Wie entwickelt sich der Life Science Standort Mittelhessen?

Der VDI Mittelhessen und das Regionalmanagement Mittelhessen laden am 20. März 2025 auf die High-Tech Messe W3+ Fair in Wetzlar ein. Diskutieren Sie mit, über die Bedeutung der Schlüsselbranche Life Science für den Standort.

Das vollständige Programm und Anmeldung finden Sie hier.

Healthcare-Storys
Der „Healthcare Mover 2020 – Germany Report: The Land of the Hidden Digital Healthcare Champions“ identifiziert die Unternehmen, die die digitale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im Gesundheitssektor vorantreiben. Dabei ist Hessen weit vorne mit dabei.
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Seit Februar laufen die Vorbereitungen des Baufeldes für das Gebäude, was in der Schubertstraße entstehen soll. Die vorbereitenden Baumaßnahmen sollen etwa Mitte 2023 abgeschlossen werden.
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Neue Studie verbessert die Stoffwechselentgleisungen bei Kindern mit Diabetes-Typ-1 durch frühzeitiges Nutzen einer Insulinpumpe. Dr. Clemens Kamrath von der Justus-Liebig-Universität Gießen beteiligt sich als Erstautor an einer Multicenter-Studie.
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Durch mehr Austausch auf Forschungsebene sollen Studierende der THM praktische Einblicke in den nicht planbaren Alltag einer Notaufnahme erhalten.
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Universität Marburg
Die Philipps-Universität Marburg koordiniert ein neues europäisches Forschungsprojekt. Das Ziel: Entzündungsreaktionen im Körper besser verstehen.
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Dr. Kilian Baumann entwickelt eine neue Methode, um die Strahlendosis für Lungentumoren abzuschätzen und eine durch das Lungengewebe bedingte Unterdosierung des Tumorvolumens und damit eine Verschlechterung des Therapieerfolgs auszugleichen.
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Hessen als führende Position im Gesundheitswirtschaft-Ranking

Die Datennutzungskompetenz der deutschen Gesundheitswirtschaft ist ein Schlüssel für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit. Aber wo und wie haben Unternehmen Zugang zu Daten entlang der Versorgungskette? Und wie gut und agil gelingt es ihnen, damit neue Geschäftsmodelle zu entwickeln? An diesen und weiteren Fragen haben die Healthcare Shapers mit Unterstützung des „Technologielandes Hessen“ der Hessen Trade & Invest GmbH (HTAI) gearbeitet. Am 8. Dezember wurden die Ergebnisse der Benchmark-Studie vorgestellt.

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Der „Healthcare Mover 2020 – Germany Report: The Land of the Hidden Digital Healthcare Champions“ identifiziert die Unternehmen, die die digitale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im Gesundheitssektor vorantreiben. Im internationalen Ranking von 11 Ländern, darunter auch Kanada und die USA, nimmt Deutschland dank dieser Healthcare Movers einen hervorragenden zweiten Platz ein. Insgesamt wurden mehr als 2000 Unternehmen in Deutschland und über 7800 Unternehmen weltweit beleuchtet.

„Im nationalen Vergleich hat sich Hessen eine führende Position erarbeitet“, sagt Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der HTAI. „Hessen verfügt über eine ausgezeichnete Infrastruktur und forschungsstarke akademische Institutionen. Diese kooperieren mit unseren hoch-innovativen Unternehmen der Gesundheitsindustrie, die zudem in Forschung & Entwicklung sehr stark sind“, so Waldschmidt.

Hessen stellt mit 23 Top-Platzierungen gut 26 Prozent der internationalen Top 100. Rang 2 und 3 der Top 100 gehen an Sanofi und Merck. Wer die Top 100 Unternehmen im internationalen Ranking der Healthcare Movers sind, was diese Unternehmen anders machen und was Akteure der Gesundheitswirtschaft von diesen Champions lernen können – das wurde am 8. Dezember bei einem interaktiven Online-Event erörtert.

Die Healthcare Shapers hatten in Kooperation mit dem „Technologieland Hessen“ bei der HTAI zur Veröffentlichung der Benchmark-Studie zur Veranstaltung eingeladen. Die Healthcare Shapers sind ein Netzwerk von rund 100 erfahrenen Beratern und Managern der Gesundheitsbranche. 

Datennutzung ist ein Schlüsselkompetenz für Unternehmen

„In der aktuellen qualitativen Benchmark-Studie ‚Healthcare Movers 2020 – Germany Report‘ wurden die Akteure der deutschen Gesundheitsindustrie im internationalen Vergleich im Hinblick auf ihre Innovationskraft in der digitalen Transformation untersucht und bewertet“, so Beatus Hofrichter. „30,3 Prozent der einheimischen Akteure sind Healthcare Movers. Und die Avantgarde unter diesen Unternehmen treibt die deutsche Spitzenposition im Wettbewerb voran“, sagt der Autor der Studie, der Geschäftsführer des Strategieberaters ConCeplus und Partner der Healthcare Shapers. Im Kern basiert der „Healthcare Movers 2020 – Germany Report“ auf der Analyse zukunftsweisender Kompetenzen; allen voran ist dies die Datennutzungskompetenz, aus der sich die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit im digitalisierten Markumfeld maßgeblich ableitet. Ein Kernergebnis aus der Studie ist: Nicht die Unternehmensgröße und auch nicht die primäre Expertise im regulierten Gesundheitssektor sind entscheidend, um in die Riege der Healthcare Mover vorzustoßen. Deshalb spielen auch Start-ups und branchenfremde IKT-Unternehmen im Ranking ganz vorne mit, nicht nur in Deutschland, sondern auch international.

Key Note vom ada Health-Gründer und KI-Experten aus Marburg

Das Start-up Ada Health ist einer dieser Healthcare Mover. Aus erster Hand, vom Gründer Prof. Dr. Martin Hirsch, Professor für „Künstliche Intelligenz in der Medizin“ am Fachbereich Medizin der Philipps-Universität Marburg, erfuhren die Teilnehmenden, was Ada Health auch international so erfolgreich macht: „Ein Symptom-Checker in der Hand von Bürgern bringt uns dem Zukunftsbild einer kollaborativen Medizin näher.“ Ada hat seit dem Marktstart 2016 weltweit 15 Millionen Dialoge mit Patienten geführt und sie bei der Analyse ihrer Symptome unterstützt. Algorithmen und Probabilitätsanalysen leiten aus beobachtbaren Symptomen Wahrscheinlichkeiten von Krankheitsdiagnosen ab.

Die Hessen Trade & Invest GmbH (HTAI) ist die Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft des Landes Hessen. Ihre zentrale Aufgabe ist die Sicherung und Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschafts- und Technologiestandortes Hessen. Die HTAI bietet eine einmalige strategische Verknüpfung von Standortmarketing, Außenwirtschaft, Investorenbetreuung, Technologie- und Innovationsförderung und Beratung zu EU-Förderprogrammen. Sie ist zentraler Ansprechpartner für Unternehmen sowie für wissenschaftliche, politische und gesellschaftliche Institutionen. www.htai.de * hessisch.de

Unter der Marke „Technologieland Hessen“ gestaltet die Abteilung Technologie & Innovation der HTAI Hessens Zukunft im Technologiebereich. Im Auftrag des Hessischen Wirtschaftsministeriums berät und unterstützt sie Unternehmen bei der Entwicklung, Anwendung und Vermarktung von Schlüsseltechnologien, informiert über Förderprogramme und vernetzt die richtigen Partner. www.technologieland-hessen.de

Informationen der Hessen Trade & Invest GmbH im Social Web:

www.twitter.com/HTAI_Hessen
www.twitter.com/investinhessen
www.facebook.com/hessentradeinvest
www.instagram.com/hessenagentur 
www.youtube.com/user/hessentradeandinvest

Gießener Lungenforschung wird erweitert: Neues Forschungsgebäude entsteht

Die Vorbereitungen für das neue außeruniversitäre Institut für Lungengesundheit (Institute for Lung Health, ILH) haben begonnen. Seit Februar laufen die Vorbereitungen des Baufeldes für das Gebäude, was in der Schubertstraße entstehen soll. 

Foto: JLU/Katrina Friese

Die vorbereitenden Baumaßnahmen sollen etwa Mitte 2023 abgeschlossen werden. Danach wird das Gebäude erstellt, wofür eine Bauzeit von rund zweieinhalb Jahren vorgesehen ist. Realisiert wird ein Entwurf des Architekturbüros Carpus + Partner AG aus Aachen, das im Verhandlungsverfahren zur Auswahl eines Objektplaners nun den Zuschlag erhalten hat. Das Forschungsgebäude hat eine Hauptnutzfläche von 2.200 Quadratmetern und kostet inklusive der wissenschaftlichen Geräteausstattung nach derzeitiger Schätzung rund 36 Millionen Euro. Bauherr ist der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH).

 Auch wenn das Gebäude noch nicht steht: Die Forschung am außeruniversitären Institut für Lungengesundheit läuft bereits. Die von Bund und Land gemeinsam finanzierten, beteiligten Forschergruppen werden nach und nach aufgebaut. Am ILH konzentrieren sich aktuell bereits drei Professuren und zwei Nachwuchsgruppen unter Nutzung von vier eigens implementierten Plattformen für innovative Technologien auf die Erforschung und Entwicklung neuer Behandlungskonzepte für Erkrankungen des Lungengewebes. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen die Widerstandsmechanismen der Lunge gegenüber exogenen und endogenen Belastungen, die krankheitsbedingten Umbauprozesse, welche die Lungenfunktion einschränken, sowie neue präventive und therapeutische Ansätze, um die Gesundheit der Lunge zu erhalten oder wiederherzustellen.

 „Schon vor Corona war die Erforschung von Ursachen und Therapien von Lungenkrankheiten ein bedeutender Schwerpunkt der Justus-Liebig-Universität Gießen. Dem herausragenden Engagement der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben wir eine große Expertise auf diesem Gebiet zu verdanken – sie ist in diesen Pandemie-Zeiten wichtiger denn je und bleibt es auch in Zukunft: Viren, die die Atemwege angreifen, bedrohen uns weiterhin, und aus den Erkenntnissen der Corona-Pandemie müssen weitere Lehren gezogen werden. Deshalb lohnt sich die gemeinsame Kraftanstrengung für den Bau des Instituts für Lungengesundheit“, so Wissenschaftsministerin Angela Dorn.

 „Der Neubau des Instituts für Lungengesundheit ist ein weiterer zentraler Baustein am Standort Seltersberg. Die neuen Räumlichkeiten werden exzellente Bedingungen für die Forscherinnen und Forscher an der Universität in Gießen im Kampf gegen tückische Lungenkrankheiten bieten. Ich freue mich, dass im Auswahlverfahren ein Entwurf gefunden wurde, der sowohl die hohen technischen Anforderungen an die Labore als auch die Bedürfnisse der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausreichend berücksichtigt, durch kurze Wege, gut vernetzt, erfolgreich Forschung betreiben zu können. Das Land Hessen investiert kräftig in den neuen Standort für Lungengesundheit in Gießen. Es ist eine wichtige Investition in die Gesundheit der Menschen“, erklärte Finanzminister Michael Boddenberg.

 „Die Gießener Lungenforscherinnen und -forscher sind seit Jahren international an der Spitze – wie wichtig ihre Arbeit ist, zeigt sich in der Corona-Pandemie einmal mehr sehr deutlich“, so JLU-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee. „Ich bin dem Land Hessen äußerst dankbar für die großzügige Förderung des ILH.“

 Lungenkrankheiten gehören zu den weltweit häufigsten Todesursachen – nicht erst seit COVID-19. „Sehr beunruhigend ist, dass die Inzidenz vieler respiratorischer Erkrankungen weiterhin ansteigt, auch unabhängig von der gegenwärtigen dramatischen COVID-19 Pandemie. Gerade unser Lungenzentrum in Gießen muss sich dieser Herausforderung stellen“, so der Gießener Lungenforscher Prof. Dr. Werner Seeger, Vorsitzender des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL). Prof. Dr. Dr. Friedrich Grimminger, Vorstand des Universities of Giessen and Marburg Lung Center (UGMLC), hebt hervor: „Der neuartige Ansatz des ILH besteht darin, nicht nur die gestörte Funktion erkrankter Lungen symptomatisch zu verbessern, sondern – aus der Biologie lernend – Mechanismen der Lungengewebebildung zur Verbesserung der Widerstandfähigkeit und der Regeneration der Lungenstruktur therapeutisch zu nutzen. Vereinfacht formuliert ist das die Hilfe zur Selbsthilfe für die kranke Lunge.“

 Zusammen mit dem DZL, das seinen Sitz in Gießen hat, dem UGMLC, dem Exzellenzcluster Cardio-Pulmonary Institute (CPI) sowie mehreren weiteren Forschungskonsortien wie Sonderforschungsbereichen und Klinischen Forschergruppen konzentriert die JLU grundlagenwissenschaftliche, technologisch-methodische, translationale und klinische Kompetenzen in der Lungenforschung, die in dieser Dichte in Deutschland und auch – so die Aussage internationaler Expertinnen und Experten im Rahmen verschiedener Begutachtungen – in Europa einmalig sind. Das Ziel ist, den Erhalt gesunder Lungenstruktur und die Behandlung von Lungenerkrankungen in eine neue Dimension ursachenbezogener und personalisierter Konzepte zu überführen und neue klinische Standards zu setzen.

Bessere Therapie für Diabetes-Typ-1-Patienten durch Insulinpumpe?

Der Kinder- und Jugendmediziner PD Dr. Clemens Kamrath von der Justus-Liebig-Universität Gießen beteiligt sich als Erstautor an einer Multicenter-Studie. Diese Studie belegt, dass man mit einer Insulinpumpentherapie bei Kindern mit Diabetes-Typ-1 früh beginnen sollte, um die Behandlungsergebnisse zu verbessern.

Foto: Canva

„Bei Kindern und Jugendlichen, die rasch nach der Diagnose ihres Typ-1-Diabetes mit einer Insulinpumpe therapiert werden, kommt es seltener zu lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisungen und weniger Krankenhausaufenthalten als bei einem verzögerten Pumpeneinsatz“, erläutert Kamrath. „Auch der Langzeitblutzuckerwert HbA1c ist günstiger bei Kindern, die frühzeitig eine Insulinpumpe erhalten.“ Darüber hinaus wurden bei einer frühzeitigen Insulinpumpentherapie positive Effekte auf Blutdruck- und Cholesterinwerte festgestellt. Der Body-Mass-Index war bei beiden Gruppen annähernd gleich, eine Gewichtszunahme war mit dem frühen Einsatz der Insulinpumpe also nicht verbunden. 

Untersucht hatten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland und Österreich mehr als 8.000 junge Patientinnen und Patienten mit neu diagnostiziertem Typ-1-Diabetes. Dazu analysierten sie Daten des Diabetesregisters DPV, welches von Studienautor Prof. Dr. Reinhard Holl an der Universität Ulm geleitet wird. 

Typ-1-Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter, allein in Deutschland leiden rund 32.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren daran. Bei dieser chronischen Stoffwechselerkrankung produzieren die Zellen der Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr. Eine Insulinpumpe ahmt die Arbeitsweise einer Bauchspeicheldrüse nach und gibt über einen kleinen Schlauch und eine Nadel, die am Bauch unter der Haut steckt, in regelmäßigen Zeitabständen automatisiert Insulin in den Körper ab. „So kann die Insulinzufuhr insbesondere bei jungen Kindern besser und komfortabler gesteuert werden als mit mehrfach täglichen Injektionen, die häufig mit einer Hemmschwelle verbunden sind“, so Kamrath. 

Publikation

Kamrath et al,  2021 Jan;5(1):17-25: Early versus delayed insulin pump therapy in children with newly diagnosed type 1 diabetes: results from the multicentre, prospective diabetes follow-up DPV registry. Lancet Child Adolesc Health, DOI: 10.1016/S2352-4642(20)30339-4

www.uni-giessen.de

Presse, Kommunikation, Marketing: 
Justus-Liebig-Universität Gießen 
Redaktion: Caroline Link
Ludwigstraße 23 
35390 Gießen 
Telefon: 0641 99-12041 
E-Mail: pressestelle@uni-giessen.de 2

Weitere Informationen:

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33253630/

Kontakt

PD Dr. Clemens Kamrath
Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie
Telefon: 0641 985-43400
E-Mail: clemens.kamrath@paediat.med.uni-giessen.de

THM Studierende sollen praktische Erkenntnisse im Fachbereich Gesundheit ausbauen

Das Agaplesion Evangelische Krankenhaus Mittelhessen und die Technische Hochschule Mittelhessen erweitern ihre Zusammenarbeit.

Studierende des Fachbereich Gesundheit der THM nehmen im Agaplesion Evangelischen Krankenhaus Mittelhessen an Forschungsprojekten und Versuchen teil und können so Theorie und Praxis verknüpfen. Foto: THM

Der Fachbereich Gesundheit der Technischen Hochschule Mittelhessen und die Interdisziplinäre Notaufnahme des Agaplesion Evangelischen Krankenhaus Mittelhessen in Gießen wollen durch gemeinsame wissenschaftliche Projekte die Infrastrukturen im Rettungsdienst weiterentwickeln und kooperieren dafür in Forschung und Praxis. Die Zusammenarbeit der Einrichtungen begann im Bereich der Notfallmedizin und weitete sich auf mehrere weitere Projekte aus. Nun gehören auch die Schnittstellen zwischen der präklinischen und klinischen Notfallmedizin sowie das medizinische Management und die medizinische Informatik dazu. Die Kooperation zielt darauf ab, Patientinnen und Patienten durch Digitalisierung eine verbesserte Versorgung zu bieten.

Durch die Verknüpfung von wissenschaftlichen Ansätzen und praktischer Erfahrung am Patienten soll ein Wissenstransfer etabliert werden, um mittelfristig nicht nur im Landkreis Gießen, sondern auch darüber hinaus Akzente in der Notfallmedizin zu setzen. Studierende, Forschende und das medizinische Personal sollen sich aktiv in die Gestaltung der Digitalisierung der Notfallmedizin und der Versorgungsforschung einbringen.

Nicht nur durch einen Austausch auf Forschungsebene, sondern auch durch Praktika und die Erstellung von Abschlussarbeiten sowie wissenschaftlichen Publikationen sollen Studierende der THM theoretische wie praktische Einblicke in den nicht planbaren Alltag einer Notaufnahme erhalten. „Man muss verstehen, was in einer Notaufnahme geschieht, bevor man es managen kann“, sagt Seán O’Sullivan von der Arbeitsgruppe „Technologien in der Notfallmedizin“ des Fachbereichs Gesundheit an der THM.

Bisherige Ergebnisse der Zusammenarbeit wurden bei entsprechenden internationalen Fachkongressen der „Healthcare Information and Management Systems Society“ (HIMSS/USA), der „Deutschen Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin“ (DGINA) sowie beim „Deutschen Interdisziplinären Notfallmedizin-Kongress“ (DINK) vorgestellt und publiziert. 

Durch die Kooperation sollen auf allen Ebenen der Versorgung Akzente zur Weiterentwicklung im Gesundheitswesen gesetzt und relevante medizinische Innovationen gefördert werden. Auf Dauer sollen so nicht nur Patientinnen und Patienten am Evangelischen Krankenhaus Mittelhessen die bestmögliche, moderne Versorgung erhalten. Aktuelle Projekte im Rahmen der Zusammenarbeit befassen sich mit der Telemedizin, der Entwicklung und Erforschung von softwarebasierten Lösungen im medizinischen Alltag und der Versorgungsforschung.

Personalisierte Medizin: Uni Marburg erforscht visionären Biosensor

Universität Marburg

Die Philipps-Universität Marburg koordiniert ein neues europäisches Forschungsprojekt namens SciFiMed. Das Ziel: Entzündungsreaktionen im Körper besser verstehen. Die Europäische Kommission fördert das internationale Projekt mit insgesamt mehr als 3,5 Millionen Euro für vier Jahre von 2021 bis 2024. Davon gehen etwa 780.000 Euro an die Philipps-Universität Marburg.

Universität Marburg
(Foto: Markus Farnung)

Es ist ein visionäres Projekt, und das zeigt sich nicht nur im Namen: Das internationale Forschungsprojekt SciFiMed will in den kommenden vier Jahren einen Biosensor entwickeln, der dabei hilft, Entzündungsreaktionen im Körper besser zu charakterisieren. Damit sollen die Diagnose und Therapie bei sehr unterschiedlichen Erkrankungen verbessert werden. Die Europäische Kommission fördert das Projekt mit Beteiligten aus vier europäischen Ländern mit insgesamt mehr als 3,5 Millionen Euro für vier Jahre von 2021 bis 2024. Davon gehen etwa 780.000 Euro an die Philipps-Universität Marburg. Die Koordination von SciFiMed („Screening of inFlammation to enable personalized Medicine“) liegt an der Universität Marburg bei Prof. Dr. Diana Pauly.

„Ein gestörtes Immunsystem, das Infektionen nicht abwehren kann oder Autoimmunerkrankungen hervorruft, ist für die Betroffenen sehr belastend. SciFiMed will immunologische Grundlagenforschung mit einer neuartigen Biosensorentwicklung auf Nanomaterialbasis kombinieren“, charakterisiert Pauly das interdisziplinäre Projekt. Bei SciFiMed arbeiten Expertinnen und Experten aus der Genetik, der Immunologie, Nephrologie, Chemie und Augenheilkunde mit Firmen zusammen, um den Biosensor zu entwickeln.

Profitieren könnten davon zum Beispiel Menschen mit Makula-Degeneration, einer Augenerkrankung, an der europaweit etwa 15 Millionen ältere Menschen leiden. Fast die Hälfte von ihnen verliert im Lauf der Erkrankung große Teile des Sichtfelds. Heilbar ist die Krankheit bisher nur teilweise, ebenso wenig wie bestimmte chronische Nierenentzündungen und spezielle Formen bakterieller Infektionen. All diesen Krankheiten gemeinsam ist eine fehlerhafte Regulierung des sogenannten Komplementsystems, einem Bestandteil des angeborenen Immunsystems. „Im Moment wissen wir noch wenig darüber, welche Rolle das Komplementsystem im Entstehungsprozess all dieser Pathologien spielt – zu wenig, um diese Erkrankungen effektiv verhindern, diagnostizieren oder behandeln zu können“, erklärt Pauly.

Nach gegenwärtigem Stand der Forschung spielen der Komplementfaktor H und damit verwandte Proteine eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von systemischen und organspezifischen Krankheiten. Die Funktionsweise des Faktors H ist gut erforscht, die der mit ihm verwandten Proteine jedoch größtenteils unbekannt – ebenso wie ihr Einfluss auf die verschiedenen krankheitsspezifischen, pathogenen Mechanismen.

„Hier setzt unser Forschungsprojekt an“, sagt Pauly. „Unser Verbund aus acht Partnern wird untersuchen, welchen Einfluss die mit dem Komplementfaktor H verwandten Proteine auf die Entstehung von Krankheiten haben.“ Die Ergebnisse sollen anschließend in die Entstehung eines Multiplex-Detektionssystems einfließen, mit dessen Hilfe Patientenproben gleichzeitig auf die funktionelle Aktivität und Menge aller sieben Mitglieder der untersuchten Proteinfamilie untersucht werden können. Diese neu entwickelte Diagnosetechnik soll Ärztinnen und Ärzte künftig vor Ort, in ihrer Praxis oder im Krankenhaus zur Verfügung stehen.

Beteiligte Institutionen:

Neben der Philipps-Universität Marburg, die das Projekt koordiniert, sind die Universität Regensburg, die Complutense Universität Madrid, die Eötvös Loránd Universität in Budapest, das University Medical Center Groningen, die Gesundheitseinrichtung Sanquin (Niederlande) sowie die Biotechnologieunternehmen Hycult Biotech (Niederlande) und Microcoat Biotechnologie GmbH (Deutschland) an dem Forschungsprojekt beteiligt. Das internationale und interdisziplinäre Team arbeitet nicht nur daran, die immunologische Forschung voranzubringen, sondern verfolgt darüber hinaus das Ziel, neue Behandlungsmöglichkeiten und neuartige Ansätze für die Arzneimittelentwicklung zu ermöglichen.

 

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Diana Pauly

Augenklinik / Experimentelle Ophthalmologie

Fachbereich Medizin

Philipps-Universität Marburg

E-Mail: diana.pauly@uni-marburg.de

Web: www.scifimed.eu

Silber für Lungenkrebs-Therapie beim Behnken-Berger-Preis

Exzellente Forschung in der Lungenkrebs-Therapie wird geehrt: Dr. Kilian Baumann erhält den zweiten Platz des Behnken-Berger-Preises für seine Dissertation an der Technischen Hochschule Mittelhessen und der Philipps Universität Marburg. Seine Dissertation beschäftigt sich mit der Bestrahlung von Lungentumoren mit Protonen als vielversprechende Alternative zu bestehenden Therapiekonzepten. Der Gewinn: 10.000 Euro

Foto: DedovStock / shutterstock

Hohe Auszeichnung bei der – corona-bedingt virtuellen – 51. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Physik: Dr. Kilian Baumann hat den mit 10.000 Euro dotierten zweiten Platz des Behnken-Berger-Preises erhalten. Mit dem Preis zeichnet die gleichnamige Stiftung junge Wissenschaftler aus, die auf den Forschungsgebieten Strahlenschutz, Strahlentherapie, Behandlung von Strahlenschäden und Anwendung physikalischer Methoden in der Radiologie hervorragende Leistungen erbracht haben. Die Jury sah Baumanns Doktorarbeit „Untersuchung der Modulationseigenschaften von Lungengewebe in der Strahlentherapie mit Protonen“ als preiswürdig an.

Bei der Arbeit handelt es sich um eine kooperative Promotion von Philipps-Universität Marburg und Technischer Hochschule Mittelhessen. Der gebürtige Münchener Baumann hatte an der THM in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Klemens Zink vom Fachbereich „Life Science Engineering“, zugleich wissenschaftlich-technischer Direktor am Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum (MIT), 2015 bereits sein Masterstudium in Medizinischer Physik mit Auszeichnung absolviert. Nach einem Master in Physik an der LMU München kehrte er 2016 nach Mittelhessen zurück, um am Fachbereich Medizin der Philipps-Universität zu forschen und bei Prof. Dr. Rita Engenhart-Cabillic und Prof. Dr. Klemens Zink zu promovieren.

Dr. Kilian Baumanns neue Therapie-Methode 

Seine Dissertation beschäftigt sich mit der Bestrahlung von Lungentumoren mit Protonen als vielversprechende Alternative zu bestehenden Therapiekonzepten. Dabei mangelte es bislang wegen der Eigenheiten des Lungengewebes an der Sicherheit der applizierten Strahlendosis. Baumann entwickelte eine Methode, um auf Grundlage klinischer Bilddaten diese Dosisunsicherheiten abschätzen zu können. Außerdem wurden Konzepte entwickelt, um eine durch das Lungengewebe bedingte Unterdosierung des Tumorvolumens und damit eine Verschlechterung des Therapieerfolgs auszugleichen.

Baumanns Dissertation legt die wissenschaftliche Grundlage, Lungentumore künftig zielgerichteter mit Protonen behandeln zu können. „Ich freue mich, dass meine Arbeit solch eine Anerkennung erfährt“, sagt der Ausgezeichnete, der seit seiner Dissertation als Medizinphysiker am MIT tätig ist. „Vor allem aber freue ich mich, wenn meine Arbeit die Therapiechancen Krebskranker erhöht.“

Ansprechpartner:
Malte Glotz
Pressestelle
Technische Hochschule Mittelhessen – University of Applied Sciences
Wiesenstraße 14 
35390 Gießen

Besucheradresse:
Ostanlage 39
35390 Gießen

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