Finanzspritze für Insektenbiotechnologie

Wirkstoffe für die Medizin, nachhaltigen Pflanzenschutz oder die industrielle Biotechnologie – all das und vieles mehr schlummert in Insekten und ihren Zellen. Um die Wissenschaftler bei ihren innovativen Vorhaben zu unterstützen, stellt das Land Hessen weitere Fördermittel zur Verfügung.

Foto: jggrz -Pixabay

Die Insektenforschung in Gießen ist eine Erfolgsstory. So formulierte es Wissenschaftsministerin Angela Dorn als sie verkündete, dass die umfangreiche Förderung der Insektenbiotechnologie in Hessen weitergeht: Das Land stellt zusätzliche 1,5 Millionen Euro aus LOEWE-Mitteln bereit, um die Hälfte der Mehrkosten des Neubaus für das geplante Fraunhofer-Institut Bioressourcen in Gießen zu finanzieren. Bei einer Feierstunde des Gießener LOEWE-Zentrums Insektenbiotechnologie & Bioressourcen (ZIB) überreichte Ministerin Dorn auch den Förderbescheid zu der im Dezember beschlossenen Auslauffinanzierung des ZIB aus dem hessischen LOEWE-Programm zur Förderung von Spitzenforschung.

Wo die Insektenforschung brummt

„Aus einer einmaligen Förderung für den Aufbau einer Fraunhofer-Projektgruppe Bioressourcen an der Universität Gießen im Jahr 2009 wurde erst ein LOEWE-Schwerpunkt, dann das LOEWE-Zentrum”, erklärte Ministerin Dorn. „Dessen hervorragende Arbeit werden wir nun bis 2022 mit weiteren 5,8 Millionen Euro unterstützen. Insgesamt hat das Land Hessen bisher rund 67 Millionen Euro aus dem LOEWE-Programm für die Gießener Insektenforschung bewilligt.” Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen biotechnologische Methoden, um mithilfe von Insekten oder deren Zellen etwa neue Wirkstoffe für die Medizin (z.B. Bekämpfung antibiotikaresistenter Bakterien oder Heilmittel für chronisch infizierte Wunden), den nachhaltigen Pflanzenschutz (z. B. umweltfreundliche Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft) oder die industriellen Biotechnologie (z.B. biologische Konservierung von Lebensmitteln) zu entwickeln. 

Moderne Infrastruktur inklusive Gewächshaus

Der viergeschossige Neubau kostet insgesamt rund 33 Millionen Euro und bietet Platz für Labore, Büros und ein Foyer. Auf dem Dach wird zudem ein Gewächshaus errichtet. Mehrkosten sind durch allgemein steigende Baukosten entstanden. „Der Neubau ist für die Institutsgründung und damit für die Verstetigung der mit LOEWE-Mitteln aufgebauten Forschungsressourcen am Standort Gießen von zentraler Bedeutung”, sagte Dorn. „Ich bin zuversichtlich, dass die Fraunhofer-Gesellschaft – so wie bisher – die andere Hälfte dieser Mehrkosten aus Bundesmitteln tragen wird, damit die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schnellstmöglich den Neubau mit seiner hochmodernen Infrastruktur beziehen können.“

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Millionen Euro hat das Land Hessen bisher aus dem LOEWE-Programm für die Gießener Insektenforschung bewilligt

International renommiert: Insektenforschung aus Gießen

Auch Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, Präsident der Justus-Liebig-Universität (JLU), zeigte sich erfreut darüber, dass die Übergabe dieses Zuwendungsbescheides im neuen Fraunhofer-Gebäude stattfand, das durch finanzieller Unterstützung des Landes Hessen gebaut wurde. „Mit der Etablierung des Institutsteils Bioressourcen des Fraunhofer Instituts IME am Standort Gießen, verbunden mit der Perspektive einer eigenständigen Fraunhofer-Einrichtung, hat die LOEWE-Förderung ein sichtbares und nachhaltiges Ziel erreicht”, sagte Mukherjee. „Ich bin dem Land Hessen außerordentlich dankbar für die langjährige Förderung dieses innovativen Forschungsgebietes. Nicht zuletzt durch diese Unterstützung ist die Gießener Insektenbiotechnologie auch international renommiert.“

 

Nachhaltige Lösungen für globale Herausforderungen

Übergabe Förderbescheid LOEWE-ZIB; Foto: Friese1

Prof. Dr. Andreas Vilcinskas vom Institut für Insektenbiotechnologie der JLU und der Fraunhofer-Projektgruppe Bioressourcen, der das LOEWE-Zentrum für Insektenbiotechnologie und Bioressourcen koordiniert, skizzierte die Bedeutung des Forschungsgebietes: „Invasive Arten wie Stechmücken, die neue Krankheitserreger einschleppen, biologischer Pflanzenschutz, der Erhalt der Biodiversität, die Produktion von Nahrungsmitteln für eine wachsende Weltbevölkerung – für alle diese globalen Herausforderungen suchen wir nach nachhaltigen Lösungen. Dank der Förderung des Landes Hessen und mit der Fraunhofer-Gesellschaft als Partner sind wir in Gießen auf dem besten Weg, eine internationale Spitzenposition in der Insektenbiotechnologie einzunehmen – in der Forschung und in der Anwendung.“

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