MERS-Impfstoff zum Kandidat gegen SARS-CoV-2 weiterentwickelt

Die Suche nach einem Impfstoff, um die aktuelle Coronavirus-Pandemie einzudämmen, läuft auf Hochtouren. Ein Impfstoff, der ursprünglich gegen das SARS-CoV-2 verwandte Coronavirus MERS entwickelt wurde, rückt nun in den Fokus eines Marburger Forschungsteams.

Der Schlüssel zum Sieg im Kampf gegen Corona ist ein wirksamer Impfstoff. Weltweit suchen Forscher nach dem richtigen Wirkstoff, auch in Mittelhessen. Ein Team aus Wissenschaftlern der Philipps-Universität Marburg, der Ludwig-Maximilian-Universität München und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) sind einer möglichen Lösung nun sehr nahe gekommen: der experimentelle MERS-Wirkstoff MVA-MERS-S könnte auch gegen SARS-CoV-2 helfen.

In einer Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) wird der Impfstoff aktuell in einer klinischen Studie an 23 Freiwilligen auf Verträglichkeit und Wirksamkeit untersucht. Prof. Stephan Becker, Leiter des Instituts für Virologie an der Philipps-Universität Marburg und Koordinator für „Neu auftretende Infektionskrankheiten” am DZIF, untersucht in seinem Labor die erste Immunreaktion der Antikörper bei den Studienteilnehmern: „Diese Ergebnisse zeigen, dass der neue Impfstoff das Potential hat, in möglichen zukünftigen MERS-Ausbrüchen eingesetzt zu werden”. 

SARS- und MERS-Viren ähnlich im Aufbau

MERS-CoV-Viren sind Verursacher einer schweren Atemwegserkrankung, dem Middle East Respiratory Syndrome (MERS). Die Atemwegserkrankung verläuft in bis zu 35 Prozent der Fälle tödlich. Weltweit sind bis heute mehr als 2.500 MERS-Fälle in 27 Ländern bestätigt worden. Seit 2012 kam es immer wieder zu sporadischen Ausbrüchen in arabischen Ländern. MERS-CoV gehört wie SARS-CoV-2 zu den Coronaviren. Da die Oberflächenproteine der Virus-Außenhülle, sogenannte Spikeproteine, sich im Aufbau ähneln, können sie als Schlüsselproteine für ein antivirales Mittel dienen. 

MVA-MERS-S als Basis für Impfstoff

Sollten die klinischen Tests erfolgreich verlaufen, kann der MVA-MERS-S-Impfstoff als Basis für einen SARS-CoV-2-Impfstoff dienen. „Die Entwicklung des MERS-Impfstoffes bildet die Grundlage, auf der wir im DZIF zügig einen Impfstoff gegen das neue Virus entwickeln”, erklärt Prof. Marylyn Addo, Leiterin der Sektion Infektiologie des UKE in Hamburg. 

Die Forscher nutzen hierfür eine Art Baukastenprinzip. Der Impfstoff-Kandidat  MVA-MERS-S basiert auf einem abgeschwächten Virus (Modified Ankara Virus – MVA), das schon zur Ausrottung der Pocken verwendet wurde. Durch gentechnische Verfahren kann das MVA-Virus theoretisch mit Protein-Bestandteilen des SARS-CoV-2-Coronavirus ergänzt werden. Somit wird dem menschlichen Immunsystem bei einer Impfung eine Infektion mit SARS-CoV-2 „vorgegaukelt”, wodurch eine Immunantwort stimuliert wird. Der Körper veranlasst nun die Bildung spezifischer Antikörper und T-Zellen gegen die vermeintliche Covid-19 Erkrankung und baut einen Impfschutz auf, welcher auch eine echte Infektion abwehren kann. 

Nur klinische Tests garantieren Wirksamkeit

Warum müssen wir uns dann noch bis 2021 gedulden, wenn die Grundlagen für die Entwicklung eines SARS-CoV-2-Impfstoffes in der Theorie simpel klingen? Die klinischen Impfstudien in Menschen umfassen mehrere langwierige Phasen. Es muss garantiert werden, dass der kommende Impfstoff sicher und gut verträglich ist. Zudem muss geklärt werden, wie oft und in welchen Abständen er verabreicht werden sollte. 

Aktuell zählt die Weltgesundheitsorganisation WHO um die 70 Impfstoff Projekte gegen Covid-19 (Stand: April 2020). Dabei ist es vorteilhaft wenn möglichst viele Impfstoffe die Zulassung erreichen und unter Nutzung vieler Produktionsanlagen hergestellt werden können. So trägt auch das Team um Prof. Stephan Becker aus Mittelhessen, einen Teil im gemeinsamen weltweiten Kampf gegen das Coronavirus bei. 

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