie haben Medgate – gemeinsam mit ihrer Tochterfirma Avetana GmbH  – entwickelt: eine elektronische Patientenakte.
„Denn die gemessenen EKG-Daten sind ja erstmal nur auf dem Defi gespeichert – und für die Ärzte im Krankenhaus nicht einsehbar. Ist das Gerät dagegen mit Medgate gekoppelt, erhalten sie zu diesen wichtigen Erstinformationen einen direkten Zugang”, erklärt Uhr. Anhand dieser Daten können sich die Notfallmediziner im Krankenhaus besser vorbereiten, weil sie den Zustand des Patienten schon einschätzen können, bevor er eintrifft.

Schnittstelle zwischen Rettungsdienst und Klinik verbessern

Dass sich Sanitäter und Ärzte optimal abstimmen, ist vor allem für die Akutbehandlung eines Betroffenen mit schweren Symptomen so wichtig, weil die Zeit meist gegen ihn läuft. Wenn der Rettungsdienst also bereits vom Notfallort aus dabei helfen kann, dass in der Klinik beispielsweise Kapazitäten für die Aufnahme von bildgebenden Verfahren geschaffen werden, kann dies lebensrettend sein. „Die Ärzte der betreuenden Klinik loggen sich einfach auf unserem zentralen Medgate-Server ein und sehen die EKG-Daten des Patienten. Das bedeutet, das Krankenhaus braucht keinen eigenen Server, sondern kauft entsprechend Lizenzen von CRS medical”, erklärt Uhr. „Wir bieten aber auch die Option, dass Medgate auf dem Server der Klinik implementiert wird.” In diesem Fall ist das Krankenhaus selbst für die IT-Infrastruktur zuständig und verantwortlich. Wird der zentrale Medgate-Server genutzt, übernimmt dies CRS medical.
Entwickelt wurde die elektronische Patientenakte bereits vor mehr als einem Jahrzehnt und sie wird stetig weiterentwickelt. CRS medical kümmert sich um Vertrieb und Service von Medgate. Vor allem die skandinavischen Länder Norwegen, Dänemark und Schweden setzen bereits auf das Portal. Das hängt auch mit den nationalen Vorgaben zusammen. „Dort wird jedes aufgenommene EKG an die entsprechende Klinik übertragen, weil das in diesen Ländern einfach Pflicht ist”, sagt Uhr. Der diplomierte Wirtschaftsinformatiker mit Promotion in Ingenieurwissenschaften arbeitet bereits seit sechs Jahren bei CRS medical und weiß: „Gerettet wird tatsächlich nicht überall gleich. Auch in Deutschland gibt es zwischen den Bundesländern und ihren Rettungsdiensten Unterschiede und Abweichungen von einem einheitlichen Schema.” 

Die Ärzte der betreuenden Klinik loggen sich einfach auf unserem zentralen Medgate-Server ein und sehen die EKG-Daten des Patienten. Das bedeutet, das Krankenhaus braucht keinen eigenen Server, sondern kauft entsprechend Lizenzen von CRS medical.
Dr. Patrick Uhr
Director Data & Products CRS medical GmbH in Aßlar

 

Einsatzprotokolle digitalisieren – und teilen

Zwar ist Medgate bereits in mehreren Ländern ein etabliertes System, dennoch gibt es für das Unternehmen immer wieder Herausforderungen zu meistern. Dazu zählte in den letzten zwei Jahren beispielsweise die Neuaufstellung des zentral gehosteten Systems. Den Grund dafür erklärt Uhr: „Wenn Updates ins Haus standen, haben wir aufgrund der deutlich gewachsenen Größe Instabilitäten beobachtet. Deswegen haben wir das System mit einer entsprechenden Backup-Lösung neu aufgesetzt.
Das musste zwar aufwendig und von langer Hand geplant werden, aber es hat sich absolut gelohnt”, sagt der CRS medical-Experte. „Wir konnten Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit deutlich erhöhen.” Aktuell arbeitet das Team um Uhr gemeinsam mit namhaften Medizinprodukte-Herstellern daran, auch Einsatzprotokolle nach dem Digitalisieren ebenfalls mit Medgate zu verknüpfen. Bislang zeichnen die Rettungsdienste dies oft klassisch auf Papier auf – mit den bekannten Nachteilen: Die analoge Variante lässt sich nicht so einfach mit den Klinikärzten teilen. Im digitalen Format lässt sie sich einfach an die Notaufnahme im Krankenhaus übermitteln. Die medizinischen und zeitlichen Daten helfen den Medizinern, sich optimal auf kritische Patienten vorzubereiten.

Das Wearable als Rettungsassistent

Die Übertragung von Daten und ihren Mehrwert an der Schnittstelle zwischen Rettungsdienst, Patient und Klinik spielt auch bei einem weiteren Projekt von Uhr und seinem Team eine Rolle: KIRETT. Die Abkürzung steht für Künstliche Intelligenz bei Rettungseinsätzen zur Verbesserung der Erstversorgung. Dabei will CRS medical „gemeinsam mit Partnern ein sogenanntes Wearable für den Rettungsdienstler entwickeln, also ein tragbares Gerät, das als Daten-Hub in der Größe einer Armbanduhr dient”, erklärt Uhr. Bei einem Notfalleinsatz gibt es rund um den Patienten mitunter verschiedenste Messgeräte, die EKGs, Blutdruck, Sauerstoffsättigung und noch weitere Vitaldaten aufzeichnen. „Das Wearable soll all diese Informationen sammeln, computerunterstützt durch Künstliche Intelligenz (KI) die vorliegende Notfallsituation erkennen und dem Rettungsteam dann vor Ort Handlungsempfehlungen geben können”, sagt der CRS medical-Experte. „Unsere Kernkompetenz sind die Schnittstellen, ähnlich wie bei Medgate, aufgrund unserer jahrelangen Erfahrungen in Sachen Telemetrie-Softwarelösungen.”
Die drahtlose Übermittlung der Daten an das Wearable in Echtzeit funktioniert über Bluetooth oder WLAN. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Richtlinie „KMU-innovativ: Forschung für die zivile Sicherheit“ geförderte Projekt startete im Juli 2021 und ist angelegt für drei Jahre. CRS medical ist Konsortialführer des Projekts. 

Im Notfall schneller und richtig entscheiden

„An dem Wearable forschen wir gemeinsam mit universitären Partnern. In diesem Fall ist das die Universität Siegen, die ihr Knowhow hinsichtlich KI und Machine Learning sowie den komponentenbasierten Systemarchitekturen und den Algorithmen zur Situationserkennung einbringt”, erklärt Uhr. Über die Jahre wurden bereits jede Menge Daten gesammelt, um jetzt damit Algorithmen zu trainieren. Ebenfalls beteiligt ist die mbeder GmbH, die eine energieeffiziente, zuverlässige und echtzeitfähige KI-Plattform für die Situationserkennung und die Handlungsempfehlungen im Wearable entwickelt.  „Es soll dann den Sanitätern anhand der gemessenen Vitalwerte die richtige Behandlung vor Ort vorschlagen und so die Überlebenswahrscheinlichkeit des Patienten erhöhen”, erklärt Uhr. Besonders motivierend ist, dass Rettungskräfte und medizinisches Personal aus dem Kreis Siegen als Anwender des Wearables bei der Entwicklung beratend zur Seite stehen.
„Wir merken, dass diese Konstellation viel bewegt – auch weil es sehr praxisnah ist. Wir bekommen sehr guten Input und alle Beteiligten engagieren sich enorm”, betont der CRS medical-Experte. Mit den Forschungsergebnissen soll die Grundlage für eine neue Produktfamilie geschaffen werden. Die Zertifizierung zum Medizinprodukt mit hoher Klassifizierung wäre auch für das Unternehmen in Aßlar ein Novum. Die Lernkurve zeigt steil nach oben. „Wir haben die Chance, ohne Vertriebsdruck langfristig etwas Neues aufzubauen und damit bietet das Projekt für unser Unternehmen auch eine Wachstumsperspektive”, blickt Uhr zuversichtlich in die Zukunft.

Die Verbreitung von Medgate in Europa.

Kontakt:

Juliane Frey
Director Digitalisation & Communication
E-Mail: Juliane.Frey@crs-medical.com

Hessen setzt auf Nachhaltigkeit: Science4Life zeichnet Gewinner der Konzeptphase im Businessplan-Wettbewerb aus

Eine App auf Rezept, Forschung ohne Tierversuche und grüne Technologien für die Wärmeversorgung: Beim Businessplan-Wettbewerb stehen Green Tech und Digital Health im Fokus. Das Ziel: Nachhaltige Geschäftsmodelle und Startups, die die Zukunft von Life Sciences, Chemie und Energie mitgestalten.

Foto: Science4Life

Eine steigende Anzahl nachhaltiger Geschäftsmodelle und 81 Startups, die die Zukunft von Life Sciences, Chemie und Energie mitgestalten werden – das war die Konzeptprämierung von Science4Life. Ob Green Tech, nachwachsende Rohstoffe oder digitale Lösungen für die Klimaneutralität – der Trend geht zu verantwortungsvoller Zukunft. „Gründerinnen und Gründer sorgen für Innovationen, Beschäftigung, Erneuerung. Jede Volkswirtschaft braucht sie. Deshalb freue ich mich sehr über die vielen Einsendungen“, so Dr. Mandy Pastohr, Abteilungsleitung im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen. Für Dr. Karl-Heinz Baringhaus, administrativer Leiter für Forschung und Entwicklung von Sanofi in Deutschland, ist die Gründerförderung ein wichtiges Anliegen. „Dieses Jahr sind wichtige Trends wie Green Tech oder Digital Health stark vertreten. Es freut uns, dass wir mit Science4Life einen Beitrag dazu leisten, diese Unternehmerteams bei der Realisierung ihrer Geschäftsideen zu unterstützen.” Neben einem Preisgeld in Höhe von jeweils 1.000 Euro erhielten die besten Teams der Konzeptphase auch eine Teilnahme an den zweitägigen Academy-Days: Hier feilten die Teams im Rahmen individueller ExpertenCoachings an ihren Geschäftsplänen. Ab sofort startet die dritte und letzte Phase des Wettbewerbs:
Die Businessplanphase. Bewerben können sich alle Start-ups, auch ohne vorherige Teilnahme an den anderen Phasen, unter www.science4life.de.
Einsendeschluss ist der 29.04.2022.

Visionäre aus den Bereichen Life Science und Chemie 

Polyethylenglykol (PEG) findet vielseitige Anwendung in der Behandlung chronischer Krankheiten oder als Bestandteil von Impfstoffen, führt jedoch vermehrt zu Allergien und Nebenwirkungen. Das Team von Advylop aus Mainz bietet eine PEG-Alternative, die Nebenwirkungen vermeidet und gleichzeitig die medizinischen und produktionstechnischen Vorteile bewahrt. Die Applimeda GmbH aus Aachen entwickelt eine “App auf Rezept”, die digital zur leitliniengerechten Bewegungstherapie bei Morbus Bechterew anleitet und so die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig steigern soll. Komplexe Rohstoffe und hohe Kosten beschränken aktuell die breite Anwendung von Zellkulturen. Um Zellkulturtechnologien in einem breiten Spektrum ökonomisch attraktiv einsetzbar zu machen, entwickelt die Aptamimetics GmbH aus Freiburg im Breisgau neue vollsynthetische Zellkultur-Rohstoffe. Das Team von DNTOX aus Düsseldorf bietet eine derzeit einzigartige, tierversuchsfreie Analyse von Chemikalien an. Damit möchte DNTOX eine kostengünstigere Alternative zu ressourcenintensiven und ethisch umstrittenen Tierversuchen ermöglichen. Das Ziel der HISTOLUTION GmbH aus Lübeck ist es, dem Chirurgen im OP mit einem optimierten MultiPhotonen-Mikroskop eine einfache und schnelle Krebsdiagnostik zur Verfügung zu stellen. Das Team von Korallenwächter aus Aachen bietet ein neuartiges und nutzerfreundliches Wasseranalysenverfahren an, mit dem die Wasserqualität in Aquarien kontrolliert und entsprechend angepasst werden kann. Empfindlichen Spezies wie Korallen wird damit ein besseres Wachstum und Überleben gesichert. LOVR aus Darmstadt hat das Tierwohl im Fokus: Das Team entwickelt das weltweit erste lederähnliche Textil, das ohne Kunststoffe auskommt, vegan ist und aus Reststoffen des regionalen Hanfanbaus besteht. NUNOS aus Köln verwendet ein Verfahren aus der Raumfahrt zur biologischen Aufbereitung von Gülle und Gärresten. Das Düngemittel kommt ohne den Einsatz von Chemikalien aus und erhöht die Effizienz der organischen Düngung im Pflanzenanbau. Die PolymerActive GmbH aus Offenburg bietet zur Schadstoff-Elimination aus Wasser und Luft innovative Adsorbtionsmaterialien, die durch ein spezielles Upcyclingverfahren aus Kunststoffabfällen hergestellt werden. Das Team von RooWalk aus Berlin entwickelt eine elektrisch unterstützte Gehhilfe für Kinder mit körperlichen Einschränkungen und fördert damit deren erweiterte Bewegungsfreiheit. 

Der Science4Life Energy Cup: Gründerteams für die Klimawende 

In der Konzeptphase des Science4Life Energy Cup, der vom Land Hessen und Viessmann gesponsert wird, überzeugten Gründerteams mit grünen Technologien. Die Arteria Technologies GmbH aus Graz entwickelt eine Plattform zur Planung und Optimierung von Wärmenetzen im Smart City Kontext. Diese nutzt Digital Twins und hilft Energieversorgern, ihre Fern- und Wärmenetze klimaneutral zu planen und zu betreiben. BioCORE aus Garching nutzt Biogas, um die unstete Stromversorgung aus Wind- und Sonnenenergie auszugleichen und zu speichern. Das Team ermöglicht erstmals wirtschaftlich darstellbar negative Treibhausgasemissionen im Großmaßstab. Das Team der everyone energy UG aus Berlin hilft Tausende neuer Energiewende-Projekte zu realisieren, indem sie Endkunden und Lösungsanbieter durch vollautomatisierte und nutzerfreundliche Energieberatung gezielt zusammenbringen. 

Die zehn besten Teams der Konzeptphase des Science4Life Venture Cup 2022:
(in alphabetischer Reihenfolge)

  • Advylop (Mainz) 
  • Applimeda GmbH (Aachen) 
  • Aptamimetics GmbH (Freiburg i. Br.) 
  • DNTOX (Düsseldorf) 
  • HISTOLUTION (Lübeck) 
  • Korallenwächter (Aachen) 
  • LOVR (Darmstadt) 
  • NUNOS (Köln) 
  • PolymerActive GmbH (Offenburg) 
  • RooWalk (Berlin)

Die drei besten Teams der Konzeptphase des Science4Life Energy Cup 2022:
(in alphabetischer Reihenfolge) 

  • Arteria Technologies GmbH (Graz) 
  • BioCORE (Garching) 
  • everyone energy UG (Berlin) 

Firmenporträt

Science4Life

Science4Life e.V. ist eine unabhängige Gründerinitiative, die bereits 1998 als Non-ProfitOrganisation ins Leben gerufen wurde. Initiatoren und Sponsoren sind die Hessische Landesregierung und das Gesundheitsunternehmen Sanofi. Einmal jährlich richtet die Initiative bundesweit den größten Businessplan-Wettbewerb für die Branchen Life Sciences, Chemie und Energie aus. Wettbewerbsbegleitend bietet die Science4Life Academy allen registrierten Wettbewerbsteilnehmern Weiterbildung und Coaching an. Die Gewinnerteams der einzelnen Phasen qualifizieren sich für ausgewählte Workshops im Rahmen der Academy-Days. Insgesamt werden im Rahmen des Businessplan-Wettbewerbs Preisgelder in Höhe von rund 85.000 € vergeben.
Seit 1998 haben mehr als 8.000 Personen am Wettbewerb teilgenommen und es wurden über 2.400 Geschäftsideen eingereicht und bewertet. Die Gründerinitiative besteht aus einem Netzwerk von Branchenexperten aus mehr als 200 Unternehmen, die mit ihrem Know-how und Erfahrungen den Wettbewerbsteilnehmern zur Verfügung stehen. Über 1.300 Unternehmen wurden erfolgreich gegründet.

Impfstoffproduktion in Marburg: Mit mRNA-Technologie gegen die Corona-Pandemie

Das Corona-Virus hält seit knapp zwei Jahren die Welt in Atem. Derzeit schauen alle vor allem auf die Omikron-Variante des Virus. Natürlich auch die Wissenschaftler des Impfstoff-Pioniers BioNTech. HCM hat mit zwei Experten über die Herausforderungen bei der Impfstoffentwicklung und die Produktion am Standort Marburg gesprochen.

Foto: Shutterstock

Wenn Virus-Varianten auftreten, heißt es für die BioNTech-Wissenschaftler und -Experten: den Verlauf und das Infektionsgeschehen der Corona-Pandemie genau zu beobachten. Gerade noch beschäftigte die Forscher vor allem die Delta-Variante des Virus, im November 2021 ist dann die Omikron-Variante in ihren Fokus gerückt. Zwar ermöglicht „eine dritte Dosis BNT162b2 (so der offizielle, internationale Name des BioNTech-Vakzins, Anm. der Red.) das höchste Level an schützender Wirksamkeit gegenüber allen bisher getesteten Varianten, einschließlich der Delta-Variante, wie BioNTech in einer Pressemitteilung (https://investors.biontech.de) schreibt. Dennoch beobachten die Wissenschaftler die „Situation aufmerksam und entwickeln eine angepasste Version des Pfizer-BioNTech COVID-19-Impfstoffs“.

Was heute so einfach und selbstverständlich klingt, bedurfte immensen Einsatzes und Durchhaltevermögens der BioNTech-Mitarbeiter. Dr. Andreas Kuhn, Senior Vice President RNA Biochemistry & Manufacturing, verantwortlich für Herstellprozess und Analyse der mRNA, erinnert sich an die Anfänge der Entwicklung: „Die Idee, dass die mRNA-Technologie für einen Impfstoff gegen das neuartige Corona-Virus genutzt werden könnte, kam sehr früh auf, im Januar, Februar 2020. Damals ahnten Experten schon, dass es zu einer Pandemie kommen könnte, die von dem Virus ausgelöst wird. Wir haben es als Aufgabe und Notwendigkeit gesehen, etwas zu tun.“

mRNA-Technologie hat Riesenpotenzial – auch über Corona hinaus

Die Pandemie hat BioNTech und andere Entwickler vor sich her getrieben, so Kuhn. „Unser großer Vorteil war, dass wir auf umfangreiches Wissen der mRNA-Technologie zurückgreifen konnten.“ Die BioNTech-Forscher prüften damals die Technologie bereits auf ihr Potenzial gegen andere Infektionskrankheiten. Es gab schon präklinische Daten zu Ebola und Influenza. Ebenso hatten die Wissenschaftler in der Krebsforschung erkannt, dass sich mit mRNA wirksame Immunantworten auslösen lassen. 

Schnell setzte BioNTech Studien in Gang, um die Wirksamkeit eines neuen Impfstoffs gegen das Corona-Virus zu prüfen. Und bereits mit den klinischen Daten war klar: Das Vakzin kann im Menschen eine Schutzwirkung entfalten. Die Phase 1 der Studie wurde Ende April, Anfang Mai 2020 gestartet. „Die immunologischen Daten, die wenige Wochen danach kamen, sahen sehr vielversprechend aus“, erinnert sich Kuhn. 

Mit dem Corona-Impfstoff hat man gezeigt, dass die mRNA-Technologie auch für Infektionskrankheiten funktioniert. Und auch für weitere Erkrankungen sehen die BioNTech-Experten großes Potenzial. „Grippe ist denkbar und eventuell auch HIV, Tuberkulose oder andere“, sagt Kuhn. Jetzt aber müsse sich die Technologie erst einmal im Kampf gegen Corona beweisen. 

Zusätzlich zu den laufenden Studien zum Corona-Vakzin setzte das Unternehmen bereits die Folgeschritte parallel in Gang: Die Experten warteten nicht ab, bis erste klinische Daten zur Wirksamkeit vorlagen. Bereits bevor klar war, ob das Vakzin funktionierte, begannen sie die Infrastruktur aufzubauen, um Millionen von Dosen davon herstellen zu können. 

Die Produktion hochzufahren war eine der größten Herausforderungen

In dieser Situation kam dem Mainzer Unternehmen zugute, dass es früh genug Kapazitäten aufgebaut hatte. Unter anderem mithilfe des ehemaligen Produktionsgebäudes des Schweizer Unternehmens Novartis in Marburg. Im September 2020 gab BioNTech den geplanten Kauf bekannt. (https://investors.biontech.de/news-releases/news-release-details/biontech-acquire-gmp-manufacturing-site-expand-covid-19-vaccine) So konnte eine der größten Herausforderungen der Impfstoffentwicklung gestemmt werden. „Wir mussten sicherstellen, dass wir großen Mengen an mRNA überhaupt herstellen können“, sagt Kuhn. Seit Frühjahr 2021 läuft die Produktion auf Hochtouren. Und auf historischem Grund: Auf dem Gelände der ehemaligen Behringwerke wurden schon vor mehr als 100 Jahren sogenannte Heil-Seren gegen Infektionskrankheiten wie Diphtherie und Tetanus hergestellt. Die Seren, die Emil von Behring damals produzierte, enthielten neutralisierende Antikörper aus dem Blut zuvor infizierter Pferde. 

Oliver Hennig, Senior Vice President Operations, BioNTech SE, erklärt die Gründe für den Standort: „Marburg bietet sehr viele Vorteile für eine Produktion dieser Art. Zum einen gibt es in der Region sehr viel spezifisches Wissen und Fachpersonal, zum anderen findet man hier eine sehr gute Infrastruktur, die für die Produktion von pharmazeutischen Produkten notwendig ist. Die Nähe zu Mainz, dem Hauptsitz von BioNTech, war ein weiterer Punkt, der uns die Entscheidung sehr leicht gemacht hat.“ Die Expertise des Teams in Marburg gab BioNTech die Möglichkeit, gemeinsam mit den neuen Kollegen die Prozesse zu optimieren und zu gestalten. Dennoch musste die Anlage zunächst umgerüstet und die damals mehr als 300 Mitarbeiter auf komplett neue Produktionsprozesse trainiert werden. Hunderte zusätzliche Mitarbeiter wurden eingestellt, um die geplante Produktionsmenge auch einhalten zu können: Bei voller Auslastung soll das Werk eine Jahreskapazität von einer Milliarde Impfdosen erzeugen. Das stellen mittlerweile mehr als 500 Mitarbeiter in Marburg sicher. 
„Dafür müssen alle Rädchen perfekt ineinander greifen“, sagt Hennig. Die größte Herausforderung war das Hochfahren der Produktionskapazitäten. „Da es noch nie ein mRNA-Produkt auf kommerzieller Ebene und in diesem Maßstab gegeben hat, waren alle Lieferketten und Rohstofflieferanten nicht für die nun benötigten Mengen vorbereitet. Das war und ist für alle Beteiligten eine große Herausforderung.“ Heute werden drei von vier Schritten in der mRNA-Impfstoffproduktionskette in Marburg abgewickelt: die Herstellung der mRNA, die Wirkstoffaufbereitung und das Formulieren zum fertigen Impfstoff. Abgefüllt werden die Dosen an anderen Standorten im Netzwerk.

An den Erfolg geglaubt

Der BioNTech-Impfstoff mit dem Handelsnamen ComirnatyTM konnte jedoch nur so schnell entwickelt, hergestellt und getestet werden, weil das Unternehmen von Anfang an vom Erfolg des Vakzins überzeugt war. Zu Beginn prüfte BioNTech präklinisch an die zwanzig mögliche Impfstoffkandidaten gleichzeitig, das sparte Zeit. Die vier vielversprechendsten wurde dann weiterentwickelt. „Vier Optionen das Tor zu treffen, das erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit“, fasst Kuhn zusammen. Aber auch bei aller Schnelligkeit durften die Wissenschaftler natürlich keine Abstriche bei den ethischen und den Sicherheitsstandards machen. Dass die Entwicklung und Zulassung am Ende so schnell ging, lag nicht nur an den BioNTech-Forschern selbst, sondern auch an den Zulassungsbehörden. Diese haben normalerweise drei Monate Zeit, den Antrag einer klinischen Studie zu begutachten. Die Behörden arbeiteten rund um die Uhr und konzentrierten ihre Arbeitskraft auf die Zulassung des Vakzins. Kuhn betont: „Da wurde keine Abkürzung genommen, sondern alle haben sich auf das Wichtigste fokussiert: das klare Ziel, so schnell wie möglich zu prüfen und zu entscheiden, ob der Impfstoff funktioniert oder nicht.“ Auch für die Auffrischimpfungen gegen Virus-Varianten wie etwa Omikron zeigt sich der Riesenvorteil der mRNA-Technologie: An dem eigentlichen Herstellungsprozess muss BioNTech nichts anpassen. „Man ändert lediglich die Sequenz der RNA, um diese an die Varianten anzupassen“, erklärt Kuhn. So können Forscher mit mRNA-Impfstoffen schnell auf Varianten reagieren. „Bei klassischen Impfstoffen kann sich im schlechtesten Fall der komplette Prozess ändern, wenn das Antigen angepasst werden muss.“ Auch Omikron wird nicht die letzte Variante gewesen sein. Selbst wenn das Virus endemisch wird, brauchen einige Menschen – wie gegen die Grippe – einen jährlichen Pieks.

Kontakt:

Julia Bloes
Manager Global External Communications
E-Mail: Julia.Bloes@biontech.de